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22-Jähriger muss in Entziehungsanstalt

Neuruppin 22-Jähriger muss in Entziehungsanstalt

Mit seiner Einweisung in eine Entziehungsanstalt gab das Landgericht Neuruppin am Montag einem vorbestraften 22-Jährigen die Chance, sein Leben in den Griff zu bekommen und von Alkohol und Drogen weg zu kommen. Ist die Therapie erfolgreich, muss er die viereinhalb Jahre Haft, zu denen er verurteilt wurde, nicht absitzen.

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Quelle: dpa

Neuruppin. Zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilte die dritte große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin am Montag den 22-jährigen Nico M. Gleichzeitig ordnete es die Unterbringung des vorbestraften Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an. Das Gefängnis droht dem jungen Mann in diesem Fall nur, wenn er die Therapie nicht meistert.

Ohne Arbeit, ohne Wohnung, ohne Geld

Der gebürtige Cottbuser hatte in einem engen zeitlichen Rahmen mehrere Straftaten in Neuruppin begangen. In einer Stadt, die er nur durch eine kurze und erfolglose Alkohol- und Drogentherapie kannte. Wo er zeitweise im Obdachlosenheim, kurz in einer eigenen Wohnung und dann mehr oder weniger auf der Straße lebte.

Im November vergangenen Jahres kam es in der Bilderbogenpassage zu einer Auseinandersetzung mit einem Bekannten, in deren Verlauf Nico M. Pfefferspray einsetzte. Zu diesem Vorwurf hatte sich der Angeklagte vor Gericht nicht geäußert. Überführt wurde er durch Zeugen. Das Gericht ging hier von einer erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit des 22-Jährigen wegen des Zusammenspiels von Alkohol, Drogen und einer vom psychiatrischen Sachverständigen diagnostizierten Persönlichkeitsstörung aus.

Ein durchgeplanter Ladendiebstahl

Anders beim Diebstahl von fünf Flaschen Whisky in einem Neuruppiner Supermarkt am 30. Dezember. „Da ist Nico M. planvoll vorgegangen“, sagte die Vorsitzende Richterin Grit Burzer. Zunächst hatte der Angeklagte drei Flaschen in einem Regal im Getränkemarkt versteckt, hatte dann den Laden verlassen und bei seiner Rückkehr noch einmal zwei Flaschen geholt. Seine Beute hatte er in seinem Rucksack verstaut. Als er von dem Ladendetektiv und einem anderen Mann gestellt wurde, sprühte er beiden Pfefferspray ins Gesicht.

Hier nahm das Gericht einen minder schweren Fall des räuberischen Diebstahls an. Es wertete sein Geständnis positiv, außerdem war die Beute gering und das Geschehen hat bei den Zeugen keine bleibenden Schäden hinterlassen.

Busfahrer mit Messer bedroht, um an die Tageseinhamen zu kommen

Als „strafwürdigste“ Tat sahen die Richter den Überfall auf einen Busfahrer am Rheinsberger Tor am 4. Februar dieses Jahres an. Der Angeklagte ging, so hatte er es vor Gericht geschildert, davon aus, dass, wenn er den Fahrer nur mit einem Messer bedroht, dieser sogleich Geld herausrückt. Dem war aber nicht so. Der Versuch, sich so die Mittel für Alkohol und Drogen zu beschaffen, schlug fehl.

Einbruch konnte Angeklagtem nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden

Der Einbruch in eine Jugendhilfeeinrichtung am zweiten Weihnachtstag konnte Nico M. aus Sicht des Gerichts nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. „Es spricht vieles dafür, dass er es war“, sagte Richterin Burzer. Doch die Zweifel überwogen, so dass er freizusprechen war. Alle Straftaten dienten dazu, Nico M.s Alkohol- und Drogensucht zu finanzieren. Bereits seit seiner früher Jugend greift der junge Mann zu Rauschmitteln, die für ihn irgendwie zu seinem Leben dazu gehören. So hatte er es gegenüber dem Gutachter gesagt.

Therapie die einzige Chance, sein Leben in den Griff zu bekommen

Dass der Hang, im Übermaß Betäubungsmittel zu sich zu nehmen, bei ihm vorliegt, daran bestand aus Sicht des Gerichts kein Zweifel. Auch nicht daran, dass er deswegen straffällig wird und es weiterhin werden wird, wenn er sich nicht grundlegend ändert. Das Problem, so Richterin Burzer, ist, ob eine Therapie Aussicht auf Erfolg hat. „Betrachtet man seinen Lebenslauf und seine Vorstellung von seiner Zukunft, scheint das eher fraglich.“ Auch eine geregelte Arbeit war zumindest dem Gutachter gegenüber nicht das, was dem Angeklagten auf Dauer so vorschwebt. Doch eine Therapie sei die einzige Chance, um sein Leben in rechtschaffene Bahnen zu lenken. „Wir hoffen das Beste“, sagte die Richterin.

Sobald das Urteil rechtskräftig ist, kommt der vorbestrafte Nico M. aus der Untersuchungshaft in die Entziehungsanstalt. „Vielleicht braucht er den Druck“, so Burzer. Denn den hat er. Scheitert die Behandlung, muss Nico M. ins Gefängnis. Dann hätte er sich die Chance, noch mal die Kurve zu bekommen, wohl endgültig verbaut.

Von Dagmar Simons

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