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500 Kilometer Geschichte live

Zwei Wusterhausener auf den Spuren von Kurfürst Friedrich Wilhelm 500 Kilometer Geschichte live

22 Tage waren Günter Kerfin und Udo Stange aus Wusterhausen auf Wanderschaft. Sie liefen 500 Kilometer auf den Spuren des Kurfürsten Friedrich Wilhelm - von Schweinfurt nach Fehrbellin. Der Kurfürst hatte nach dem gregorianischen Kalender am 28. Juni 1675 die schwedischen Truppen bei Fehrbellin geschlagen. Von Schweinfurt aus war er dorthin mit einem 6000 Mann starken Tross gezogen.

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Günter Kerfin (l.) und Udo Stange zeigen die Karte, die sie extra für die Wanderung erstellt hatten.

Quelle: Sandra Bels

Wusterhausen. Am fünften Tag wollte Günter Kerfin aufgeben. "Am zehnten hat's Spaß gemacht", sagt der Wusterhausener heute. Er war zusammen mit Udo Stange, ebenfalls aus der Dossestadt, im Juni auf Wanderschaft. 500 Kilometer von Schweinfurt nach Fehrbellin liefen die beiden auf den Spuren des Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Der hatte nach dem gregorianischen Kalender am 28. Juni 1675 die schwedischen Truppen bei Fehrbellin geschlagen. Von Schweinfurt aus war er dorthin mit einem 6000 Mann starken Tross gezogen. Diesen Weg wanderten Stange und Kerfin nach. 22 Tage brauchten sie. Was sie unterwegs erlebten, erzählten sie am vergangenen Freitagabend im Alten Laden des Wegemuseums Wusterhausen.

Kerfin kam die Idee, nachdem er einen Vortrag über den Söldner Peter Hagendorf gehört hatte. Der war im Dreißigjährigen Krieg 25000 Kilometer zu Fuß gelaufen. "Und weil ich mich für Geschichte interessiere, beschloss ich, etwas Ähnliches zu machen", erzählt Kerfin. Er nahm sich Friedrich Wilhelm als Vorbild und hoffte, auf dem Weg, Geschichte live erleben zu können. Freund Udo musste nicht lange von dem Vorhaben überzeugt werden. "Wenn Du das machst, dann komme ich mit", stand für ihn fest.

Drei preußische Meilen hatten sich die beiden Wanderer pro Tag vorgenommen. Eine hat 7,8 Kilometer. So kam das Duo auf etwa 23Kilometer täglich. Mal waren es mehr, manchmal weniger. Zwölf Kilogramm Gepäck hatte jeder zu tragen. Wechselkleidung, eine Zahnbürste und Wechselschuhe befanden sich unter anderem in den Rucksäcken.

"Natürlich sind wir nicht einfach so losgelaufen", sagt Kerfin. Er habe zuvor umfangreich im Internet recherchiert. Marschrouten wurden festgelegt, Unterkünfte ausgesucht. Dabei hatte sich herausgestellt, dass es den beiden nicht möglich sein wird, an Bundesstraßen zu laufen. "Aber man findet genügend alte Wege, besonders in Bayern und Brandenburg", so Kerfin. Zwischendurch sei es schwieriger gewesen. Ein Navigationsgerät half beim Aufspüren der alten Wege.

Schon die erste Etappe führte die beiden über 26,6 Kilometer. Sieben Stunden und 45 Minuten waren sie unterwegs. "Wie soll das bloß weitergehen, habe ich mich abends gefragt", erinnert sich Günter Kerfin. Er fügt aber an, dass es auch viele schöne Tage unterwegs gab, zum Beispiel den zwölften. "Wir waren in Polleben nördlich von Eisleben", so Kerfin. Stange hat passend dazu einen Eintrag ins Wandertagebuch geschrieben. Allein die Führung durch das Heimatmuseum und den Ort sei ein Erlebnis gewesen. Lustig fanden die beiden auch die Nacht in Zabakuck. "Da haben wir das erste Mal in einem Queck Junior (Wohnwagen) geschlafen", erzählen sie.

Am 21. Tag liefen sie von Nauen nach Hakenberg und kamen am 22. Tag in Fehrbellin an. Alles wurde nicht nur schriftlich festgehalten, sondern auch ins Bild gesetzt. Ein Buch soll irgendwann mal daraus werden. Einen Termin haben sich die beiden nicht gesetzt. Aber jeder zog sein ganz persönliches Fazit über die Tour. "Ich habe meine geringschätzige Haltung zum Wandern geändert und es unterwegs als äußerst beglückend empfunden", sagt Udo Stange. Und für Günter Kerfin steht fest: "Ich habe gelernt, die Umwelt bewusster wahrzunehmen und dass ich falsche Socken dabei hatte." Die wollenen hätten es auch getan, meint er. Zwischendurch plagte er sich mit drei Blasenlagen übereinander.

Und noch etwas war Günter Kerfin wichtig: "Unterwegs habe ich gemerkt, wie gut es ist, wenn man sich als Wanderer auf einer Bank ausruhen und rasten kann." Deshalb hat der Wusterhausener eine Bank gestiftet, die Ende Oktober vor dem Wegemuseum der Stadt aufgestellt wird. Die Zustimmung von Bürgermeister Roman Blank dafür liege schon vor.

Von Sandra Bels

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