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18-jähriger will in den Bundestag

Neuruppin 18-jähriger will in den Bundestag

Corvin Drößler will für die Partei in den Bundestag ziehen. Der 18-jährige Walslebener schätzt den ironischen Ansatz der Partei. Eine bloße Spaßpartei ist sie für ihn jedoch nicht.

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Corvin Drößler kandidiert für die Partei. Seine Wahlplakate sind die originellsten, die in Ostprignitz-Ruppin gehängt wurden.

Quelle: Frauke Herweg

Neuruppin. Andere würden nach dem Abitur in die weite Welt ziehen – einige Wochen durch Australien reisen, Erfahrungen in Asien sammeln, Praktika im Ausland absolvieren. Corvin Drößler nicht. Schon in der neunten Klasse wusste er, dass er gern Lehrer werden würde. In wenigen Wochen wird er anfangen, in Potsdam Deutsch und Geografie zu studieren. Das Abi hat der 18-Jährige seit wenigen Monaten in der Tasche.

„Ich will auch weiterhin in Neuruppin aktiv bleiben können“, sagt Corvin Drößler. Weiter bei Union Neuruppin die Bälle halten, weiter beim Orchester der Kreismusikschule Schlagzeug spielen – beides will er nicht aufgeben. In die Ferne hat den Walslebener nichts gezogen.

Im März war Drößler von dem erst wenige Monate zuvor gegründeten Kreisverband der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die Partei) zum Direktkandidaten für den Bundestagswahlkreis 56 nominiert worden. Drößler hatte nicht lange überlegen müssen, als er gefragt wurde, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könnte. An der Evangelischen Schule war er Schülersprecher gewesen. „Ich habe gern für die gesprochen, die sich selbst nicht getraut haben.“

Als Partei-Kandidat wünscht sich Corvin Drößler eine „andere Art von Politik“, eine Politik, die auch die Interessen von Erstwählern, von jungen Menschen aufgreift. „Das ist doch eine ganze andere Generation, die da gerade Politik macht.“

Auch er war in diesem Jahr ein Opfer der Panne beim Brandenburger Mathe-Abi geworden. Fast 2600 Schüler hatten die Prüfung wiederholen müssen, weil sie auf die ihnen gestellten Aufgaben nicht richtig vorbereitet worden waren. „Ärgerlich“, findet Corvin Drößler. Durch wechselnde Vorgaben an die Lerninhalte sei an den Schülern in den vergangenen Jahren „viel zu viel herumexperimentiert worden“. „Man sollte da eine klare Linie finden“, fordert er. Schüler sollten zudem wieder mehr Zeit fürs Abitur bekommen: wieder 13 Jahre. Damit der Stundenplan nicht so überfrachtet ist.

In seinem Wahlprogramm fordert Corvin Drößler die Legalisierung von Drogen, die Abschaffung des Bundesadlers und den Bau von Mauern. Was spaßig daherkommt, ist Drößler durchaus ernst. Das mit den Mauern, sagt er, sei auch eine Spitze gegen die AfD, deren Chefin Frauke Petry den Schießbefehl an deutschen Grenzen einführen wollte, um Flüchtlinge fernhalten. „Völlig absurd“, sagt er. Auf dem Neuruppiner Schulplatz gab es damals eine Demo gegen Rechtspopulismus. Auch Drößler ging mit auf die Straße. Jegliche Art von Ausgrenzung ist ihm zuwider.

Drößler schätzt den Kabarettisten Nico Semsrott. Der Slam-Poet entlarvt die Logik der Rechten und ließ sich zur Bundestagswahl von der Partei auf der Berliner Landesliste als Spitzenkandidat aufstellen. Nico Seyfried und Maxim Drüner von der Berliner Rap-Formation „K.I.Z.“, die im vergangenen Jahr in ihrem Wahlkreis Kreuzberg-Friedrichshain für die Partei als Bürgermeister kandidierten, machten ihm die Partei ebenfalls sympathisch.

Wie zäh, wie mühselig eine Kandidatur sein kann, erfuhr Corvin Drößler in den vergangenen Monaten. Nach seiner Nominierung hatte er 200 Unterstützerunterschriften sammeln müssen – mitten in der Abi-Zeit. „Ein hartes Stück Arbeit“, sagt er.

Als er die Unterschriftenliste anschließend vorlegen musste, monierten die Behörden Unleserlichkeit von Einträgen oder eine unkonventionelle Abkürzung von „Straße“. „Mir ist jetzt ein wenig verständlicher, warum politische Prozesse so langsam verlaufen“, sagt Drößler mit einem Grinsen.

200 Wahlplakate ließ seine gerade mal 20 Mitglieder starker Kreisverband für ihn drucken. Drößler musste sie weitgehend alleine aufhängen. „Ich war ein bisschen stolz, als ich die Plakate das erste Mal gesehen habe“, sagt er. „Das allererste Plakat habe ich vor dem Evi aufgehängt.“

Wie seine Wahlchancen sind? Nicht Letzter zu werden, wäre nicht schlecht, sagt er. „Um die anderen ein bisschen zu ärgern.“

Von Frauke Herweg

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