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Ostprignitz-Ruppin 5000 Pfadfinder belagern Großzerlang
Lokales Ostprignitz-Ruppin 5000 Pfadfinder belagern Großzerlang
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00:19 30.07.2017
Die Pfadfinder vom Stamm „Eisvogel“ aus Königsbrunn in Bayern bauen ihre Jurte auf. Quelle: Peter Geisler
Großzerlang

Es hat ein bisschen was von einer Völkerwanderung. Kleine und größere Trupps pilgern am Mittwoch mit hochbeladenen Rucksäcken, den Wimpel am Stock nach oben gereckt, durch den Regen. Radler rollen in dichter Schlange durch Kleinzerlang. Wanderer marschieren in schier endlosen Karawanen über verschlammte Waldwege. Eine Gruppe lagert im Regenschatten der großen Dorflinde. Riesige Reisebusse bahnen sich den Weg über die engen Straßen. Ein Polizeiwagen patrouilliert. Schon vor Kleinzerlang weisen an jeder Kreuzung Ordner den richtigen Weg. Aus allen Richtungen ziehen am Donnerstag tausende junger Menschen ins kleine Großzerlang, dicht an der Grenze zu Mecklenburg Vorpommern, wo ab Donnerstag das große Bundestreffen des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) stattfindet. 4400 Halstuchträger aus allen Bundesländern werden erwartet, dazu rund 600 ausländische Teilnehmer aus 20 Ländern: aus Europa, aber auch aus Nepal, Chile oder Kasachstan. Das Gros der Ankommenden ist zwischen 10 und 16 Jahren alt.

5000 Kinder und Jugendliche aus rund 20 Nationen treffen sich zum Bundes-Pfadfinderlager in Groß Zerlang, nördlich von Rheinsberg. In den kommenden Tagen werden sie nicht nur gemeinsam zelten, sie erleben und gestalten ein vielfältiges Programm und erkunden die Gegend. Die Teilnehmer werden sich in den nächsten zehn Tagen auch mit Europa und seiner Zukunft auseinandersetzen. Das Motto des diesjährigen Bundeslagers lautet „Estonteco – Lebe den Kontinent“.

Ein paar sind zu früh dran – etwa diejenigen, die den Weg erwandern wollten. Sie sind über Nacht in Scheunen oder Bushäuschen untergekommen, etliche Anwohner haben spontan Pfadfinder für eine Nacht bei sich aufgenommen. Manche kampierten in Zelten im Wald bei Großzerlang: wie die „Wildgänse“ aus Ostfriesland. Die Pfadfinder haben ihren Ortsgruppen – den sogenannten Stämmen – Namen gegeben. „Wir sind klitschnass“, erzählt Isabell Wilkendorf, mit der Zahnbürste im Mund und lachenden Augen. „Wir haben so ein Teil, mit dem man im Zelt Feuer machen kann. Damit war‘s auszuhalten.“

Mittwoch ist Großkampftag für die Organisatoren: Fast 50 Busse werden erwartet – die Logistik war eine Sisyphusarbeit – zumal derzeit die Baustellen in Zechlinerhütte und Prebelow die Anfahrt erschweren. Sebastian Köngeten, Bundesvorsitzender des BdP, und Pia Conrady aus der Öffentlichkeitsarbeit sind dennoch guten Mutes, dass alles reibungslos klappt. Obschon der riesige Platz, auf dem seit dem Morgen heftig an den Zelten, Jurten und Kohten gebaut wird, die pure Schlammwüste ist. Von den Parkplätzen müssen einige Autos aus dem Sumpf gezogen werden. Überall wird gearbeitet. Diverse WC-Kabinen stehen dicht an dicht an einem der Eingänge und warten auf Verteilung. Auch die Markthalle wird gerade erst eingerichtet. Überall wuseln Mitarbeiter durch die Gänge, laden Kisten ab, stapeln Lebensmittel auf Paletten und in Regalen. „Jeder Stamm ist für seine Verpflegung selbst verantwortlich“, erklärt Pia Conrady. Und bei 5000 hungrigen Pfadfindern ist eine Halle in der Dimension eines Discounters gerade groß genug, um alle satt zu machen.

Rund 5000 Pfadfinder werden in der Zeltstadt erwartet

„Sieht gut aus bei uns. Kann losgehen“, lacht Johannes von Stemm vom Markthallen-Team – er ist einer von vielen ehrenamtlichen Helfern, die das Treffen betreuen: ob im Feuerwehrzelt, dem Sanitäter-Trakt, bei den Workshops zu Themen wie Permakulturen, industrielle Tierhaltung, Foodsharing, Ehe für alle. Es gibt Vorträge und nicht zuletzt Sport und Spiel wie Kistenklettern und Slacklining, Siebdruck, Quidditch, Seifenrutschen, Experimente zu erneuerbaren Energien und vieles mehr. Auch dafür bedarf es vieler helfender Hände.

