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Ostprignitz-Ruppin Auftakt mit Paukenschlag
Lokales Ostprignitz-Ruppin Auftakt mit Paukenschlag
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00:27 21.03.2018
Die gastgebende Lautten Compagney hat ein Programm mit Pauken und Trompeten mitgebracht. Quelle: Cornelia Felsch
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Neuruppin

Nur zwei Mal im Jahr sind Tag und Nacht gleich lang. Die Wissenschaftler nennen dieses Ereignis „Äquinoktium“. Seit Jahrtausenden haben diese Tage für die Menschen eine besondere Bedeutung, denn nun überwiegt das Licht und der Frühling hält Einzug. Für die Neuruppiner ist dieses Datum seit dem Jahr 2010 mit einem bedeutenden Musikfestival in ihrer Stadt verbunden, das der Förderverein der Siechenhauskapelle gemeinsam mit der Lautten Compagney ins Leben rief.

Wolfgang Katschner (r.)konzentriert mit seiner Laute. Quelle: Cornelia Felsch

Der Start in dieses hochkarätige Musikwochenende erfolgte in diesem Jahr nicht nur mit leise gezupften Tönen, sondern mit Pauken und Trompeten, passend für eine ehemalige Garnisonsstadt. In die 9. Aequinox-Musiktage mischten sich in diesem Jahr auch ernstere Töne, passend zum Thema „Krieg und Frieden“. Anlass waren zwei bedeutende historische Ereignisse: der Beginn des dreißigjährigen Krieges im Jahr 1618 und das Ende des 1. Weltkrieges im Jahr 1918.

Erstmals mit Schlips

Mit dem strahlenden Klang der Barocktrompeten von der Empore der Kulturkirche startete die Lautten Compagney ihren Musikmaraton. Mit Karel Mnuk und Jaroslav Roucek waren zwei exzellente Virtuosen in Neuruppin zu Gast.

Die Fanfaren der Toccata aus Claudio Monteverdis „Orfeo“ brachten höfischen Glanz in das Kirchenschiff bevor die Cheforganisatoren von Aequinox, Gabriele Lettow und Wolfgang Katschner, ihr Publikum begrüßten. „Für diesen Auftakt habe ich zum ersten Mal in den neun Jahren meinen Schlips angelegt“, verkündete der Leiter des Berliner Barockensembles.

Musikalischer Ausflug in die Welt der Akustik

Werke von Heinrich Ignaz Franz Biber, Samuel Scheidt und Carl Rosier standen auf dem Programm. Mal innig und zart geht es zu, dann wieder festlich, heiter und militärisch. Die Echopreisträger spielen energiegeladen und kontrastreich als wollten sie den Staub der vergangenen 400 Jahre hinweg musizieren. Etwas nasal, wie eine gestopfte Trompete klingt der Zink, für Eulenrufe in Bibers Nachtwächter-Serenade und andere Überraschungen sorgt Percussionist Peter A. Bauer.

Seine Finger wirbeln über das Tamborin, erzeugen klapperschlangenartige Geräusche. Die Landsknechttrommel umgeschnallt sorgt er für kriegerischen Soundtrack und auch als singender Nachtwächter für musikalisches Vergnügen: „Lost Ihr Herrn undt last euch sagn, der Hammer der hat Neyne gschlagn, Hüets Feyer, hüets wohl undt lobet Gott den Herrn und Unser liebe Frau!“ Mit ihren Laternen ziehen Pianist Mark Nordstrand und Peter A. Bauer an den Zuschauern vorbei.

Töne von unsichtbaren Saiten

Doch der Abend ist noch lange nicht zu Ende; in der Siechenhauskapelle treffen die Gäste zum Nachtkonzert ein. Eine der weltweit gefragtesten Thereministin ist dort zu Gast. Sie sitzt vor einem lautsprecherartigen Kasten mit ausgefahrener Antenne. Fast beschwörend hebt sie ihre Hände. Mit der rechten erzeugt Carolina Eyck die Töne auf einer unsichtbaren Saite. Mit der linken Hand steuert sie die Lautstärke.

Geheimnisvoll wie bei einer Fee schweben die Hände von Caroline Eyck über dem Instrument. Quelle: Cornelia Felsch

Alles klingt wunderbar leicht und schwerelos, Musik zur Entdeckung der Langsamkeit. Der Mechanismus beruht auf der Wirkung elektromagnetischer Felder Und selbst die Bewegungen der Zuhörer, die in der Nähe des Instruments sitzen, können Einfluss auf die Töne nehmen.

Klänge aus fantastischen Sphären

Was wunderbar klingt und federleicht aussieht, ist in der Praxis gar nicht so einfach umzusetzen. Finger- und Handpositionen wollen gut koordiniert werden. Die Technik, mit der die deutsch-sorbische Künstlerin das geheimnisvolle Instrument spielt, hat sie selbst entwickelt. Das Theremin wurde um 1920 von Lev Termen, einem russischen Physiker erfunden.Viele Erklärungen gab die Künstlerin an diesem Abend nicht. „Sie sollen vor allem zuhören“, sagt Carolina Eyck.

Sich von der Musik berühren lassen und weniger darüber nachdenken , wie die Töne zustande kommen – das ist ihr Ansinnen. Die Klänge erinnern teilweise an fantastisch sphärische Welten, geben die menschliche Stimme wieder oder ein Blasinstrument. Bach spielen ohne ein Instrument zu berühren – wohl kaum einer der Besucher hätte das für möglich gehalten. Allerdings musiziert Carolina Eyck nicht nur allein, sondern auch mit Orchestern zusammen.

Ihr Instrument kann in allen Registern spielen und sich anderen Instrumenten anpassen. An diesem Abend spielt sie gemeinsam mit dem Blockflötist Martin Ripper und dem Lautenist Wolfgang Katschner. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Siechenhauskapelle herrscht gespannte Stille. Wie sich das Instrument der Neuzeit mit dem barocken Sound der Lautten Compagney verträgt, war nicht nur für die begeisterten Konzertbesucher spannend. Auch für Caroline Eyck war es ein neues Feld.

Von Cornelia Felsch

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