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Oder-Spree Beeskow sucht einen Burgschreiber
Lokales Oder-Spree Beeskow sucht einen Burgschreiber
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17:16 10.04.2018
Gebäude der Burg Beeskow. Quelle: dpa
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Beeskow

Einen solchen Job gibt es kein zweites Mal in Brandenburg: Den „Burgschreiber zu Beeskow“. Die ungewöhnliche Stellenausschreibung richtet sich an Autoren, die für ein halbes Jahr in einem 700 Jahre alten Gemäuer am Ufer der Spree leben und schreiben wollen. Wohn- und Arbeitszimmer, Küche, Bad sind mietfrei, dazu gibt es monatlich 750 Euro. Bis zum 1. April läuft die Ausschreibung. Von diesem September an bis zum Januar 2019 geht die Amtszeit.

Schriftsteller für regionale Themen

Zum 26. Mal soll ein Literat in die Kreisstadt von Oder-Spree kommen, um nicht nur an seinen aktuellen Texten in Ruhe weiterzuarbeiten, sondern auch, um die Region schriftstellerisch zu verewigen. „Burgminiaturen“ wünscht sich Burgdirektor Arnold Bischinger. Sie sollen regionale Themen aufgreifen und öffentlich vorgetragen werden.

Arnold Bischinger, Direktor der Burg Beeskow, steht im Zimmer des künftigen Burgschreibers. Quelle: dpa

Ideal sei es, wenn der Burgschreiber in Beeskow und Umgebung unterwegs sei und sich umhöre, etwa Schulen besuche. Er könne aber ohne Vorschriften arbeiten. Nur die Residenzpflicht in der Stadt Beeskow sei bindend - trotz aller Verlockungen des nahen Berlins.

Idyllisch residieren

Als Entschädigung gibt es einen ungewöhnlichen und idyllischen Wohn- und Arbeitsort im Grünen. 1316 wurde die Burg erstmals erwähnt. Sie hat einen 30 Meter hohen Burgfried, eine Dauerausstellung zeigt die Geschichte des Tabaks rund um das Beeskower Geschäft von „Zigarren-Lange“. Konzerte, Theater, Ausstellungen, Lesungen gibt es regelmäßig in den roten Klinkermauern, die in ihrer heutigen Form zwischen 1519 und 1524 entstanden sind und sich über das Flussufer der nahen Spree erheben.

Nicht das Land Brandenburg mit ihren offenen Landschaften, Seen und Burgen wie in Beeskow, sondern Berlin gleich nebenan ziehe Literaten an, sagt Hendrik Röder, Geschäftsführer des Brandenburgischen Literaturbüros. „Brandenburg ist nicht so attraktiv für Autoren. Es sei denn, sie sind bereits erfolgreich und können es sich als Rückzugsort, als Schreibrefugium leisten und dort gut leben.“

„Ort kulturpolitisch bekannter machen“

Das literarische Leben Brandenburgs braucht Unterstützung – findet die Politik. Kulturministerin Martina Münch (SPD) sagt, dass die „Stadt- und Burgschreiber helfen, einen Ort kulturpolitisch bekannter zu machen“. Erst im Dezember 2017 hatte das Land die Förderung von Autoren beschlossen, ab 2019 soll ein Literaturpreis ausgelobt werden. Aktuell gibt es 10 000 Euro für Stadtschreiber in der Tucholsky-Stadt Rheinsberg. Die Finanzierung der Burgschreiberstelle in Beeskow stemmt der Landkreis Oder-Spree allein.

Wer sich auf die Beeskower Stelle bewerben will, sollte bereits in Verlagen veröffentlicht haben, Filme, Hörspiele oder Theaterstücke kreiert haben. Als Burgschreiber verpflichtet er sich, neben einer Antritts- und Abschlusslesung auch „gesammelte Eindrücke in regelmäßigen Kolumnen zu publizieren“.

Der 30 Meter hohe Burgfried ist das Zentrale Gebäude der Burg Beeskow. Quelle: dpa

20 bis 30 Frauen und Männer aus dem In- und Ausland bewerben sich nach Angaben von Burgdirektor Bischinger durchschnittlich pro Jahrgang um den seltenen Posten. Die Auswahl trifft eine Jury. Sie begutachtet dafür bereits veröffentlichte Leseproben.

Ehemalige Burgschreiber

Frühere Burgschreiber sind etwa der Polnisch-Übersetzer Henryk Bereska (1926-2005), der 2002 auf der Burg arbeitete oder der Sachbuchautor Armin Strohmeyer, der dort 2010 schrieb.

Gerade hat die Wiener Lyrikerin Regina Hilber (48) ihre Amtszeit beendet. Die Schriftstellerin gehört nach eigenem Bekunden zu den aus ihrer Sicht bislang wenigen Burgschreibern, die ihren ungewöhnlichen Schreibort auf Zeit tatsächlich richtig ins Herz geschlossen haben. Es war wohl gegenseitige Liebe: Auch auf der Burg Beeskow schwärmen sie von ihr. Hilber erkundete die Region intensiv, sah sich in Frankfurt (Oder) und Cottbus um, wirkte als Nebendarstellerin in einem Film mit. Nach Beeskow kommt sie zurück - als Jurorin, wenn der neue Burgschreiber ermittelt wird.

Von MAZonline

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