Von Zeltstadt ist am Mittwochvormittag noch keine Rede. 5000 Holzstangen liegen für die Jurten bereit. Auf dem Boden spannen sich Fäden, die die Wege markieren, um die herum dann die rund 1000 Zelte aufgebaut werden – gegliedert in acht Unterlager. „In den Unterlagern sind die Stämme aber gemischt“, erklärt Conrady. Schließlich sollen die Pfadfinder anderer Bundesländer und Länder einander kennenlernen. Das Motto des Bundestreffens laute nicht von ungefähr „Estonteco“ – das ist Esperanto und bedeutet „Lebe den Kontinent“. „Es geht beim Bundestreffen darum, wie wir zukünftig mitein­ander leben wollen“, erklärt Conrady. Es gehe um Naturschutz und die Idee von Europa. „Friedliche Gemeinschaft ist uns wichtig.“ Dass die im Lager funktioniert, ist offensichtlich. Überall ziehen kleine Grüppchen umher und richten sich gemeinsam ein, packen Hand in Hand mit an. Neuankömmlinge suchen mit geschulterten Gitarren und Schaffellen für warme Nächte ihr Areal. „Wikinger“ aus Bremen ziehen einen hochbepackten Bollerwagen voller Teppiche.

Das Programm des Treffens hat das Miteinanderleben im Fokus

Drei Mädchen vom Stamme der „Askanier“ aus Niedersachsen zerren einen Karren mit Feuerholz durch den Schlamm. Bereits 2016 wurden 2000 Kubikmeter Brennholz nach Großzerlang geliefert. „Wir sind heute Morgen mit dem Fahrrad angereist und freuen uns total“, sagt Conni. Ferdinand und Clemens aus Stuttgart wuchten ihre Fahrräder durch tiefe Matschwehen. Ihr Papa ist der Lager-Doc. „Der Matsch ist scheiße“, bringt es Ferdinand auf den Punkt. „In unserer Kohte stand das Wasser so hoch“, sagt er und deutet auf seine Wade. Trotzdem schaut man überall in frohe, erwartungsvolle Gesichter. Hört neckende Worte. Über den Schultern einer ganzen Gruppe schwarzhaariger Jugendlicher reckt sich ein kleiner Junge, umhüllt von der chilenischen Fahne. „Wir wurden eingeladen, vom Stamm Norving“, erfährt man. Die Pfadfinder aus Reinbek bei Hamburg haben die Freunde aus Chile eingeladen, nachdem sie selbst im Herbst dort zu Gast waren, erzählt Nadja von den Reinbekern.

Zahlen, Daten, Fakten, Termine

Die Markthalle verkauft in den zehn Tagen an rund 600 Kunden täglich: 10 000 Eier, 10 000 Liter Milch, 4000 Brötchen, 400 Laibe Brot sowie 1000 Gläser Nuss-Nougat-Creme.

Für die Infrastruktur wurden 6000 Stangen Holz und 200 Kubikmeter Feuerholz verarbeitet und herbeigeschafft; 1500 Meter Frischwasserleitung und 1500 Meter Schmutzwasserleitung wurden verlegt und an fünf Pumpstationen angeschlossen, 1000 Meter Starkstromkabel und 800 Meter Telefonkabel installiert.

Die wichtigsten Programmpunkte:

28. Juli ab 20 Uhr: Internationaler Abend;

29. Juli ab 12 Uhr sowie 30. Juli ab 14 Uhr: Besuchertag (Eltern und Interessierte sind dazu eingeladen;

2. August, 20 Uhr: Singewettstreit;

4. August, 21 Uhr: große
Abschlussfeier.

„Eins, zwei, hoch!“ Vier Köpfe schauen aus dem kreisrunden oberen Loch einer Jurte, acht Arme recken sich nach oben. Es gilt, die Leinwand nach oben zu hieven. Ein Kraftakt, der den verschwitzten „Eisvögeln“ aus Bayern da noch bevorsteht. Ein Stück weiter hämmert Sophie Ederer vom Stamm „Barrakuda“ein paar Heringe in den Boden. Die Münchnerin ist Bundesbeauftragte für die Pfadfinderstufe und hilft, die Infozelte des großen Marktplatzes aufzubauen, in deren Mitte – auch der ist noch in Arbeit – ein großer hölzerner Turm mit einer Plattform in zehn Metern Höhe errichtet wird. Das Panorama auf die fertige Zeltstadt dürfte sehenswert sein. Auch an der großen Bühne wird noch gewerkelt, auf der am Donnerstagnachmittag die große Eröffnungsveranstaltung über die Bühne geht. Oder nächste Woche das Finale des Singewettstreits ausgetragen wird. Die Vorrunden laufen in den Jurten-Cafés – jedes Unterlager hat sein eigenes kleines „Dorfzentrum“, wo viel Programm geboten wird. Es verspricht spannend zu werden in Großzerlang. Interessierte können sich am Sonntag beim öffentlichen Familientag ein Bild davon machen.

Von Regine Buddeke

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