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Absturz über Wulfersdorf

Vor dem Abzug der Sowjetarmee Absturz über Wulfersdorf

Während derzeit in Alt Daber die Gebäude des alten Militärflugplatzes abgerissen werden, ist die Erinnerung an den Flugbetrieb der Sowjetarmee noch sehr lebendig. Etwa in Wulfersdorf, wo noch im September 1993 ein Kampfjet MIG 29 vom Himmel stürzte. Das Unglück war das letzte einer ganzen Reihe von Unglücksfällen in der Einflugschneise zum Militärflugplatz.

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Die Reste der ehemaligen Flak-Station bei Wulfersdorf.

Quelle: Claudia Bihler

Wulfersdorf. Obwohl Gunnar Geick zu diesem Zeitpunkt noch nicht wie heute in Wulfersdorf gelebt hat, an den 15. September 1993 erinnert er sich dennoch ganz genau. „Wir hatten damals ja alle CB-Funkgeräte, und so hat sich natürlich auch in Wittstock schnell herumgesprochen, was in Wulfersdorf passiert war.“ Ins Auto eingestiegen und nach Wulfersdorf gefahren ist damals nicht nur Gunnar Geick, sondern auch zahlreiche andere Wittstocker und Einwohner aus den umliegenden Dörfern: Schließlich verbreitete sich wie ein Lauffeuer, dass dort, auf dem Acker westlich des Dorfes eine Mig 29, damals einer der modernsten Kampfjets der Roten Armee, vom Himmel gefallen war.

Antje Zeiger gehörte 1991 zu jenen Wittstockern, die die Unfallstelle besuchten

Antje Zeiger gehörte 1991 zu jenen Wittstockern, die die Unfallstelle besuchten.

Quelle: Claudia Bihler

Wie sich später herausstellte, offenbar, weil dem Jet bereits kurz nach dem Start vom Flughafen in Alt Daber der Sprit ausgegangen war. Wie es dazu kommen konnte, kann sich heute kaum noch jemand erklären: War es, weil die Vorräte der Truppe zur Neige gingen, deren Abzug bereits bevorstand, oder weil mit dem Sprit Geschäfte gemacht wurden: Den Grund dafür wird wohl niemand mehr erfahren.

Ebenso unklar ist, ob es tatsächlich die Maschine des Kommandanten gewesen ist, die dort mit abgebrochenem Triebwerk auf dem Acker lag, von der in einschlägigen Internetforen die Rede ist. „Sicher ist auf alle Fälle, dass der damalige Kommandant Komissarov nur zwei Tage nach dem Unfall abgezogen wurde“, sagt Antje Zeiger, Leiterin der Wittstocker Museen Alte Bischofsburg, „offenbar hatte er nur kurz zuvor in der Nähe von Güstrow eine weitere Maschine verloren.“ Auch die Museumschefin gehörte zu den Neugierigen, die nach Wulfersdorf gefahren waren: „Damals herrschte auf dem Feld riesiger Menschenandrang“, erinnert sie sich. An die Unfallstelle heran durfte niemand. „Die ganze Region war großräumig abgesperrt“, sagt Gunnar Geick, „überall waren Russen, überall war Polizei.“ Auch, wenn es nicht erlaubt war, ein paar Filmaufnahmen konnte der heutige Wulfersdorfer dennoch machen: „Drauf gehalten und ein bisschen herangezoomt“, sagt er und schließt nicht aus, diese Aufnahmen als Zeitdokument zur Verfügung zu stellen. Der Pilot, der damals in der Unglücksmaschine saß, konnte sich per Schleudersitz retten, er wurde ein paar Kilometer weiter aufgesammelt. Offenbar hatte er sich in letzter Sekunde aus der Maschine katapultiert, um das Schlimmste zu vermeiden, nämlich den Absturz über einer bewohnten Ortschaft.

Die ehemalige Flak-Raketen-Basis in Wulfersdorf heute

Die ehemalige Flak-Raketen-Basis in Wulfersdorf heute.

Quelle: Claudia Bihler

Die Maschine, die 1993 abgestürzt war, war nur eine von mehreren, die in der näheren Umgebung vom Himmel kamen. Geick weiß unter anderem von einer Maschine, die in den 1940er Jahren bei Dudel verunglückte, und während des Nationalsozialismus hatte es noch einen Absturz gegeben. Unter anderen war dort die Lancaster eines britischen Piloten abgestürzt. „Das Dorf lag ja auch direkt in der Einflugschneise zu Alt Daber“, sagt Geick.

Aus diesem Grund sind auch bis heute noch in Wulfersdorf und bei Biesen die Reste von alten Raketen-Stationen zu finden. Der Flugabwehrraketenposten bei Wulfersdorf war bereits im Juli 1991 an das Bundesvermögensamt übergeben worden, nachdem dort ein Feuer für Zerstörung gesorgt hatte. Der Landkreis hatte die Fläche in Augenschein genommen, auf der – gemessen an der Zahl der Raketen – etwa 50 bis 60 Soldaten ihren Dienst taten. Unter „menschenunwürdigen Zuständen“, wie es im Abschlussbericht hieß.

Von Claudia Bihler

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