Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Zwölf Höfe und eine Gaststätte

MAZ-Serie: „Schöne Grüße aus...Kreuzbruch“ Zwölf Höfe und eine Gaststätte

In der neuen Serie porträtiert MAZ kleine Dörfer aus Oberhavel. Diesmal war die Reporterin in Kreuzbruch unterwegs, einem 200- Seelen-Ort, der mit Natur, Grün und ländlicher Idylle besticht.

Voriger Artikel
Wir fühlen uns vom Landkreis diskriminiert!
Nächster Artikel
Herbstzeit ist Bastelzeit

Blick auf die Kirche von Kreuzbruch.

Kreuzbruch. Einen Gesprächstermin mit Kreuzbruchs Ortsvorsteher Dietmar Dessau zu bekommen gleicht einem Glückstreffer. Jedoch nicht wenn man bedenkt, dass er neben seinem ehrenamtlichen politischen Engagement auch noch Landwirt ist. „Eine Stunde Mittag braucht der Bauer“, erklärt der gebürtige Buckower, der seit 1982 in Kreuzbruch lebt, damals aber noch in Neuholland gearbeitet hat. Trotzdem gibt er seine wenige freie Zeit für eine Unterhaltung her. Dass ihm Kreuzbruch am Herzen liegt, spürt man in jedem Wort. Trotzdem stellt er sich nicht in den Vordergrund. So verzichtete er auf ein eigenes Büro im 2009 neugebauten Feuerwehrhaus, einem Gemeinschaftsbau, wie er erklärt, denn im Obergeschoss befinden sich Bürgersaal und Büros. „Der Bürgersaal wird nicht nur für die Ortbeiratssitzungen genutzt, sondern kann auch für Feiern gemietet werden.“

Seit langem engagiert er sich für die Gemeinde, die früher selbstständig war und seit 2003 Teil von Liebenwalde ist. „Politik ist das normalste der Welt!“ Nach der Wende übernahm Dessau die alte LPG und stellte sie von Färsenzucht auf Milchvieh um. Gerade aber hat er seine Milchkühe abgegeben, um sich wieder ganz der Färsenaufzucht zu widmen. „Da beginnt der Tag wenigstens nicht so früh“, so der Landwirt trocken über seine Sieben-Tage-Woche.

Das 1717 erstmals erwähnte Dorf war und wird bis heute von der Landwirtschaft geprägt. „Kreuzbruch waren früher zwölf Höfe und eine Gaststätte.“ Mit wenigen Worten lässt sich so der langgestreckte Ort, der vier Kilometer südlich von Liebenwalde idyllisch im Naturpark Barnim liegt, und zum Teil zum Vogel- und Landschaftsschutzgebiet Obere Havelniederung gehört, beschreiben. Eine Idylle, die auch Feriengäste zu schätzen wissen. Mehrere Ferienwohnungen im Dorf laden dazu ein, Kreuzbruch und seine reizvolle Umgebung zu erkunden. Sei es mit dem Fahrrad – so führen der Radweg Berlin-Kopenhagen und der Holländer Radrundweg durch den Ort – oder aber per Pferd. Sebastian und Julia Kottwitz bieten auf ihrem 1914 gebauten Dreiseithof verschiedene Reitmöglichkeiten auf Kabardinerpferden an. Weit über die Landesgrenzen sind sie vor allem für ihre Distanzreitveranstaltungen bekannt.

„Von der Landwirtschaft leben, können aber nur noch wenige“, erklärt Ortsvorsteher Dessau. So seien Reitställe oder der Hofladen von Familie Gräben ideale Ergänzungen, auch zukünftig die historischen Vierseithöfe, zu denen ursprünglich je rund 40 Hektar Land gehörten, mit Leben zu füllen.

„Kreuzbruch ist meine Heimat.“ Carola Gräben, eigentlich Diplominformatikerin, übernahm ihren liebevoll dekorierten Vierseithof vom Vater. Mit insgesamt vier Generationen lebt und arbeitet die engagierte, zur ländlichen Hauswirtschafts- meisterin umge- schulte Frau, auf dem Hof. „Das ist das Schö-ne.“ Im Hofladen wer-den die Erzeugnisse der Haltung von 75 Mutterkühen der Rasse deutsch Angus angeboten. Zu Schlachtefesten oder der Landpartie kommen auch viele Kreuzbrucher. „Wir sind ein lebendiger Bauernhof.“ Für die Gäste der insgesamt drei Ferienwohnungen gibt es zudem Hühner, Ziegen, Esel, Gänse und Kaninchen zu bestaunen. Mit den Landfrauen sei sie herumgekommen, hätte sich manches von anderen abgeschaut, verrät Carola Gräben. „Wir gehen mit der Zeit. Vor zwanzig Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Leute zu uns raus kommen, um hier Urlaub zu machen.“

Manche bleiben aber auch für immer. „Wir haben keinen Leerstand“, berichtet der Ortsvorsteher nicht ohne Stolz. Der alte Bahnhof wird privat genutzt und selbst die 1878 geweihte Kirche, die lange zu verfallen drohte, fand einen Käufer. Horst Schneider kaufte und restaurierte sie mit Liebe zum Detail. Zu besichtigen ist das märkische Kleinod nun bei kulturellen Veranstaltungen, Hochzeiten oder Ausstellungen.

„Das sind unsere geglückten Zuzüge“, so Dessau über den NeuKreuzbrucher Schneider, der neben der Kirche auch eine Domäne erstanden hat. Ein weiterer Zuzug aus Berlin, über den sich der Ortsvorsteher glücklich schätzt, ist Marianne Hennicke mit ihrer Familie. 1992 erwarben sie ein Haus mit Grundstück, das bis an den Oder-Havel-Kanal reicht. „Wir lieben die Ruhe und das Grün, haben gleichzeitig Nähe und Abstand“, beschreibt die Rentnerin, die Kreuzbruch in der Liebenwalder Stadtverordnetenversammlung vertritt, das Lebensgefühl im Ort.

Mit dem Kreuzbrucher Heimatverein will sie zudem im alten Schulhaus neben der Kirche ein Dorfmuseum einrichten. „Der Heimatverein ist wichtig für Kreuzbruch, da er viele Veranstaltungen wie das Erntefest, Oster- oder Hubertusfeuer, die Strickrunde jeden Dienstag oder auch die Seniorenweihnachtsfeier organisiert.“

Treffpunkt im Ort ist auch die gut besuchte Gaststätte „Lindeneck“, direkt gegenüber der Feuerwehr an der L 21. „So was gehört zum Dorf!“, so Dessau. Er würde sich deshalb wünschen, dass die Einwohner noch öfter ihre Eigeninteressen hintenan stellen würden, und mehr für die Gemeinschaft, für das Dorfleben tun würden. „Früher verband uns die gemeinsame Arbeit, heute müssen wir andere Gemeinsamkeiten pflegen.“

0b2dd8f0-7308-11e5-9a95-076aad4559d0

„Schöne Grüße aus Kreuzbruch“ heißt in der aktuellen Folge der MAZ-Serie. Diesmal waren wir in einem kleinen Örtchen unterwegs, das vor allem mit viel lebendiger, ländlicher Idylle besticht.

Zur Bildergalerie

Von Ulrike Gawande

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg