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1-Million-Euro-Kreisverkehr: Streit geht weiter

Protest an Landesplänen 1-Million-Euro-Kreisverkehr: Streit geht weiter

Es klingt schon ein wenig unglaublich: In Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) soll ein Kreisverkehr abgerissen und in kleinerer Form wieder aufgebaut werden. Kosten: eine Million Euro. Seit Wochen wird in der Stadt über Sinn und Unsinn dieser Pläne diskutiert. Jetzt legen Experten neue Zahlen vor, die die Zweifler bestätigen.

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Umstritten ist, ob ein Neubau des großen Kreisels wirklich notwendig ist.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Trotz heftiger Kritik verteidigt Neuruppins Vize-Bürgermeister Arne Krohn die Pläne des Landes, d en Kreisverkehr an der Neustädter Straße in Neuruppin abzureißen und für viel Geld in einem kleineren Format wieder aufzubauen. Der Durchmesser des Kreisels würde sich dann von 70 auf 40 Meter verringern. Krohn hat damit kein Problem. Demnach haben sich die Verkehrsprognosen, die vor dem Bau des Kreisverkehrs angestellt wurden, nicht bestätigt. Vielmehr sei der Verkehr zwischen 2007 und 2015 sogar zurückgegangen, sagte Krohn und verwies auf die Antwort des Landesbetriebs Straßenwesen auf eine Anfrage im Landtag. „Die Reduzierung des Durchmessers wirkt sich auch nicht auf die Kapazität des Kreisverkehrs aus“, sagte der Baudezernent am Donnerstag im Bauausschuss.

Ex-Tiefbauamtsleiter stimmt in die Kritik ein

„Da bin ich komplett anderer Meinung“, entgegnete Sven Deter (CDU). Der Wulkower bezweifelt, dass die Verkehrszählungen überhaupt seriös sind – wegen der vielen Baustellen. „Die schränken doch derzeit den Durchgangsverkehr ein.“ Deter will, dass der Kreisel so groß wie jetzt bleibt. „Sonst besteht die Gefahr, dass er in ein paar Jahren wieder zu klein ist.“

Auch Neuruppins früherer Tiefbauamtsleiter Manfred Krell übt weiterhin scharfe Kritik an den Plänen des Landesstraßenbetriebs. Er hält es für „absolute Geldverschwendung“, den Kreisverkehr abzureißen und kleiner neu zu bauen. Aus Krells Sicht würde es ausreichen, die verschlissene Fahrbahndecke zu erneuern. Das würde auch nur einen Bruchteil des Geldes kosten, der jetzt eingeplant ist, davon ist Krell fest überzeugt.

Planungsbüro kommt nur auf Kosten von 120 000 Euro

Auf rund eine Million Euro schätzt der Landestraßenbetrieb die Kosten für den Neubau eines kleineren Kreisels. Dass die Sanierung der Fahrbahn wesentlich billiger wäre „stimmt nicht“, versichert Frank Schmidt, der zuständige Planungsdezernent des Landesbetriebs. Manfred Krell bleibt bei seiner Kritik und hat ein Planungsbüro nachrechnen lassen. „Etwa 120 000 Euro würde alles zusammen kosten“, sagt der pensionierte Tiefbaufachmann und fühlt sich klar bestätigt. Gutachter hatten den Zustand der Fahrbahn im Auftrag des Landesstraßenbetriebs schon 2014 untersucht und dabei festgestellt, dass die Unterkonstruktion noch in Ordnung und tragfähig ist. Warum also alles neu bauen, wenn es auch eine billige Sanierung der Oberfläche tun würde?

Frank Schmidt verweist auf die aktuelle Richtlinie des Bundes für den Bau von Kreiseln. Nach der sind so große Kreisverkehre an Straßen mit so wenigen Fahrzeugen nicht vorgesehen.

Schon jetzt gibt es regelmäßig Staus

Krell hält das für vorgeschoben. „Die Richtlinie gilt für den Neubau“, echauffiert er sich. „Aber dieser Kreisverkehrsplatz besteht doch schon längst.“ Außerdem fürchtet er, dass Staus programmiert sind, wenn das Land den Kreisel von 70 Meter Durchmesser auf 40 Meter verkleinert. Schon jetzt bilden sich im Berufsverkehr regelmäßig Autoschlangen. Mit diesem Argument hatte die Stadt vor knapp 20 Jahren im Verkehrsministerium in Potsdam die Erlaubnis durchgesetzt, einen so großem Kreisel bauen zu dürfen. Das damalige Landesstraßenbauamt war von Anfang an dagegen.

Planungsdezernent kommt am 9. Mai nach Neuruppin

Eine Sanierung des Kreisels wäre auch für die Stadt Neuruppin deutlich billiger als ein Neubau. Beim Neubau soll Neuruppin rund 95 000 Euro dazuzahlen; etwa 60 000 Euro stellt der Landestraßenbetrieb als Fördermittel in Aussicht, trotzdem bleiben 35 000 Euro für die Stadtkasse – bei einer Sanierung müsste die Fontanestadt wohl weit weniger bezahlen.

Einen Termin, wann die Arbeiten in diesem Jahr beginnen sollen, wollte der Landesstraßenbetrieb bisher noch nicht nennen. Die Stadtverwaltung geht von einem Baustart im September aus. Ob sie damit richtig liegt, kann Planungsdezernent Schmidt am 9. Mai in Neuruppin selbst sagen. Für diesen Tag ist er zum Bauausschuss eingeladen.

Von Andreas Vogel und Reyk Grunow

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