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A-cappella-Truppe Delta Q in Neuruppin

Wer braucht schon Instrumente, wenn man Stimme hat A-cappella-Truppe Delta Q in Neuruppin

Die menschliche Stimme ist wandelbar. Wie wandelbar, stellten die vier Sänger von Delta Q unter Beweis. Am Freitag rissen sie das Publikum in der Siechenhauskapelle Neuruppin förmlich von den Sitzen: mit einem vergnüglichen Potpourri quer durch alle Musikgenres und einer Bühnenpräsenz par excellence.

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Das verrückte Quartett: Delta Q ist Lebensfreude pur.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Programmzettel? Fehlanzeige. Der Abend ist ein Überraschungspaket. Das möchten die vier Akteure so. Und das ist auch ganz schön, denn es macht nicht nur die Ohren, sondern auch das Hirn weit offen: schon beim ersten Titel, der bekannt und dennoch fremd klingt, fängt man an zu grübeln, wer den wohl im Original gesungen hat. Um es mal aufzulösen: es war Adele. Ihr „Rolling in the deep“ bekommt am Freitag unter den Stimmbändern von Delta Q indes ein völlig neues Gesicht.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hat Siechenhauskapellen-Chefin Gabriele Lettow eine A-capella-Formation eingeladen. Wie beim ersten Mal ist die kleine Kapelle mit der wunderbaren Akustik voll bis unter den Rang. „Ein Programm, das auch ich nicht kenne“, kündigt die Gastgeberin die vier jungen Männer an. „Aber ich habe einige Songs gehört und hatte meinen Spaß dabei.“ Spaß ist es denn auch, der den Abend dominiert – gepaart mit Staunen, was eine menschliche Stimme zu leisten vermag. Und was punktgenaue Instrumentierung – denn die Stimmen von Delta Q imitieren keine Instrumente, sondern sind solche – ausmacht. Wenn dann noch locker leichte Sangesfreude hinzukommen, ein satter Schuss Lust, an die Genregrenzen zu gehen und eine unbändige Freude am Agieren auf der Bühne, kann eigentlich nicht viel schief gehen. Wenn man‘s kann! Delta Q kann.

Bereits beim zweiten Titel kichern die Zuschauer amüsiert: die Ode an die Freude ist weltumspannend, das zelebrieren Countertenor Sebastian Hengst, Bariton Martin Lorenz, Bass Thomas Weigel und Tenor Thorsten Engels eindrucksvoll. Sie funktioniert als Choral und als Opernchor, man kann sie rappen oder jazzen, sie kann indisch oder arabisch klingen, sie taugt als Reggae oder als Soul-Hymne, man kann sie sogar tanzen – beginnend als Sirtaki, der im feurigen Kasatschok gipfelt. Und immer sind die Jungs die Band dazu. Mit Tönen, die man kaum einordnen kann. Gurgelndes Wasserrohr, zwitschernde Vögel, schnarrende Außerirdische – aber standardmäßig auch Bass und Drums, gern mal eine Geige, eine Trompete oder ein sattes Saxofon. Was der Titel halt gerade braucht.

„Wir machen Musik – und zwar alles mit dem Mund. Sogenannte Mund-Mucke“, erklärt es der Countertenor. Und man verdiene damit tatsächlich seine Brötchen. Das ist natürlich hart – die Jungs haben das auch in einem Lied verarbeitet: „Irgendwann schaff ich es auch – auf den Stuhl bei Günther Jauch“, trällern die vier, schnippen und schnalzen, wippen und tänzeln zu einem augenzwinkernd tremolierten dapp-di-du-ah, dass es eine Lust ist. Die Harmonie der Stimmen ist bestechend, jeder der vier hat das Zeug zum Solo. Und alle vier setzen auf den Kontrast zwischen Komödie und Drama. Gerade noch säuselt der Tenor wie ein Sopran, dann wird es plötzlich atemlos still, wenn einer das Lied des verwaisten Köfferchens singt, der seinen Herrn sucht. „Er trug einen Stern, war alt und blind“, heißt es. Das trifft ins Mark.

Doch schon wird es wieder heiter mit dem Allergiker-Song. Auch das Farben-Medley der vier, bei dem es rote Rosen ins knallrote Gummiboot regnet, „deine blauen Augen“ sentimental machen wie der blau-blau-blau-blühende Enzian und der Refrain im „yellow submarine“ gipfelt, bringt wieder Heiterkeit ins Publikum, das sich am Ende kaum einkriegt, beim gesungenen Querschnitt durchs Fernsehprogramm. „Merci, dass es dich gibt“, singt Delta Q. Und das Publikum denkt das Gleiche.

Von Regine Buddeke

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