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Frau mit Benzin übergossen und angezündet

Mehrjährige Haftstrafe für Hohenofener Frau mit Benzin übergossen und angezündet

Er wird beschuldigt, seine Frau mit Benzin übergossen und dann angezündet zu haben. Nun ist der 48-jährige Mann aus Hohenofen (Ostprignitz-Ruppin) zu einer Haftstrafe von mehr als vier Jahren verurteilt worden. Zuvor hatte sein Verteidiger auf Freispruch plädiert.

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Der Angeklagte (Mitte) am ersten Verhandlungstag vor Gericht.

Quelle: Peter Geisler

Neustadt. Dem Plädoyer des Verteidigers konnte Michele R. nicht bis zum Schluss zuhören: Sie verließ vorzeitig den Gerichtssaal. Der Verteidiger sah es nicht als erwiesen an, dass sein Mandant Torsten R. am 31. März in Hohenofen bei Neustadt seiner Frau Michele Benzin über den Kopf geschüttet und sie angezündet hat.

Die erste große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin glaubte jedoch Michele R. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilten sie den 48-Jährigen am Montag zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Davon muss er zunächst drei Monate absitzen, dann wird der Alkoholiker in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

Angeklagter kippte Benzin über seine auf dem Sofa sitzende Frau

Alkohol führte auch zu der Tat, für die Torsten R. sich vor dem Landgericht Neuruppin verantworten musste. Wie so oft hatte das Ehepaar auch am 31. März getrunken. Und wie so oft kam es zum Streit, der je nach dem Alkoholisierungsgrad des Angeklagten in Gewalttätigkeiten endete. Die hatten bisher keine Konsequenzen, weil sich Michele R. bis jetzt immer auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berief.

Diesmal hatte Torsten R. offensichtlich das Maß des für sie Erträglichen überschritten. Am Tattag drohte sie ihm mit Trennung, wenn er nicht in Zukunft weniger trinke. Nach dieser Ansage verließ ihr Mann wortlos den Raum, kam mit einem Einwegglas mit Benzin zurück. Genauso wortlos kippte er es auf die auf der Couch sitzende Frau aus und zündete sie an. Die zog sich geistesgegenwärtig eine Decke über den Kopf. Wohl erschrocken darüber, was er angerichtet hatte, half Torsten R., die Flammen zu ersticken und rief den Notarzt.

Haut musste bei der Verletzten transplantiert werden

„Der Angeklagte hat sicherlich zunächst in Kauf genommen, dass sie stirbt“, sagte die Vorsitzende Richterin Grit Burzer. Weil er aber sofort Hilfe geleistet hat, war er nicht wie angeklagt wegen versuchten Mordes zu bestrafen, sondern wegen gefährlicher Körperverletzung. Auch eine schwere Körperverletzung kam nicht in Betracht, da das Opfer zwar Verbrennungen zweiten Grades erlitten hat und Transplantationen an Ohren, Stirn und Nase über sich ergehen lassen musste, jedoch dadurch nicht dauerhaft entstellt sein wird.

Die Version des Angeklagten, er habe mit Benzin hantiert, das dann aus dem Kanister auf seine Frau geschwappt sei, als sie an seinem Arm zerrte, sah das Gericht widerlegt durch die Spurenlage und die Zeugenaussage von Michele R.

Frau des Angeklagten hat ihren Mann entlastet

„Wir haben keinen Grund, an ihrer Aussage zu zweifeln“, sagte Richterin Burzer. Michele R. hat ihren Mann nicht übermäßig belastet, sondern ihn im Gegenteil noch entlastet, als sie von seiner Hilfe berichtete. Auch von früheren Handgreiflichkeiten berichtete sie nur zögerlich und erst auf Nachfragen.

Zur Tatzeit hatte der Angeklagte knapp vier Promille Alkohol im Blut. „Er war weder nüchtern noch im Vollrausch. Es war nicht so, dass er nicht wusste, was er tat “, sagte am Montag der psychiatrische Sachverständige. Er ging aber davon aus, dass bei Torsten R. eine verminderte Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit nicht auszuschließen ist. Das nahm das Gericht auch an.

Es ordnete die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an. Die Hälfte seines Lebens war von Alkohol bestimmt. Bisherige Versuche, ihn zu therapieren, scheiterten an seiner „unkritischen Haltung“, wie der Gutachter sagte. Im Gerichtssaal zeigte sich der Angeklagte therapiewillig. Die Behandlung sei nur dann erfolgversprechend, so der Sachverständige, wenn Torsten R. sich selbst hinterfragt und bereit ist, sein Grundverhalten zu ändern. Dazu hat er jetzt die kommenden Jahre Zeit.

Von Dagmar Simons

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