Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin 2700 Kartons an einem Wochenende
Lokales Ostprignitz-Ruppin 2700 Kartons an einem Wochenende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 11.12.2017
Vor der Stadtverwaltung in der Heiligegeiststraße in Wittstock: Bürgermeister Jörg Gehrmann; Marita Stachowski vom Sachgebiet Gebäudemanagement und die Architekten Gerald und Bärbel Kannenberg (v.l.). Quelle: Björn Wagener
Anzeige
Wittstock

Es war eine Mammutaufgabe: 2700 Kartons und jede Menge Möbelstücke mussten an einem einzigen Wochenende von der Rheinsberger Straße 18a und der Meyenburger Chaussee 6 in die Heiligegeiststraße 19-23 transportiert und dort ausgepackt werden. Doch es klappte. Am Ende stand alles rechtzeitig an seinem Platz. „Wir hatten am Donnerstag und Freitag zuvor gepackt und alles ordentlich beschriftet. Die Umzugsfirma arbeitete sehr gut. Am Montag darauf öffneten wir dann nur eine Stunde später als üblich“, erzählt Marita Stachowski, Leiterin des Amtes für Gebäudemanagement in der Wittstocker Stadtverwaltung.

Diese Erinnerungen sind jetzt zehn Jahre alt. An den Tagen vom 29. November bis 3. Dezember 2007 wurde der Beginn einer neuen Ära für viele Verwaltungsmitarbeiter eingeläutet. In jenen Tagen zogen sie von ihren Standorten außerhalb der Innenstadt in den Stadtkern. Dort wartete die frisch sanierte ehemalige Paulsche Tuchfabrik auf ihre neuen Nutzer. Mit dem Umzug wurde perfekt gemacht, was zwei Jahre zuvor noch unter Bürgermeister Lutz Scheidemann (FDP) begonnen worden war. „Damals haben wir mit dem Aufmessen des Gebäudes begonnen. Es dauerte drei Wochen“, sagt die Wittstocker Architektin Bärbel Kannenberg. In zugigen Fluren und Räumen des damals ruinösen Gebäudekomplexes, Baujahr 1850, sei das nicht immer leicht gewesen.

Damals lebten noch Mieter darin

Schließlich lebten auch noch Mieter darin. Man habe also auch mal klingeln müssen, um zu fragen, ob die Wohnung fürs Aufmaß betreten werden dürfte, erzählt Bärbel Kannenberg. Im Sommer 2006 sei der Umbau dann gestartet – ein besonderes, aber auch „nervenaufreibendes“ Projekt. Denn das stark sanierungsbedürftige alte Fabrikhaus mit einem begrenzten Budget in moderne Verwaltungsräume zu verwandeln, habe viel Kraft gekostet – vor allem wegen der Brandschutzauflagen.

Speziell entworfene Möbel

Zudem seien zum Beispiel die Möbel fürs Bürgerbüro speziell entworfen und hergestellt worden. Die Info-Säule mit Internet-Zugang und integrierter verschließbarer Wahl-Kabine sei für die damalige Zeit zukunftsweisend gewesen. Als außergewöhnliches Merkmal nennt Bärbel Kannenberg zudem den Verbindungsbau zwischen den Verwaltungstrakten. Er lässt seither wieder den Blick auf eine Fenster-Fassade zu, die sonst wohl für immer durch das damals angrenzende Gebäude verborgen geblieben wäre.

Die Baukosten betrugen insgesamt 3,145 Millionen Euro. 2,096 Millionen Euro kamen als Fördermittel; gut 1,14 Millionen Euro gab die Stadt dazu.

Blick ins moderne Bürgerbüro der Wittstocker Stadtverwaltung. Quelle: Björn Wagener

„Besucher sind oft überrascht, wenn sie hereinkommen und sehen, welch ein großes, saniertes Gebäude-Ensemble sich auf dem Hof anschließt. Das hätten sie nicht erwartet“, sagt Marita Stachowski. Die zentrale Lage komme den Bürgern entgegen. Mancher Mitarbeiter habe sich allerdings erst daran gewöhnen müssen, dass die Büroräume kleiner sind als in den alten Büros. Das einstige Verwaltungsgebäude in der Rheinsberger Straße ist heute längst abgerissen; jenes in der Meyenburger Chaussee ein Mietobjekt der Gebäude- und Wohnungsverwaltung.

Das Vertrauen bestärkt

„Es gehörte viel Mut dazu, das Sanierungsprojekt in der Heiligegeiststraße anzugehen“, sagt Bärbel Kannenberg. Bürgermeister Jörg Gehrmann, seit 2008 im Amt, nennt es mit Blick auf die damaligen Akteure gar einen „Aufbruch für alle“. Denn dass es möglich war, ein Gebäude-Ensemble, „das fast abgängig schien“, wieder zu reaktivieren, habe ein Zeichen gesetzt und das Vertrauen bestärkt, dass so etwas gelingen kann. „Ein Stück Stadtgeschichte ist nicht beseitigt, sondern erhalten worden“, ergänzt Bärbel Kannenberg und weist dabei auch auf die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Architekturbüro hin.

Das sanierte Gebäude-Ensemble wurde 2008 vom Bund Deutscher Architekten mit der Plakette „Gute Bauten“ ausgezeichnet. Auch wurde der Bau von der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen bereits zum Denkmal des Monats gekürt.

Strom- und Wasserverbrauch drastisch gesenkt

Heute arbeiten 65 Mitarbeiter in der Verwaltung in der Heiligegeiststraße. Der Strom- und Wasserverbrauch sei durch den Umzug um „mehr als die Hälfte“ gesunken, sagt Marita Stachowski. Gibt es trotz dieser Erfolgsgeschichte und des modernen und doch historischen Arbeitsumfeldes noch Wünsche? Das Maschinenhaus, ein eindrucksvoller Raum, sei eigentlich zu schade, um es nur für die Schriftgutablage zu nutzen, so die Amtsleiterin. Vielmehr sollte es zu einem Beratungsraum gemacht werden. Ob das möglich ist, ist noch nicht klar.

Von Björn Wagener

Der Wittstocker Weihnachtsmarkt ist am Donnerstagabend offiziell vom Weihnachtsmann und Bürgermeister Jörg Gehrmann eröffnet worden. Noch bis Sonntag laden Buden, Stände und ein buntes Programm auf den Marktplatz der Dossestadt.

08.12.2017

Reingard und Dietmar Pritzschke aus dem Prignitzdorf Kolrep in der Gemeinde Gumtow gehören einem vierköpfigen Team an, das in Brandenburg Missbrauchsopfer aus den Jahren 1949 bis 2013 unterstützt. Es geht mitunter um unglaubliche Fälle, die der Öffentlichkeit zumeist verborgen bleiben.

11.12.2017

Es wird eine Best-of-Show mit den größten Hits geben. Das kündigt Metal-Ikone Doro Pesch im MAZ-Interview an. Am Freitag spielt sie mit ihrer Band in der Kulturhaus in Neuruppin.

08.12.2017
Anzeige