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Abrissarbeiten bedrängen volles Storchennest

Naturschutz in Neustadt alarmiert Abrissarbeiten bedrängen volles Storchennest

Überall geht die Storchenbrut zurück. Da müssen die Tiere nun nicht auch noch mit Gewalt gestört werden, sagt ein Neustädter. Vor seiner Haustüre erlebt er derzeit Unglaubliches: Abrissarbeiten laufen dort unmittelbar neben einem bewohnten Storchennest. Die Naturschutzbehörde ist alarmiert.

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Der Storchenhorst steht auf der Geländegrenze.

Quelle: Matthias Anke

Neustadt. Jahrelang gähnte an der Neustädter Prinz-von-Homburg-Straße eine Industriebrache vor sich hin. Damit ist nun Schluss. Der Discounter „Netto“ will mit seiner Filiale aus dem Wohngebiet Am Vogelsang auf dieses Gelände eines früheren, kleinen Möbelwerkes ziehen. Das wurde im vergangenen Jahr bereits bekannt. Um dort für dieses Vorhaben Baufreiheit zu schaffen, rückte vor einigen Monaten ein Abrisstrupp an. Doch es wurde offensichtlich später damit begonnen, als von behördlicher Seite gedacht war. So zieht sich der Abriss noch immer hin. Und dann das: Derweil bezog ein Storchenpaar den auf der Geländegrenze stehenden Horst, brütete und hat jetzt Junge. Trotzdem sollen die Abrissarbeiten laut Anwohnern munter fortgesetzt worden sein in den vergangenen Wochen und dabei mitunter viel zu nah am Nest. Geht es so weiter, sei die Gefahr groß, die Vögel zu vertreiben. Ihr Nachwuchs ginge verloren.

„Überall geht die Storchenbrut zurück, da muss man doch nicht noch mit Gewalt stören“, protestiert Uwe Kleinschmidt. Er beobachtet die Vögel seit mehr als zwei Jahrzehnten. Demnach würden sie regelmäßig um den 20. August herum wieder nach Süden aufbrechen, die Jungvögel etwa zwei Wochen früher.

Sogar nahezu unterhalb des Nestes waren Abrissarbeiter zugange

Kleinschmidt, der seit 1992 in ihrer Sichtweite lebt und selbst Vogelzüchter ist, hat Anselm Ewert von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises in Neuruppin alarmiert. Der aber habe bislang nicht viel ausrichten können. So wurde zwar schon im Bauantragsverfahren als Auflage festgeschrieben, das Storchennest während der Arbeiten großzügig zu umgehen. Die Rede ist von mindestens 40 Metern. Aber selbst direkt schräg unterhalb des Horstes wurden kürzlich Asbestwelldächer abgetragen und Mauern eingerissen.

„Das Problem ist womöglich, dass die Arbeiter vielleicht davon ausgehen, die Brutzeit wäre vorbei“, mutmaßt Anselm Ewerts Chefin Karin Schönemann, die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde. Wie sie zudem erklärt, sei der Sicherheitsabstand von 40 Metern kein Gesetz, aber eine von ihrer Behörde festgelegte Größe, an die sich gehalten werden muss. Dazu habe es regelmäßig Angebote gegeben, gemeinsam am Ort zu klären, wie man am besten vorgeht und wie sich diese 40 Meter in alle Richtungen auslegen lassen. Doch dieses Angebot sei bisher nicht angenommen worden.

An der Homburg-Straße verschwindet derzeit eine Industriebrache

An der Homburg-Straße verschwindet derzeit eine Industriebrache. Es wird Platz geschaffen für einen Discounter.

Quelle: Matthias Anke

Silvio Beck, Chef der Abbruchfirma aus Sachsen-Anhalt, sieht dazu auch keinen Grund: „Wir arbeiten außerhalb der 40 Meter“, betont er auf Nachfrage. Und von Kleinschmidts Präsenz an der Baustelle, die ihm nicht verborgen geblieben sei, fühle er sich vielmehr genervt.

Bestrafend auf das Unternehmen einzuwirken, sei laut Katrin Schönemann allerdings ohnehin erst möglich, wenn die alten Störche die Brut verlassen, es also einen tatsächlichen Schaden gibt. „Dazu aber muss es doch gar nicht erst kommen“, hofft noch immer Vogelfreund Kleinschmidt. Eine wichtige Aktion stünde schließlich noch an: Storchenexperte Anselm Ewert könnte die Jungvögel in seiner Funktion als in der Region tätiger ehrenamtlicher Storchenbetreuer beringen. Derzeit jedoch weile er laut Karin Schönemann noch in Rumänien – ebenfalls wegen Störchen.

Auch diese Gebäude sollen verschwinden

Auch diese Gebäude sollen verschwinden. Die Dächer sind bereits abgetragen. Wie nahe der Storchenhorst (l.) steht, ist nicht zu übersehen.

Quelle: Matthias Anke

In Neustadts Amtsverwaltung ist der Fall auch bekannt, doch sie habe mit dem Geschehen jetzt nichts weiter zu tun, erklärt Bauamtsleiter Wolfgang Burau: „Von uns gab es in dem Verfahren bisher immer grünes Licht“, sagt er mit Blick auf den endlich verschwindenden Schandfleck. „Alles Weitere ist Sache zwischen Investor und Genehmigungsbehörde.“ Und damit eben auch das Nest. Für Neustadt sei jetzt ansonsten interessant, welche Zukunft der bisherige Netto-Standort im Vogelsang hat. Der Umzug an die Homburg-Straße soll bis Weihnachten erfolgt sein, weiß Burau: „Für den Vogelsang sind wir mit dem Eigentümer in der Überlegungsphase. Es soll ja wieder eine neue Nutzung dort rein.“

Von Matthias Anke

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