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81-Jährige bestohlen

Neuruppin 81-Jährige bestohlen

Im Supermarkt ließ ein 29-Jähriger Kosmetika mitgehen, aus dem Fahrradkorb einer 81-Jährigen stahl er ein Portemonnaie. Darin befand sich eine unterschriebene Überweisung, mit der versuchte er, rund 2000 Euro auf sein Konto zu überweisen. Das gab er unumwunden zu. Nun muss er sich vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten.

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Quelle: dpa

Neuruppin. Ohne Umschweife kam er zur Sache: „Ich gestehe.“ Und zwar alles. Drei Taten wirft die Staatsanwaltschaft dem 29-jährigen Phillip V. vor. Wegen Diebstahls, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und räuberischen Diebstahls muss sich der Neuruppiner seit Dienstag vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten.

Gestohlene Kosmetika konnte Ladendieb gut absetzen

Unumwunden gab der arbeitslose Angeklagte zu, im Juni 2015 im Kaufland im Ruppiner Einkaufszentrum (Reiz) Kosmetikartikel im Wert von mehr als 130 Euro eingesteckt zu haben. „Die ist man gut los geworden“, sagte Phillip V. Mit dem Erlös wollte er seine Drogenschulden begleichen. Mit dem Diebesgut im Rucksack passierte er die Kasse und wollte durch die Apotheke nach draußen, als ihn der Ladendetektiv am Schlafittchen packte. „Ich habe versucht, ihn abzuschütteln“, so Phillip V. Als der Verfolger sich als Ladendetektiv auswies, habe er sich nicht mehr gewehrt, so der Angeklagte treuherzig. Es sei nicht so gewesen wie die Anklage behauptet. Danach soll er wild um sich geschlagen haben.

An Dreistigkeit kaum zu überbieten

Am Vormittag des 16. Mai 2015 entwendete er einer 81-Jährigen in Neuruppin das Portemonnaie aus dem Fahrradkorb. Neben 20 Euro und der Sparkassenkarte fand er einen bereits unterschriebenen Überweisungsschein. Philipp V. setzte lediglich seine eigene Kontonummer und einen Betrag von mehr als 1900 Euro ein und ging mit dem Formular zur Sparkasse am Fontaneplatz. „Ich hatte Mietschulden“, sagte er. Der Mitarbeiterin legte er mit den Worten „die habe ich von meiner Oma gekriegt“ die Bankkarte vor. Er ließ die Überweisung da, vertröstet von einer Sparkassenangestellte, dass es ein paar Tage dauern könnte, bis das Geld auf seinem Konto sei. Dazu kam es nicht, weil die bestohlene Frau bereits am Vormittag ihre Bankkarte hatte sperren lassen.

Betrunken mit der Polizei angelegt

Im Mai 2016 hatte der Angeklagte Probleme mit der Polizei. Es war Herrentag und Phillip V. hatte „ganz schön einen im Tee“, als er mit seiner Freundin in Streit geriet. Der wurde wohl so lautstark, dass jemand die Polizei rief. „In meinem Alkoholrausch habe ich nicht wahrgenommen, dass das Polizeibeamte waren.“ Er wollte an ihnen vorbei, hat sie wohl im Eifer des Gefechts auch geschubst, wie er sich vage erinnerte. Dann sei er in der Ausnüchterungszelle aufgewacht. Außerdem soll er noch, bereits am Boden liegend, gegen das Hosenbein eines Polizisten gespuckt haben. Davon wusste Phillip V. allerdings jetzt nichts mehr. So viel zu den Vorwürfen.

Auch zu seinem Lebenslauf äußerte er sich frei von der Leber weg. Geboren in Neuruppin, verbrachte er seine ersten zwölf Lebensjahre dort. Dann kam er nach Wittenberge in ein Heim für schwer erziehbare Kinder. Dort schloss er die Förderschule mit der zehnten Klasse ab. Mit 17 Jahren zog er zurück zu den Eltern nach Neuruppin. Eine Tischlerlehre brach er ab, wegen Drogen. „Ich habe gekifft und Kokain gezogen.“

Gericht will noch Zeugen hören

Mit 20 Jahren kriegte er offensichtlich die Kurve. Er ging mit seinen Eltern in die Schweiz, arbeitete dort drei Jahre lang für eine Zeitarbeitsfirma. Dann gab es keine Arbeit mehr für ihn und er ging zurück nach Neuruppin. „Damit habe ich mir mein Leben versaut und wieder Scheiße gebaut.“ Und das offensichtlich gründlich. Bei den vorliegenden Taten stand V. unter Bewährung. Außerdem ist wohl noch eine sechsmonatige Strafe aus einem anderen Urteil offen, das er aber bisher nicht akzeptiert hat. Würde er das, könnte sich der Staatsanwalt eine bewährungsfähige Gesamtstrafe vorstellen. Eine Option, die beim Angeklagten auf Gegenliebe stieß. Diesen Weg jedoch wollte das Gericht am Dienstag nicht mitgehen. „Wir möchten uns zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen.“

Schon mehrfach waren Gerichtstermine angesetzt worden. Jedes Mal wurden die Zeugen unverrichteter Dinge nach Hause geschickt, weil der Angeklagte nicht erschienen war. Nun kam der Angeklagte. Rein vorsorglich hatte das Gericht aber keine Zeugen geladen. Diese sollen nun am kommenden Verhandlungstag, dem 9. Mai, gehört werden.

Von Dagmar Simons

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