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Ostprignitz-Ruppin 280 Panzer irrten durch Heiligengrabe
Lokales Ostprignitz-Ruppin 280 Panzer irrten durch Heiligengrabe
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00:33 25.09.2015
Museumsleiterin Antje Zeiger als „Regulierer“ im Sperrgebiet. Quelle: Christamaria Ruch
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Wittstock

Wer das Metalltor mit dem roten Stern in der Mitte öffnet und den Raum betritt, taucht sofort in eine beklemmende Atmosphäre ein. Das Eisenbett mit graukarierter Bettwäsche und der ebenso graue Spind und Hocker zeigen die eng bemessene Privatsphäre eines sowjetischen Soldaten. Daneben befinden sich am Kleiderständer die Uniformen vom Militär. Propagandaplakate in Comicmanier hängen an der Wand und scheinbar druckfrische Zeitungen der sowjetischen Presse warten auf den Leser. So lebten bis vor 21 Jahren die Soldaten in der Region rund um Wittstock.

Die neue Sonderausstellung in den Museen Alte Bischofsburg in Wittstock widmet sich einem Kapitel aus der jüngsten Regionalgeschichte. Unter dem Titel „Sperrgebiet II – Aus der Geschichte der Kyritz-Ruppiner Heide“ beleuchtet das Museumsteam um Leiterin Antje Zeiger ein die Region prägendes Kapitel in der Zeit von 1945 bis heute. Somit werden 70 Jahre Regionalgeschichte auf 180 Quadratmeter Fläche in sechs Ausstellungsräumen präsentiert.

Der Pilotendruckanzug ermöglichte Flüge bis zur Stratosphäre. Quelle: Christamaria Ruch

Am Donnerstag, 24. September, um 18 Uhr wird diese Ausstellung durch Manfred Richter eröffnet. Er ist Vorsitzender des Kreistages in Ostprignitz-Ruppin. Das Eröffnungsdatum ist bewusst gewählt: Denn auf den Tag genau vor 379 Jahren begann die Schlacht bei Wittstock im Zuge des Dreißigjährigen Krieges. „Damals wie heute war diese Region ein Ort des Militärs und wie im Dreißigjährigen Krieg wird bei dieser Schau viel Propaganda sichtbar“, sagt Antje Zeiger.

Die Ausstellung erinnert an die militärische Präsenz rund um Wittstock. Gleichzeitig knüpft Antje Zeiger an die Sonderausstellung „Sperrgebiet I“ im Jahr 2007 an. Damals stand die militärische Präsenz der sowjetischen Truppen im Vordergrund. Gut 25 Prozent der damaligen Schau sind in die neue Ausstellung eingebettet. „Sie gehört zu den materialintensivsten und detailreichsten“, so Zeiger.

Jeweils zehn Minuten lange Filmsequenzen aus dem Soldatenalltag und über die Militärtechnik laufen im original eingerichteten Kino. „Das ist die Ausstellung in der Ausstellung“, sagt die Museumsleiterin. Ein Zeitstrahl ordnet sowohl regionalgeschichtliche als auch weltpolitische Ereignisse von 1945 bis 2015 ein. Auch eine Palette der Hinterlassenschaften des Militärs wird gezeigt: Entmilitarisierte oder Übungsmunition stammt vor allem aus dem zentralen Dienst der Polizei des Landes Brandenburg, also dem Kampfmittelbeseitigungsdienst. „Diese Gegend befand sich immer am Rande einer Katastrophe“, kommentiert Zeiger die Originalfunde.

Das Kreuz erinnert an verstorbene Soldaten Quelle: Christamaria Ruch

Dazu zählt auch die dokumentierte Irrfahrt aus dem Jahre 1984 – gut 280 sowjetische Panzer waren rund um Heiligengrabe unterwegs. „Definitiv gab es bei dieser Fahrt keinen Regulierer an der Straße.“ Damit meint Museumsleiterin Antje Zeiger den Posten, der mit rot-weißem Reguliererhelm und Stab in der Hand die Zufahrtsstraßen zum Sperrgebiet kontrollierte.

Besonders beklemmend wirken auch die beiden Kreuze, die aus dem Areal der Heide geborgen wurden. „Sie erinnern daran, wenn Soldaten ihren Dienst abgeleistet hatten oder auch an Verstorbene“, sagt Antje Zeiger. Sie befanden sich in gut sechs Meter Höhe in den Bäumen des Sperrgebietes. An ein Kreuz ist der sprichwörtliche Löffel genagelt, den ein Mensch am Ende des Lebens abgibt.

Von Christamaria Ruch

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