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2016 naht Rettung für Papierfabrik Hohenofen

Denkmalschutz 2016 naht Rettung für Papierfabrik Hohenofen

Mit der jüngsten Sanierung eines Daches der Hohenofener Papierfabrik ist dieses bundesweit einzigartige Industriedenkmal längst nicht gerettet. Größere Schritte in diese Richtung stehen erst in diesem Jahr bevor. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz startete dazu bereits bundesweit einen Spendenaufruf. Ein erstes Zwischenergebnis überrascht.

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Kaputte Dächer stellen für die Bausubstanz in Hohenofen eine große Gefahr dar. Daher müssen sie dringend erneuert werden.

Quelle: André Reichel

Hohenhofen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Und so ist Wasser auch der größte Feind für die Paperfabrik in Hohenofen, dieses bundesweit einzigartigen, jedoch größtenteils noch völlig maroden Industriedenkmals. Und so sind intakte Dächer das A und O, damit diese Anlage eine Zukunft hat. Diese Zukunft soll ihr in einem größeren Schritt in diesem Jahr 2016 gegeben werden: Die Dächer des Dampfmaschinenhauses sowie des Papiermaschinengebäudes stehen zur Sanierung an.

Ute Fürstenberg vom Trägerverein „Patent-Papierfabrik Hohenofen“ beziffert die anstehende Investition mit 162 000 Euro. Große Hoffnung setzt sie in eine Förderung aus dem EU-Programm „Leader“. Der kleinere Anteil ließe sich über Geld vom Land Brandenburg sowie Spenden stemmen. Letztere gelten als Eigenanteil und können aller Voraussicht nach vor allem dank des jüngsten, bundesweit erfolgten Aufrufs der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aufgebracht werden.

Von einem ersten überraschenden Zwischenergebnis erfuhr Ute Fürstenberg bereits: „Soweit ich informiert bin, ist schon ein fünfstelliger Betrag von insgesamt mehr als 200 Spendern zusammengekommen.“ Da es jedoch Unwägbarkeiten hinsichtlich der Leader-Förderanträge aus der Region gebe, könnte sich einiges verzögern. Zumindest das Dach vom Dampfmaschinenhaus aber sollte sich dieses Jahr finanzieren lassen gerade auch wegen der hohen Spendenbereitschaft. „Oder das Land erhöht seinen Beitrag. Auch dann könnten beide Projekte umgesetzt werden“ , schätzt Fürstenberg.

Die Fabrik steht unmittelbar an der Dosse

Die Fabrik steht unmittelbar an der Dosse.

Quelle: Matthias Anke

Große Beachtung wurde der Papierfabrik seitens des Landes schließlich schon 2015 zuteil. Dank dessen finanzieller Hilfe konnte in den vergangenen Monaten das Dach des sogenannten Packsaalgebäudes saniert werden. Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst und Infrastrukturministerin Kathrin Schneider erwähnten das Industriedenkmal kürzlich daher auch in Potsdam bei einer Bilanzpressekonferenz gemeinsam mit Landeskonservator Thomas Drachenberg zum Thema Denkmal-Förderung 2015. Demnach gehörte die Papierfabrik zu knapp einem Dutzend Brandenburger Objekten, für es die Geld wegen ihres besonders schlechten Zustands gab. Zur Sicherung derart bedrohter Denkmale wurden laut Sabine Kunst erstmals zusätzliche Landesmittel zur Verfügung gestellt in Höhe von insgesamt 250 000 Euro. 2016 stehen für weitere solche Projekte 500 000 Euro bereit.

Geld für Kirchen, Industriebauten und Wohnhäuser

Insgesamt wurden im Jahr 2015 rund 33 Millionen Euro aus Mitteln des Kulturministeriums und des Infrastrukturministeriums in Denkmäler investiert. Kulturministerin Sabine Kunst: „Die zahlreichen Gutshäuser, Kirchen, Industriebauten und Wohnhäuser sind (...) aufgrund ihrer Authentizität und Anschaulichkeit besonders geeignet, Kinder und Jugendliche mit Geschichte und Kultur in Berührung zu bringen und tragen maßgeblich zur Identitätsstiftung bei. Auch die positive Entwicklung der Tourismuswirtschaft in den vergangenen Jahren verdanken wir in hohem Maße den Denkmalen, die – oft in Verbindung mit attraktiven kulturellen Angeboten – eine große Zahl von Touristen ins Land locken.“ Auch in Hohenofen wird von vielen Besuchern geträumt.

Für das Dach des Packsaalgebäudes gab das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur 16 000 Euro. Die Stiftung Denkmalschutz steuerte 13 000 Euro bei. Das Ziegeldach wies laut dem Papierfabrik-Verein Schäden vor allem im Traufbereich auf. Die Biberschwanzdeckung blieb erhalten, die Ziegel wurden neu vermörtelt und teilweise ausgetauscht. Einige Teile des Fachwerks sowie Verblechungen, Dachrinnen und Fallleitungen wurden erneuert. Dem voran gingen im Sommer Reparaturen am Produktionsgebäude und davor an mehreren anderen Dachflächen, die vom Verein in Eigenleistung erbracht wurden. So konnten laut Ute Fürstenberg unter anderem die Bitumendachflächen über dem Bleichholländersaal und Holländersaal abgedichtet und Dachrinnen und Fallrohre ergänzt werden.

Erste größere Sanierungen erfolgten schon 2013. „Ein bis zwei Jahre lang werden wir noch gut zu tun haben mit den Dächern“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Wenngleich für 2016 also noch nicht alles in ganz trockenen Tüchern ist – ein Termin steht fest: Am Sonntag, 7. August, gibt das französische Jazz-Duo Vincent Peirani (Akkordeon) und Emile Parisien (Saxofon), das zu den neuen Stars der französischen Jazz-Szene zählt, in der Fabrikruine ein Benefizkonzert. Es gehört zur Reihe „Grundton D“. Mit dieser engagiert sich der Deutschlandfunk in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz seit nunmehr 25 Jahren schon für Baudenkmale in Not.

Bundesweite Aufmerksamkeit

In einem mehrseitigen Beitrag als Spendenaufruf widmete sich die Augustausgabe des bundesweit erscheinenden Magazins „Monumente“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz der Papierfabrik. Zu Wort kamen frühere Beschäftigte des mit dem 3. Oktober 1990 geschlossenen Betriebs.

Schon einmal gab es einen solchen Einschnitt an diesem historischen Industriestandort: Der 1663 erbaute „Hohe Ofen“ zur Verhüttung von Raseneisenstein wurde bald nur noch genutzt, um antransportiertes Silbererz zu schmelzen – und anschließend wegen Unwirtschaftlichkeit 1833 geschlossen zu werden. Ein halbes Jahrzehnt später aber nahm die Papierfabrik ihre Arbeit auf. Über die nahe Dosse zur Havel gab es einen Verkehrsweg für Rohstoffe wie auch Produkte bis nach Brandenburg, Potsdam und Berlin.

2003 wurde das Werk offiziell als technisches Denkmal erklärt. Der Verein „Patent-Papierfabrik Hohenofen“ entstand. Nach dessen Angaben gilt sie als die einzige historische, komplett erhaltene Papierproduktionslinie in Deutschland und wohl auch Europa.

Von Matthias Anke

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