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Ostprignitz-Ruppin 20 Jahre unter einem Dach
Lokales Ostprignitz-Ruppin 20 Jahre unter einem Dach
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00:18 30.08.2017
Für Alina (3) ratterte der Festumzug am Sonnabend viel zu schnell durch Kerzlin nach Wildberg. Die Dreijährige fand die zahlreichen Trecker toll. Quelle: Reyk Grunow
Temnitztal

Die kleine Alina (3) hat schon den ganzen Vormittag auf den großen Festumzug gewartet. Zusammen mit ihrer Oma hat sie vor ihrem Grundstück in Kerzlin große bunte Blumen mit Kreide auf die Straße gemalt. Es ist ein schöner Tag, heute gibt es was zu feiern! Wenn nur der Umzug endlich käme.

Der steckte auf dem Weg von Küdow über Lüchfeld nach Kerzlin erst einmal fest. Am Sportplatz musste die versammelte Mannschaft aus allen sechs Ortsteilen der Gemeinde Temnitztal eine Zwangspause einlegen. Drei Stunden waren am Sonnabend für den gesamten Umzug vorgesehen. Durch fast alle Ortsteile sollte er gehen, nur Rohrlack lag nicht auf dem Weg. Zwischen Kerzlin und Wildberg wurde sogar die B 167 kurz gesperrt. Da wollte die Polizei lieber auf Nummersicher gehen und sorgte dafür, dass auf den bunt geschmückten Festwagen keiner vor lauter Euphorie vergisst, dass er sich eigentlich auf einem illegalen Gefährt über eine öffentliche Straße bewegt.

Der Posaunenchor aus Babelsberg spielte zum Festgottesdienst in der Kirche von Garz und danach unter freiem Himmel. Quelle: Reyk Grunow

Alina war schon ganz ungeduldig, als die ersten Traktoren endlich am Ende der Dorfstraße um die Ecke bogen. Vorneweg fuhr die Feuerwehr. Als die zur Feier des Tages ihr Martinshorn anwarf, ließ die Dreijährige vor Schreck den Blumenstrauß fallen, den sie zum Jubeln gebastelt hatte, und hielt sich die Ohren zu. Das war ihr doch zu viel.

Bürgermeister Thomas Voigt war am Sonnabend ganz beeindruckt, was die Vereine aus den Dörfern alles auf die Beine gestellt hatten. Am Freitagabend kamen schon mehr als hundert Menschen zum Lampionumzug nach Wildberg. Am Sonnabend gab es dann den Festumzug durch ganz Temnitztal und ein großes Fest in Garz. Am Sonntag war wieder Wildberg mit einem Frühschoppen Ort des Feierns.

Fünf einst selbstständige Orte schlossen sich 1997 zusammen

20 Jahre ist es her, dass Temnitztal gegründet wurde. Mehr oder weniger freiwillig haben sich 1997 fünf einst selbstständige Orte zusammengeschlossen. Einfach war es nicht immer, und auch heute verstehe sich noch längst nicht alle Einwohner als Temnitztaler, viele sind weiter Kerzliner, Wildberger, Vicheler oder Rohrlacker.

Als alles anfing, gehörte Thomas Voigt zu den größten Skeptikern. Als Bürgermeister von Garz hat er sich mit seinem Ort lange gegen die Eingemeindung gewehrt. Erst fünf Jahre, nachdem die neue Großgemeinde Temnitztal aus der Taufe gehoben wurde, kam auch Garz hinzu. Und ausgerechnet Voigt wurde zum Chef aller sechs Ortsteile. Er kann es heute noch nicht fassen: „Wer hätte denn gedacht, dass die mich gleich wählen?“

Der Umzug ging über 13 Kilometer

Seinen Widerstand gegen das künstliche Gemeindekonstrukt hat er längst aufgegeben. Was er als Absender auf seine Briefe schreibt? „Na Temnitztal“, sagt er sofort. Wenn andere weiter lieber ihren Ortsteil nennen, entscheidet sich Voigt für den gemeinsamen Namen. „Ich steht dazu“, sagt er, er sei schließlich der Bürgermeister der gesamten neuen Gemeinde und nicht nur der von Garz, wo er mit seiner Familie lebt.

Aus allen Ortsteilen hatten sich Familien und Vereine am großen Fest an diesem Wochenende beteiligt: am 13-Kilometer-Umzug, am anschließenden Festgottesdienst und der Feier der Vereine auf der Garzer Festwiese. Thomas Voigt war sichtlich stolz auf seine Gemeinde: „Ist das nicht toll?“ Das Einzige, was ihm Sorgen macht, ist die Demografie. Temnitztal schrumpft. Die Zukunft der Großgemeinde sieht nicht nur rosig aus.

Aus Sechsen wird Eines

Temnitztal wurde am 30. Dezember 1997 als Zusammenschluss von fünf vorher selbstständigen Orten gegründet: Wildberg, Vichel, Rohrlack, Küdow-Lüchfeld und Kerzlin. 2003 kam Garz als sechster Ortsteil hinzu.

Auf einer Fläche von knapp 53 Quadratkilometern leben etwa 1400 Menschen. Das sind etwa 26 Einwohner pro Quadratkilometer, Tendenz sinkend.

Von Reyk Grunow

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