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48-Jähriger zündet Ehefrau an

Prozess in Neuruppin gegen Gewalttäter 48-Jähriger zündet Ehefrau an

Michele R. aus Hohenofen (Ostprignitz-Ruppin) wird den 31. März 2015 nie vergessen: Ihr Mann überschüttet sie mit Benzin und zündet sie an. Sie wird schwer verletzt. Der Mann spricht von einem Unfall. Doch vor dem Landgericht Neuruppin muss er sich nun wegen versuchten Mordes verantworten. Es war nicht die erste Gewalttat gegen seine Frau.

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Der Angeklagte Torsten R. im Gerichtssaal.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Ihr Leben lang wird die 47-jährige Michele R. an den 31. März erinnert werden. Es ist jener Tag, an dem ihr Mann sie im gemeinsamen Haus in Hohenofen bei Neustadt mit Benzin übergossen und angezündet haben soll. Die Brandnarben sind bis heute sichtbar – und werden es für immer bleiben.

Seit Montag muss sich ihr Mann – der 48 Jahre alte Torsten R. – vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Glaubt man ihm, war es ein Unfall. Am Tattag hatte das Ehepaar zunächst Besuch. „Es wurde getrunken und gesabbelt“, berichtete der Angeklagte. Als die Gäste weg waren, habe ihn seine Frau in die Küche gerufen und ihn mit Gesprächen über ihren Ex genervt. „Ich hatte keine Lust. Es war jeden Tag dasselbe.“

Er sei in die Werkstatt gegangen und habe die Motorsense gerade betanken wollen, als ihn seine Frau erneut rief. Mit dem offenen Kanister in der Hand sei er ins Haus zurück. Als sie ihn am Arm zerrte, müsse auf ihren Pullover etwas Benzin geschwappt sein. Kaum zurück in der Werkstatt, habe er ihr Schreien gehört. „Als ich in die Küche kam, lag sie mit qualmenden Haaren auf dem Boden“, so die Version des Angeklagten, die sich von der Erinnerung seiner Frau deutlich abhebt. Sie sagte am Montag als Zeugin aus, vermied aber jeglichen Blickkontakt zum Angeklagten.

„Er kippte mir Benzin über den Kopf“

„Wir hatten uns gestritten. Es ging mal wieder um Alkohol. Immer, wenn er zuviel trinkt, wird er aggressiv“, berichtete Michele R. Sie habe ihm gesagt, dass sie an Trennung denke, wenn das so weitergehe. Daraufhin habe er, ganz entgegen seiner sonstigen Art, still und leise die Stube verlassen. Dann sei er zurückgekommen – in einer Hand ein Bockwurst- oder Gurkenglas, in der anderen Hand ein Feuerzeug. „Er kippte mir Benzin über den Kopf. Dann stand ich schon in Flammen“, sagte Michele R. Sie war völlig ahnungslos. „Mir schwante erst Böses, als ich das Benzin roch“, erinnerte sie sich. Es gelang ihr, die Flammen zu ersticken. „Er muss wohl noch einen Lichtblick gehabt haben und hat auch versucht zu löschen.“ Ihr Mann rief dann den Rettungswagen. Der stand vor verschlossenem Tor. Torsten R. fand den Schlüssel nicht. So musste das Rettungsteam warten, bis die Feuerwehr das Schloss aufbrach. Dreieinhalb Wochen lag Michele R. im Krankenhaus. Mehrere Transplantationen waren erforderlich. Noch heute leidet sie unter Schmerzen. Auch psychisch macht ihr die Tat nach wie vor zu schaffen.

Es war nicht das erste Mal, dass sie im Laufe ihrer Ehe das Ziel seiner Aggressionen wurde. 2010 hatten sie sich bei einer Alkoholtherapie in Neuruppin kennen gelernt und im Januar 2012 geheiratet. Eigentlich wollte sie über vorausgegangene Vorfälle nicht reden, rückte dann aber zögerlich damit heraus, dass er sie schon verprügelt, ihr den Arm gebrochen und ihren Kopf aufs Waschbecken geschlagen hat. Mehr wolle sie nicht sagen. „Ich glaube, das reicht auch“, meinte die Staatsanwältin.

Der Angeklagte steht nicht das erste Mal vor Gericht. Im vergangenen Jahr wurde er zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt, weil er seine Frau und zwei ihr zu Hilfe gerufenen Polizeibeamte mit einem Messer attackiert und seinem Schäferhund die Kehle durchgeschnitten hatte. Das Gericht ordnete damals seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Da Torsten R. aber Berufung einlegte, befand er sich weiter auf freiem Fuß – bis zu dieser Tat. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Mit dem Trinken hat er bereits in der Lehre begonnen. 2010 unterzog er sich einer Therapie. „Mitte 2011 ging es langsam wieder los mit Alkohol“, sagte der Angeklagte. Am Tattag hatte er zwei Flaschen Schnaps intus. Wie sich das auf seine Schuldfähigkeit auswirkt, dazu wird der psychiatrische Sachverständige gehört. Am 14. Dezember wird weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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