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200-jährige Tradition im Handwerk

Neuruppin 200-jährige Tradition im Handwerk

Es ist selten, dass ein Handwerksbetrieb die Jahrhunderte überdauert. Kaiserreich, zwei Weltkriege, DDR-Zeit, nichts konnte die Familie Hintze aufhalten. Heute leitet Frank Hintze seine Karosseriewerkstatt bereits in der sechsten Generation.

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Wolfgang (l.) und Frank Hintze sind stolz auf die lange Tradition ihres Familienunternehmens in Neuruppin.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Dort, wo heute in einer großen Halle auf Hebebühnen Autos auseinander- und wieder zusammengeschraubt werden, stand vor 125 Jahren eine kleine Fachwerkscheune. Eine Böttcherei produzierte damals Fässer für eine örtliche Brauerei. Im Jahr 1890 kaufte der Wagenbauer Emil Hintze den Hof in der damaligen Ludwigstraße 12 (heute August-Bebel-Straße) und eröffnete wenig später seine Stellmacherwerkstatt. Bis heute ist die Familie Hintze auf dem Grundstück geblieben und führt inzwischen in sechster Generation einen Karosserie-Fachbetrieb.

Was nur Wenigen bekannt ist: Die Handwerkertradition der Familie Hintze in Neuruppin reicht sogar noch weiter in die Vergangenheit zurück. Johann-Elias Christian Hingst, genannt Hintze, wanderte 1812 aus Putlitz (Prignitz) in die Garnisonsstadt Neuruppin und eröffnete eine Schmiede in der Steinstraße 2. Der Enkel von Schmied Johann-Elias war der Wagenbauer Emil, der sich in der damaligen Ludwigstraße niederließ. Somit kann die Familie Hintze auf eine mehr als 200-jährige Geschichte in Neuruppin zurückblicken.

Ein undatiertes Bild (wahrscheinlich 19

Ein undatiertes Bild (wahrscheinlich 19. Jahrhundert) zeigt die Stellmacher der Firma Hintze in Neuruppin auf ihrem Hof.

Quelle: Peter Geisler

Wolfgang Hintze war von 1967 bis 2006 Inhaber der Werkstatt und ist heute der Senior im Betrieb. Er erzählt gerne davon, wie die Werkstatt sich verändert hat. „Zuerst hat mein Großvater nur Ackerwagen und Kutschen gebaut, aber nach dem ersten Weltkrieg kamen auch Fahrzeuge für Zivilpersonen dazu“, sagt er. Wolfgang Hintze ist gelernter KFZ-Mechaniker und hat 1970 zusätzlich die Prüfung zum Karosseriebaumeister abgelegt. „Ohne die Prüfung hätte ich den Betrieb nicht weiterführen können, das war eine Vorgabe vom Staat“, sagt Hintze.

Die DDR-Politik habe es kleinen Firmen wie seiner nicht leicht gemacht, gute Ware zu produzieren. Da die Hintzes nicht ins westliche Ausland exportierten, mussten sie sich bei Materiallieferungen immer den größeren Betrieben unterordnen. Sie waren zuständig für die Reparatur der Fahrzeugtypen Trabant, Wartburg und Barkas B 1000.

Die Meisterurkunde von Wilhelm Hintze aus dem Jahr 1929

Die Meisterurkunde von Wilhelm Hintze aus dem Jahr 1929.

Quelle: Peter Geisler

„Nach der Wende haben wir uns aber eigentlich ganz gut geschlagen. Wir sind eben mit der Automobilbranche mitgegangen“, sagt Hintze. Die kleine Firma hat viel investiert, neue Gerätschaften angeschafft und beschäftigt heute vier Mitarbeiter. Frank Hintze, der Sohn von Wolfgang Hintze, hat inzwischen das Geschäft übernommen. Junior und Senior stehen heute manchmal noch gemeinsam in der Werkstatt. „Es ist eine Verpflichtung der schönen Art in der Familie, diesen Betrieb fortzuführen“, sagt Wolfgang Hintze.

Nur manchmal sei er in Sorge um die Zukunft, aber eigentlich überwiege der Stolz auf das Erbe seiner Familie.

Diese Werbung für die Wagenbauerfamilie Hintze stammt aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg

Diese Werbung für die Wagenbauerfamilie Hintze stammt aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg.

Quelle: Peter Geisler

Frank Hintze, der seit 2006 die Firma leitet, ist optimistisch. „Wir sind breit aufgestellt, denn wir bieten ja weit mehr als nur Karosseriearbeiten an“, sagt er. „Die Digitalisierung macht zwar auch in der Automobilbranche riesige Entwicklungen, aber wir passen uns an.“ Und auch die Familientradition lebt weiter. Der jüngste Hintze ist neun Jahre alt und schaut schon vor der Schule morgens immer in der Werkstatt vorbei.

Von Jonas Nayda

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