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Ostprignitz-Ruppin Brandstifter muss in die Psychiatrie
Lokales Ostprignitz-Ruppin Brandstifter muss in die Psychiatrie
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15:33 12.03.2019
Landgericht Neuruppin Quelle: Helge Treichel
Neuruppin

Erst legte Hazrat K. in der Nacht zum 18. Juli vergangenen Jahres Feuer in seinem Zimmer im Asylbewerberheim in Treskow. Anschließend verließ der 20-Jährige das Gebäude und hinterließ an der Erich-Dieckhoff-Straße Richtung Innenstadt eine Schneise der Verwüstung.

Sich gegen Festnahme gewehrt

Bei neun parkenden Fahrzeugen, die wie es die Vorsitzende Richterin beschrieb, wie Perlen dort aufgereiht waren, brach er die Außenspiegel ab, zertrümmerte Autoscheiben und Scheinwerfer. Kurz darauf wurde er von der Polizei in der Nähe des Gutshofes festgenommen. Das hatte er allerdings nicht ohne Widerstand zu leisten über sich ergehen lassen.

Seit Januar saß Hazrat K. als Angeklagter vor dem Landgericht Neuruppin. Die dritte Große Strafkammer sprach ihn nun von den Vorwürfen der schweren Brandstiftung, der mehrfachen Sachbeschädigung und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte frei. Gleichzeitig ordneten die Richter seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

20-Jähriger ist krank und deshalb schuldunfähig

Denn Hazrat K. ist krank. Der junge Pakistaner leidet laut Diagnose des psychiatrischen Sachverständigen Horst Ihloff an einer paranoiden Schizophrenie und war zur Tatzeit akut psychotisch. Deshalb kann er strafrechtlich für das, was er in jener Nacht angerichtet hat, nicht zur Verantwortung gezogen werden.

„Wir gehen davon aus, dass Hazrat K. der Täter war“, sagte die Vorsitzende Richterin. Vor Gericht hatte der Angeklagte die Taten bestritten, sie allerdings bei der Polizei und dem Sachverständigen zugegeben und dort auch detaillierte Angaben zur Brandstiftung gemacht. Angaben, die mit den Erkenntnissen des Brandsachverständigen übereinstimmten.

Zwar fingen die mit Gipskarton verkleideten Wände kein Feuer, sondern lediglich die Papierschicht darauf. Doch die Rußentwicklung reichte aus, um einen großen Teil des Objektes unbrauchbar zu machen. Die komplette Etage war über Monate unbewohnbar.

Die Richter gingen davon aus, dass es sich bei dem Angeklagten um eine paranoide Schizophrenie handelt und nicht um eine durch Drogen verursachte Psychose. Aus dem bei seiner Verhaftung festgestellten Blutwert könne man den Schluss auf einen gelegentlichen Konsum von Cannabis schließen, so die Richterin. Das entspricht auch Hazrat K.s eigenen Angaben.

Bereits seit Monaten auffällig

Sowohl sein Zimmernachbar als auch andere Heimbewohner hatten ihn bereits Monate vor den hier angeklagten Taten als psychisch auffällig beschrieben. Verwirrt war er bei seiner Festnahme und auch noch beim Gutachter. Im Gefängnis wurde er medikamentös eingestellt, setzte die Arznei dann aber selbstständig ab – und wurde wieder auffällig. Daraufhin kam er ins Krankenhaus. Erst seit Mitte Oktober zeigt er keine krankheitsbedingten Symptome mehr.

Ohne Medikamente besteht die Gefahr, dass Hazrat K. wieder straffällig wird und damit eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Anders als der Verteidiger sah das Gericht keinen Grund, die Unterbringung zur Bewährung auszusetzen.

„Ob er krankheitseinsichtig ist, wissen wir nicht“, sagte die Richterin. Die vom Verteidiger angeregte Unterbringung in einer betreuten Wohneinrichtung unterscheide sich nicht grundlegend vom Wohnen im Heim, wo er bis zu seiner Verhaftung lebte. Auch dort hatte er Ansprechpartner, war nicht allein auf sich gestellt.

Angeklagter ist hier „perspektivlos“

Hazrat K. hat unklare Lebensverhältnisse. „Er ist hier perspektivlos“, sagte die Richterin. Vor drei Jahren kam der Heranwachsende nach Deutschland. Aufgewachsen ist er nach eigenen Angaben in einer Bergregion zwischen Afghanistan und Pakistan. Sein Vater kam bei einer Bombenexplosion ums Leben, als Hazrat K. 13 Jahre alt war.

Sein Asylantrag wurde abgelehnt, er besitzt lediglich eine Aufenthaltsduldung. Seit seiner Festnahme sitzt er im Gefängnis in Untersuchungshaft. Nun muss er von dort aus in die Landesklinik nach Eberswalde, wo er behandelt wird.

Von Dagmar Simons

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