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380 Flüchtlinge seit Januar

Neuruppin 380 Flüchtlinge seit Januar

Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin ist auf einen weiteren Ansturm von geflüchteten Menschen vorbereitet. Es könnten weitere Unterkünfte geschaffen werden, sagte am Mittwoch Landrat Ralf Reinhardt. Problematisch sieht es hingegen mit der Integration der Flüchtlinge aus. Lediglich bei den Kindern von Asylbewerbern klappt das einigermaßen.

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Der Leiter des Treskower Flüchtlingsheimes Otto Wynen mit Sozialarbeiterin Stefanie Kühl.

Quelle: Christian Schmettow

Neuruppin. Die Kreisverwaltung von Ostprignitz-Ruppin ist auf einen erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen vorbereitet. „Wir haben Kapazitäten und können weitere schaffen“, sagte Landrat Ralf Reinhardt am Mittwoch in Neuruppin. Im vergangenen Jahr war das Gros der Flüchtlinge ebenfalls in der zweiten Jahreshälfte dem Landkreis zugewiesen worden: Von Januar bis Juni waren es 259, von Juli bis Dezember mehr als 1100.

Landesprognose ist mit Vorsicht zu genießen

Seit Jahresbeginn hat Ostprignitz-Ruppin 380 geflüchtete Menschen aufgenommen. Laut der Prognose des Landes, das für 2016 vorerst mit insgesamt 19 000 Asylsuchenden rechnet, müsste der Landkreis demnach noch 284 Flüchtlinge aufnehmen. Allerdings ist diese Zahl mit Vorsicht zu genießen. Denn niemand weiß, wie viele Asylbewerber bis zum Jahresende nach Deutschland drängen werden. Der Bund hat noch keine Prognose gewagt. Dabei sei das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) verpflichtet, regelmäßig Vorhersagen bekanntzugeben, betonte Gabriel Hesse, Sprecher des Potsdamer Sozialministeriums, am Mittwoch. Weil das Bamf bisher keine Prognose verkündet hat, hat am Dienstag das Sozialministerium eine Vorhersage gewagt – und sich dabei an einer Prognose des Bundesfinanzministeriums vom Mai orientiert. Demnach erwartet der Bund in diesem Jahr insgesamt 600 000 Flüchtlinge. Das Land hat diese Zahl sowohl auf Brandenburg als auch auf die einzelnen Kreise und kreisfreien Städte runtergerechnet. Die Prignitz müsste demnach bis Jahresende insgesamt knapp 600 geflüchtete Menschen aufnehmen, Oberhavel mehr als 1400 und das Havelland 1200.

Der Kita-Besuch ist die beste Integration, die es gibt

„Die Aufnahme und das Unterbringen von geflüchteten Menschen hat sich auf relativ hohem Niveau normalisiert“, sagte Kerstin Weiß, die Referentin für Flüchtlingsintegration in Ostprignitz-Ruppin. Jetzt gehe es verstärkt um die Integration der Menschen. Die Chancen dafür sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen sehr groß. 132 Mädchen und Jungen, die aus Flüchtlingsfamilien stammen, gehen zur Kita, 412 besuchen eine Schule. „Wir legen Wert darauf, dass die kleinen Kinder in eine Kita gehen“, betonte Sozialdezernentin Waltraud Kuhne. „Der Kita-Besuch ist die beste Integration, die es gibt.“ Im gemeinsamen, spielerischen Miteinander lernten die Mädchen und Jungen relativ schnell die für sie neue Sprache.

Sechs Spielkreise geplant

Das sehen die meisten Eltern genau so. „Wir haben mehr Anmeldungen als Plätze“, sagte Kuhne. Deshalb will der Landkreis im September in Wusterhausen eine neue Kita mit bis zu 50 Plätzen errichten und darüber hinaus sechs sogenannte Spielkreise einrichten. In diesen sollen jeweils bis zu 15 Mädchen und Jungen von einer Fachkraft betreut werden, die von den Eltern der Kinder unterstützt werden. Drei der Spielkreise sollen in Neuruppin entstehen, zwei in Rheinsberg und einer im Neuruppiner Ortsteil Gühlen-Glienicke.

Auch die Vorbereitungen für das neue Schuljahr und die Aufnahme weiterer Flüchtlingskinder seien gut vorangeschritten, versicherte Flüchtlingsreferentin Weiß. Von Vorteil sei dabei die Unterstützung der Sozialarbeiter an den Schulen.

Wenig Chancen für Tschetschenen

Problematischer ist die Integration von Erwachsenen. Hauptproblem ist dabei weiterhin die Sprache. Der Bund bietet nur noch berufsbegleitende Sprachkurse für Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, dem Iran und dem Irak an. Grund: Diese Menschen haben große Chancen, in Deutschland bleiben zu dürfen. Für Flüchtlinge aus anderen Ländern wie Afghanistan und Tschetschenien gilt das nicht. Ihnen droht in vielen Fällen die Abschiebung. Derzeit führt der Kreis allein mit 81 Tschetschenen Gespräche über ihre freiwillige Rückkehr.

Unter dem Durchschnitt

Ende Juni lebten knapp 3600 ausländische Menschen in Ostprignitz-Ruppin. Die meisten kommen aus Syrien (mehr als 700) und Polen (mehr als 600). Der Ausländeranteil liegt bei 3,5 Prozent – und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von zehn Prozent.

Arbeit zu finden, fällt geflüchteten Menschen in der Region schwer. 75 hatten Ende Juli eine gemeinnützige Tätigkeit, etwa bei Bauhöfen oder den Ruppiner Kliniken. Zehn Flüchtlinge sind derzeit in einem Projekt, um sich in einem Beruf zu erproben.

Von Andreas Vogel

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