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6000 Sperrgebiete in der DDR

Wittstock: 13 Prozent Militärflächen 6000 Sperrgebiete in der DDR

Sie haben jahrelang recherchiert: Christian Adam und Martin Erdmann retteten fast vergessenes Wissen um ehemalige Sperrgebiete in der DDR. Am Mittwochabend präsentierten sie ihr gleichnamiges Buch in den Wittstocker Museen. Und gaben interessante Einblicke ins Missverhältnis zwischen Stasi und Roter Armee.

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Ruinen auf dem ehemaligen Flugplatz bei Alt Daber. Hier hatte einst das sowjetische Militär das Sagen. Für DDR-Bürger war das Gebiet deshalb eine Tabuzone.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Rund 6000 Sperrgebiete gab es in der ehemaligen DDR – vom kleinsten Aktivitätspunkt bis zu großen Arealen wie dem ehemaligen Truppenübungsplatz oder dem einstigen Flugplatz bei Alt Daber. 13 Prozent der Fläche des damaligen Kreises Wittstock waren für die Bürger tabu. In der gesamten DDR waren es zwölf Prozent. Die regionale Zahl erscheint dabei im Verhältnis zu klein, angesichts des mächtigen Truppenübungsplatzes bei Wittstock. Aber das subjektive Empfinden stehe ohnehin auf einem anderen Blatt, vor allem bei Menschen, die einst so nah an dem Militärgelände gelebt haben, sagte Christian Adam am Mittwochabend in den Museen Alte Bischofsburg. Hier wird derzeit die Ausstellung über das Sperrgebiet Bombodrom gezeigt.

Christian Adam stellte dort gemeinsam mit Martin Erdmann das Buch „Sperrgebiete in der DDR“ vor, das von der Stasi-Unterlagen-Behörde in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMS) ermöglicht wurde.

Hinterlassenschaft der Roten Armee in Alt Daber

Hinterlassenschaft der Roten Armee in Alt Daber.

Quelle: Björn Wagener

Das Buch beleuchtet auf rund 160 Seiten, was DDR-Bürgern verborgen blieb. Die beiden Autoren hoben am Mittwoch vor allem die Arbeit der Kartographen Horst Henkel und Wolfgang Scholz hervor, die für das Buch militärisches Kartenmaterial nachzeichneten und aufbereiteten. Gerade in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre seien sowjetische Militärobjekte sehr detailliert von der Staatssicherheit (Stasi) dokumentiert worden, wie die Aktenlage preisgegeben habe. Einer der Gründe dafür sei laut Adam der „wachsende Unmut in der Bevölkerung über unrechtmäßige Gebietsaneignungen der sowjetischen Streitkräfte“ gewesen. Zunehmende Schäden durch Manöver und Truppenbewegungen bis hin zu tödlichen Unfällen im Zusammenhang mit der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) hätten auch von der DDR-Regierung nicht mehr länger ignoriert werden können. Zudem habe es „immer mehr illegal genutzte Kasernen und Stellungen gegeben, die einfach unkontrolliert über ihre Grenzen hinauswuchsen. Dazu wurden Wälder wild abgeholzt“, berichtete Adam. Sogar illegal genutzte Schweinemastanlagen habe es gegeben. Das sei aus zum Teil mit Fotos belegten Stasi-Unterlagen hervorgegangen. Der Disput zwischen Stasi und GSSD sei gerade zum Ende der DDR immer deutlicher geworden.

Martin Erdmann (l) und Christian Adam stellten ihr Buch über DDR-Sperrgebiete vor

Martin Erdmann (l.) und Christian Adam stellten ihr Buch über DDR-Sperrgebiete vor.

Quelle: Björn Wagener

Die Kreisdienststelle der Staatssicherheit in Wittstock befand sich auf rund 2000 Quadratmetern Nutzfläche in der Röbeler Straße. Ihr letzter Leiter sei Oberstleutnant Manfred Nikolaus gewesen, berichtete Martin Erdmann. „Er war 1989 Herr über 32 hauptamtliche Mitarbeiter.“ Gleichzeitig seien rund 260 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) im Kreis tätig gewesen. Zu ihren Aufgaben zählten die Überwachung und Kontrolle von Personen vor Ort; die Lagekontrolle in der Volks- und Landwirtschaft, im Gesundheitswesen und in der Kirche; die Sicherung des 71. Fliegerkorps der GSSD Wittstock des Flugplatzes Alt Daber sowie die Analyse der Ein- und Ausreisetätigkeit von Wittstocker Bürgern. Letzteres Tätigkeitsfeld bezeichnete Erdmann als „Dauerbrenner“.

Hier haben sich die Sowjetsoldaten ebenfalls in Alt Daber verewigt

Hier haben sich die Sowjetsoldaten ebenfalls in Alt Daber verewigt.

Quelle: Björn Wagener

An die SED- Kreisleitung und MfS-Bezirksleitung sei regelmäßig der aktuelle Stand bei den Übersiedlungsversuchen gemeldet worden. „Verheerend“ habe sich die Situation aus Stasi-Sicht im Kreiskrankenhaus und in der Poliklinik dargestellt. Mängel und Misswirtschaft hätten unter den Medizinern zu einem „schwindenden Rückhalt der Staatspartei SED“ geführt, so das Fazit der Stasi-Mitarbeiter. Im Bereich Landwirtschaft sollte laut Überlieferung aus den Unterlagen folgenden Problemen nachgegangen werden: heruntergewirtschafteten Stallanlagen, übermäßigen Tierverlusten, Dreck und Rattenplagen, beispielsweise in der LPG Tierproduktion Schweinrich.

Die Buchautoren betonen, dass sie bei allen Angaben keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Von Björn Wagener

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