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Ostprignitz-Ruppin 2000 Oldtimer im Mini-Format
Lokales Ostprignitz-Ruppin 2000 Oldtimer im Mini-Format
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17:35 21.02.2018
Christian Müller, Frank Wetzel, Wolfgang Müller, Heinrich Heubel, Enrico Müller, Hartmut Ewald (von links) Quelle: Peter Geisler
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Alt Ruppin

Aus dem Hobbykeller von Wolfgang Müller in Alt Ruppin dringt Stimmengewirr. Sechs Männer haben sich heute Abend hier getroffen, zum Fachsimpeln und um Neuigkeiten auszutauschen.

Sechs von acht Leuten aus dem Umland, die sich in loser Folge zusammenfinden und die eins vereint – die Faszination für Modellautos und speziell das Interesse an den Fahrzeugen, die früher in der DDR unterwegs waren, aus ostdeutscher Produktion stammten oder in den anderen sozialistischen Ländern gebaut wurden.

Der älteste im Bunde ist Hartmut Ewald. Er weiß noch genau, wann seine Liebe zu den Modellen im Maßstab 1:87 begann: „Zu Weihnachten 1956 habe ich eine elektrische Eisenbahn bekommen. Damals war ich sieben Jahre alt. Auf einem Anhänger stand ein kleines Auto, ein EMW. Das Auto hat mich mehr begeistert als die ganze Eisenbahn.“

Der EMW 340 war ein seinerzeit moderner und formschöner PKW, der von 1949 bis 1955 in Eisenach gebaut wurde. Dessen Modell war der Grundstock zur Sammlung von Hartmut Ewald, die inzwischen rund 1200 Fahrzeuge im Kleinformat umfasst.

Jahre später traf Ewald in seinem Betrieb Wolfgang Müller. Beide hatten dasselbe Hobby. Zu der Zeit war es aber gar nicht so einfach, gesuchte Modellautos zu bekommen.

Die erste Modellbaubörse

„Als ich hörte, dass mein Freund Frank Wetzel einen Urlaubsplatz in der Spielzeugstadt Sonneberg bekommen hatte, bat ich ihn, dort auf die Suche nach den kleinen Automodellen zu gehen“, erzählt Müller. Frank Wetzel ergänzt: „Auf der Treppe des Ladens habe ich noch einmal kehrt gemacht, und auch für mich ein paar Spielzeugautos gekauft.“ Heute stehen 1500 Fahrzeuge in den Vitrinen von Frank Wetzel. „1987 sind wir gemeinsam das erste Mal zu einer Modellbaubörse nach Neuenhagen bei Berlin gefahren, da war auch Heinrich Heubel dabei, ein Sammler, den ich bei der Armee kennenlernte“, erinnert sich Wolfgang Müller. „Dort haben wir die Tür geöffnet und sind erst mal fast auf den Hintern gefallen – so viele Leute waren da.“

Dieser Tag war auch Auslöser dafür, nicht nur industriell gefertigte Fahrzeugmodelle zu sammeln, sondern solche Autos selbst zu bauen. Vom Lastkraftwagen W 50 gab es damals nur eine Version im Maßstab 1:87 zu kaufen, auf den Straßen fuhren jedoch viele Varianten mit unterschiedlichsten Aufbauten herum. Ähnlich war es mit den anderen Typen, berichten die Sammler. Also wurden die verschiedenen Fahrzeugvarianten selbst gebaut, oft blieb nur das Führerhaus oder Fahrgestell vom Originalmodell erhalten. Der Rest entstand im Eigenbau.

Jetzt entstanden Modelle im Eigenbau

So konnte eine Rasierklingenschachtel zur LKW-Pritsche werden oder eine Borste vom Handfeger zur Antenne. Beschriftungen entstanden mit Buchstaben zum Aufrubbeln. „Mann muss immer quer denken und überlegen, wozu irgend ein Teil sonst noch taugen könnte“, sagt Müller. „Ziel war für uns immer, möglichst alle Varianten eines Fahrzeugs zu besitzen.“

Die Auswahl an Materialien sei heute zwar größer, dafür gibt es jetzt ein anderes Problem: „Um ein Modell auch in den richtigen Maßstab zu bringen, braucht man die Abmessungen des Originals. Früher sind wir herumgefahren, haben in Autowerkstätten nach Zeichnungen mit Maßen gefragt oder haben die Fahrzeuge vermessen und deren Einzelheiten aufgezeichnet oder fotografiert, heute gibt es die meisten Autos, besonders Busse, Kräne oder LKW aus Ostproduktion nicht mehr“, sagt Wolfgang Müller.

Suche im Internet

Dafür gibt es heute das Internet. Dort finden sich Bilder der alten Schätzchen. Die findet Enrico Müller, neben Christian, einer der Söhne von Vater Wolfgang und beide ebenfalls von der Modellbau-Leidenschaft befallen. Solche Fotos sind jedoch selten direkt von der Seite, von vorn oder so aufgenommen, dass Details und Größenverhältnisse gut zu erkennen sind. Hier ist Recherche nötig.

Ist alles beisammen, baut Enrico Müller ein Urmodell, nutzt dazu alle Möglichkeiten zur Materialiensammlung, die Baumärkte und Haushaltsartikel bieten – und nicht zuletzt Schatzkästen mit den über Jahre gesammelten Kleinteilen. Ist ein Urmodell fertig, wird es vorsichtig wieder zerlegt, und Bruder Christian baut Formen aus Silikon für die einzelnen Baugruppen. Die werden dann mit Gießharz befüllt.

Modelle in Kleinserie

Nach dem Entformen müssen die Teile verputzt, gereinigt, komplettiert und zusammengesetzt werden. Die Lackierung mit der Airbrush-Farbspritzpistole und das Anbringen feinster Schriftzüge obliegt dann wieder Enrico Müller, der als Bauzeichner das richtige Händchen für solche Feinarbeiten hat. Durch diese Kleinstserienfertigung haben am Ende alle acht Modellfans aus der Truppe ihren kleinen Oldtimer im Schrank zu stehen und ein paar Stück bleiben noch für die Modellautobörsen zum Tauschen übrig.

Dort gibt es nicht nur Selbstgebasteltes oder industriell gefertigte Modelle aus früheren Tagen. „Heute produzieren einige Firmen auch wieder vermehrt DDR-Autos in sehr guter Qualität“, sagt Wolfgang Müller und zeigt ein Modell des EMW 340 aus neuer Produktion. Solche Stücke komplettieren die Sammlungen der Automodellfreunde. Einen kleinen Teil von Müllers 2000 Fahrzeugen bekamen die Besucher der Modellbahn- und Modellautobörse in Neustadt Anfang Februar in der Ausstellung mit alten Postautos zu sehen.

Von Peter Geisler

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