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1915: Ernste Ansichtskarten aus Neuruppin

Post aus der Garnisonsstadt 1915: Ernste Ansichtskarten aus Neuruppin

Vor 100 Jahren tobte der Erste Weltkrieg – die Auswirkungen waren auch fernab der Front in der Heimat zu spüren. Aus der Garnisonsstadt Neuruppin schickten viele Soldaten Post an ihre Angehörigen. Oft trafen schöne Motive auf nachdenkliche Texte.

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„Liebe Eltern, bin am 3. Feiertag wieder um 12 Uhr glücklich hier angekommen, haben nur 3 Stunden schlafen können. – Vorgestern haben wir eine große Nachtübung gehabt, einen großen Marsch, verbunden mit einem Gefecht. Heute liege ich in der Kranken-Stube, habe mir Bronchial-Katarrh zugezogen. [...]“ 29.5.1915 von Neuruppin nach Berlin.

Neuruppin. Vor genau hundert Jahren – Mitte 1915 – war der Erste Weltkrieg längst in einen Stellungskrieg übergangen. Von den eigentlichen Kämpfen war im Ruppiner Land nichts zu spüren, wohl aber von deren Folgen: So groß die Euphorie bei vielen Deutschen zu Beginn des Krieges war, so blieb doch nicht verborgen, dass mit den Monaten mehr und mehr verwundete Soldaten nach Hause zurückkehrten.

Manch einer kehrte gar nicht zurück. Vor allem in Frankreich war aus einem erhofften schnellen Feldzug ein blutiges Gemetzel ohne nennenswerte Gebietsgewinne geworden. Deshalb wandelten sich Stolz und Großmut der Daheimgebliebenen nach und nach in die Sorge um die Liebsten an der Front. Die Angst vor einer Todesbenachrichtigung war groß – und die kam in der Regel per Post.

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Vor 100 Jahren wurden zahllose Postkarten geschrieben, vor allem Soldaten nutzten die Post, um mit ihren Angehörigen in Verbindung zu bleiben. Schöne Motive trafen oft auf ernste Botschaften.

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Die Post war es zugleich, die vielen Familien Hoffnung gab. Sie war das einzige praktikable Mittel in diesen Größenordnungen, um über die Entfernung miteinander in Verbindung zu bleiben. So fanden viele Briefe, Postkarten und Pakete den Weg an die Front und umgekehrt in die Heimat.

„Feldpost“ ist auf etlichen der erhaltenen Karten zu lesen. Der Transport an die Front war unentgeltlich, schließlich galten die Nachrichten aus der Heimat als wichtige moralische Unterstützung für die kämpfenden Soldaten. Die Soldaten wiederum konnten ihren Angehörigen schreiben, nicht nur von der Front, sondern auch aus den Kasernen. Da Neuruppin eine Garnisonsstadt war, schickten von hier aus viele Soldaten Grüße an Freunde und Verwandte. So bitter der damalige Anlass für die viele Post war, so reich ist heute der Fundus an erhaltenen Stücken. Gerade durch alte Ansichtskarten wird die Ruppiner Geschichte ein Stück weit lebendig.

Eine flächendeckende Zensur wie im Zweiten Weltkrieg gab es nicht, doch mittels so genannter „Postsperren“ wurde das Briefgeheimnis beschnitten. Sie erlaubten zu bestimmten Zeiten ausschließlich den Versand offener Briefe. Postkarten waren ohnehin frei lesbar. Aus heutiger Sicht ist dennoch interessant, dass einige Soldaten sehr freimütig – und sehr viel offener als später ihre Söhne im Zweiten Weltkrieg – von ihrem Erlebten berichteten. Häufig scheinen sich die schönen Motive und die ernsten Texte zu widersprechen. Eine Auswahl von Karten aus dem Jahr 1915 finden Sie auf dieser Seite.

Von Mischa Karth

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