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24-Stunden-Blitz-Marathon gestartet

Prignitz-Ruppin 24-Stunden-Blitz-Marathon gestartet

Auf Brandenburgs Straßen starben im vergangenen Jahr 35 Menschen durch geschwindigkeitsbedingte Unfälle. Die Zahl der Verletzten stieg weiter an. Um auf die Gefahren von zu schnellem Fahren aufmerksam zu machen, beteiligte sich das Bundesland am dritten europaweiten 24-Stunden-Blitzmarathon.

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Anvisieren: Mit dem Lasermessgerät haben Wolfgang Richter (links) und Jörg Zschörper die Straße im Blick.
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Quelle: Christina Koormann

Kränzlin. „Gerade habe ich es noch im Radio gehört – Blitz-Marathon“, seufzt eine junge Frau und schaut reumütig. „Und jetzt sind Sie mit dabei“, sagt Polizeihauptkommissar Torsten Peter, lacht freundlich und nimmt Führerschein, Fahrzeugpapiere und Personalausweis entgegen.

Die „Teilnahmegebühr“ am „Marathon“ beträgt für die Autofahrerin 35 Euro, denn sie ist 16 km/h zu schnell gefahren. „Ich werde mich bessern“, verspricht sie, bevor sie weiterfährt.

Wer zu schnell ist, wird aus dem Verkehr gezogen

An der Darritzer Straße in Kränzlin läuft, wie an 26 weiteren Stellen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin und hundertfach in Brandenburg, bundes- und europaweit zum dritten Mal der „24-Stunden-Blitz-Marathon“, um auf die Gefahren des zu schnellen Fahrens und Geschwindigkeit als Unfallursache Nummer Eins aufmerksam zu machen.

In einer 30er-Zone unmittelbar vor einer Kindertagesstätte haben sich um sieben Uhr morgens drei Beamte der Revierpolizei Neuruppin ortsauswärts stationiert und winken Fahrzeuge an die Seite, die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten oder anderweitig gegen die Verkehrsregeln verstoßen.

Genaue Zahlen mit dem Lasermessgerät

„Um diese Zeit bringen viele Eltern ihre Kinder zur Kita“, sagt Peter. „Zum Glück ist hier noch nichts passiert, aber man muss ein besonderes Augenmerk darauf legen; kleine Kinder rennen auch mal auf die Straße.“

Das Lasermessgerät der Beamten misst exakt Entfernung und Geschwindigkeit eines Fahrzeugs. „Wir sehen ein Auto, bevor der Fahrer uns sieht, und runterbremsen bringt dann nicht mehr viel“, sagt Polizeihauptkommissar Jörg Zschörper.

„Führerschein, Fahrzeugpapiere und Ausweis bitte“ Wer von Jörg Zschörper und seinen Kollegen angehalten wird, muss mit einem Verwarnungsge

„Führerschein, Fahrzeugpapiere und Ausweis bitte!“ Wer von Jörg Zschörper und seinen Kollegen angehalten wird, muss mit einem Verwarnungsgeld rechnen.

Quelle: Christina Koormann

Drei Stundenkilometer zu viel werden noch toleriert – wer die überschreitet, muss mit einem Verwarngeld rechnen. „Wer hier schneller als 40 km/h fährt, wird definitiv angehalten.“

So geht es auch einem Fahrer, der überrascht anfängt zu lachen. „Ich weiß, dass ich zu schnell war“, sagt er, „ ich habe in der Kurve noch Gas gegeben. Sie stehen hier so versteckt, damit habe ich jetzt gar nicht gerechnet.“ Beim Weiterfahren wünscht er den Polizisten noch viel Erfolg. „Ist ja richtig so“, sagt er.

Sensibilisierung für die Gefahr durch zu schnelles Fahren

„Es ist schön, wenn die Leute die Kontrolle mit Humor sehen“, sagt Peter. Schließlich stecke keine böse Absicht, sondern ein wichtiges Anliegen dahinter. Aus diesem Grund wurde die Aktion im Vorfeld bundesweit publik gemacht. „Die Leute sollen ja dafür sensibilisiert werden, vorsichtig zu fahren“, sagt Stefan Rannefeld, Mitarbeiter der Pressestelle Polizeidirektion Nord.

„Die Fahrer sind größtenteils einsichtig“, sagt Hauptkommissar Peter. „Manche nennen uns aber auch Wege­lagerer.“ Dabei kann die Polizei bei einer Kontrolle nicht nur hinsichtlich der Geschwindigkeit hilfreich sein: Ein junger Mann, der mit seinem VW Golf und 10 km/h zu viel herausgewunken wird, bekommt von Jörg Zschörper den Hinweis, dass einer der Autoreifen dringend ausgetauscht werden muss. Dafür kann er dankbar sein – besser so, als dass der Reifen auf der Autobahn platzt.

Kränzlin: Von 81 Wagen fahren fünf zu schnell

Handygebrauch am Steuer, falsche Kindersitze, Fahren ohne Sicherheitsgurt oder zugefrorene Scheiben, die die Sicht behindern, sind außerdem Gründe für Verwarn- oder Bußgelder.

In Kränzlin kommt es in diesen frostigen zwei Morgenstunden bei 81 kontrollierten Fahrzeugen außer fünf Geschwindigkeitsübertritten und zugefrorenen Fensterscheiben zu keinen anderen Delikten. „Hier wird diszipliniert gefahren“, sagt Polizeiobermeister Wolfgang Richter, der das Lasermessgerät bedient.

Im Vergleich zu 2016 sei bisher keine Verschlechterung der Gesamtsituation zu erkennen – trotzdem sei aber nach wie vor zu hohes Tempo die häufigste Unfallursache. „In Brandenburg als großem Flächenland gibt es besonders viele Baum-und Wildunfälle“, sagt Torsten Peter, „da macht es einen Unterschied, ob man 70 oder 100 km/h fährt.“

Zwischenbilanz ist zufriedenstellend

Von insgesamt 539 angemessenen Fahrzeugen im Landkreis von 6 Uhr morgens bis 13.30 Uhr gab es 21 Tempoüberschreitungen; die größte wurde in Briesen (Wittstock) am Abzweig Rote Mühle gemessen. Hier fuhr ein Wagen 18 km/h zu schnell. Bei insgesamt 73 Anmessungen kam es hier innerhalb von zwei Stunden zu vier Tempoverstößen.

An der Papenbrucher Chaussee fuhren von 65 kontrollierten Fahrzeugen fünf zu schnell; zwei Fahrer erwischten die Polizisten ohne Gurt. In Lellichow wurde der Einsatz nach einer Dreiviertelstunde abgebrochen, da die Beamten zu einem Verkehrsunfall gerufen wurden.

„Wir sind mit der Zwischenbilanz von 21 Tempoüberschreitungen bei mehr als 500 Messungen zufrieden, aber noch weniger wären schön gewesen“, sagt Stefan Rannefeld. Am Donnerstagmorgen um sechs Uhr ist der Marathon vorbei. „Den sollte man auch sportlich sehen“, sagt Peter. Das bestätigt ein Kränzliner Jogger im Vorbeilaufen: „Und, wie schnell darf icke?“

Von Christina Koormann

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