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Ostprignitz-Ruppin 480-Millionen-Euro-Projekt für Gentzrode
Lokales Ostprignitz-Ruppin 480-Millionen-Euro-Projekt für Gentzrode
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02:15 20.11.2017
Es ist fünf vor zwölf, um das historische Gutshaus Gentzrode bei Neuruppin noch retten zu können. Die Investoren wollen das ab Januar versuchen. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Die Dimensionen sind riesig: 480 Millionen Euro will eine Investorengruppe um den türkischen Bauunternehmer Volkan Basegmez in das Ruppiner Land investieren, um das historische Gut Gentzrode bei Neuruppin vor dem Verfall zu retten und auf einer Fläche von insgesamt 542 Hektar um das Gut Golfplätze, Hotel, Villen und mehr als 700 Ferienhäuser zu schaffen.

Das Herrenhaus soll ab Januar gesichert werden

Gleichwohl soll das Areal, in dessen Nähe sich gleich vier Schutzgebiete befinden, weitgehend naturbelassen bleiben. Demnach würden nach den derzeitigen Plänen lediglich fünf Prozent der Fläche bebaut, hieß es am Donnerstagabend beim Bauausschuss, als dort das Projekt erstmals des Öffentlichkeit präsentiert wurde. „Mir fehlen angesichts dieser Größenordnung etwas die Worte“, sagte André Ballast (Pro Ruppin). Sucht die Stadt doch schon seit Jahren nach Wegen, wie der Verfall der einmaligen Gutsanlage im maurischen Stil gestoppt werden könnte. Nun scheint die Rettung in Sicht. Eigentümer Basegmez, der das Areal 2010 übernahm, hat vor einem Jahr die Berliner Immobilienfirma Weiss & Cie. mit einem Masterplan für Gentzrode beauftragt. Demnach sollen in einem ersten Schritt die historisch wertvollen Gebäude gesichert werden, also das Herrenhaus und der Kornspeicher. Laut Ingo Weiss, Chef von Weiss & Cie., könnten die Arbeiten im Januar beginnen und etwa vier Wochen dauern. Sicher ist das aber nicht ganz. Denn das Ergebnis der statischen Berechnung liegt noch nicht vor, um „temporäre Dächer“ auf die Gebäude zu setzen, damit ein weiterer Verfall gestoppt wird. Möglicherweise wird aber auch ein Gebäude aus Stahl und Glas zum Schutz von Herrenhaus und Kornspeicher errichtet.

Landesplanung muss den Plänen zustimmen

Bis vor Ort etwas von dem millionenschweren Projekt zu sehen sein wird, dürfte es noch etwas dauern. Denn wegen dessen Größe ist ein sogenanntes „Raumordnungs- und Zielabweichungsverfahren“ notwendig, das von der gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg genehmigt werden muss. Der Bauausschuss hat diesem Verfahren einhellig zugestimmt. „Wir freuen uns über jeden, der sein Geld bei uns vergräbt“, sagte Siegfried Pieper (SPD). Angetan zeigte sich Hartmut Pieper (Einzelbewerber) davon, dass nicht allein der alte Gutspark wieder hergerichtet werden soll, sondern ebenfalls alte Wegeverbindungen, die fast zugewachsen sind.

Aber diese Arbeiten haben keine Priorität für das Projekt, das in mehreren Abschnitten umgesetzt werden soll – immer vorausgesetzt, die Investoren können die Auflagen der Behörden auch erfüllen. Weiss sprach von einer Entwicklungszeit von zehn bis 15 Jahren. Gleichwohl drückte er aufs Tempo. „Recht schnell“ will der Investor, der sich vermutlich im Dezember den Stadtverordneten vorstellen wird, einen sogenannten Vorvertrag mit der Fontanestadt abschließen. In diesem sollen die nächsten Schritte festgeklopft und geklärt werden, wer im Einzelnen wofür verantwortlich ist. Weiss hofft, dass das notwendige Raumordnungsverfahren bis Dezember nächsten Jahres abgeschlossen werden kann. „Dafür brauchen wir politische Unterstützung.“ Parallel dazu sollten der Flächennutzungsplan der Stadt geändert und Bebauungspläne für das Projekt erstellt werden. „Das wird kein Sprint, sondern ein Marathon“, betonte Weiss.

Investor interessierte sich schon für andere Projekte

Laut den Plänen sollen in Gentzrode ein 5-Sterne-Hotel, drei Golfanlagen sowie Tennisplätze entstehen. Damit das Areal möglichst ganzjährig genutzt wird, soll es Konferenzräume und auch Atelierräume haben, die Künstler mieten können. Peter Krause, der Chef des Tourismusverbandes Ruppiner Seenland, zeigte sich angetan von den Plänen für Gentzrode. „Es gibt viel freies Geld in der Welt.“ Da wäre es gut, wenn ein Teil davon in der Region eingesetzt werde, zumal zusätzliche Übernachtungsplätze im Ruppiner Seenland gerade im Sommerhalbjahr benötigt würden. Krause und auch Neuruppins Stadtspitze sind optimistisch, dass sich die großen Pläne der Bauherren für Gentzrode umsetzen lassen.

Etwas irritierend ist aber, dass Basegmez erst nach sieben Jahren einen sogenannten Masterplan für Gentzrode erarbeiten ließ. Hinzu kommt, dass der Investor neben Gentzrode zumindest zeitweise noch andere Großprojekte in Deutschland im Blick hatte. So berichtete die Nassauische Neue Presse, dass Basegmez im Jahr 2012 Interesse gehabt haben soll, das desolate Schloss Schaumburg bei Limburg an der Lahn (Hessen) kaufen zu wollen. Zudem wurde er mit einem Projekt in der ehemaligen Westerwaldkaserne in Montabaur (Rheinland-Pfalz) und für Schloss Kransberg in Usingen (Hessen) in Verbindung gebracht. Keines der Projekte wurde Realität.

Von Andreas Vogel

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