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Ostprignitz-Ruppin Acht Stunden Geschichten Nonstop
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00:22 20.11.2017
Lisa Göske aus Wernikow war mit ihren elf Jahren die jüngste Vorleserin. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

So viel vorgelesen wie am Freitag wurde in der Wittstocker Bibliothek im Kontor wohl schon lange nicht mehr. Beim bundesweit 14. Vorlesetag trugen 16 Teilnehmer aus Wittstock und von weiter her Kurzgeschichten, Romanausschnitte oder Tagebücher vor.

Revierpolizistin Petra Rieger las in der Kinderbibliothek Elizabeth Shaws „Der kleine Angsthase“ vor. Quelle: Stadtbibliothek

Den Anfang machte ab 9 Uhr Wittstocks Vizebürgermeisterin Dorothea Stüben. Sie trug Kurzgeschichten aus dem neuerschienenen Sachbuch „Zeitreise: 1200 Jahre Leben in der Prignitz“ vor. „Ich habe extra Geschichten ausgesucht, die mit Wittstock zu tun hatten“, sagte sie. Eigentlich sei sie ja eher Krimileserin – die interessanten Kurzgeschichten hätten sich für einen Vorlesemarathon, bei dem jeder Beitrag maximal 30 Minuten dauern durfte, besser geeignet. Wer wie der Historiker Wolfgang Dost einen Roman ausgesucht hatte, konnte aber die Zeit für eine kurze Einführung und Umschreibung nutzen. Dost trug einen Klassiker, nämlich Theodor Fontanes „Effi Briest“ vor. „Das Ende kennen wir alle, nur wie es dazu gekommen ist, das können Sie gerne noch mal nachlesen“, machte er Lust auf das Buch.

Wittstocker sind von Anfang an dabei

Seit 2004 gibt es den bundesweiten Vorlesetag. Ziel ist es, vor allem jüngere Menschen wieder zum Vorlesen zu animieren und die Freude am Zuhören zu finden.

Die Initiative haben die Stiftung Lesen, die Deutsche Bahn Stiftung sowie die Zeitung „Die Zeit“ ins Leben gerufen. Der Aktionstag fand in diesem Jahr zum 14. Mal statt. Die Wittstocker Bibliothek hat seitdem keinen Vorlesetag ausgelassen.

In den Vorjahren richtete sich das Vorlesen hauptsächlich an Kinder und Jugendliche. Seinerzeit hatten bekannte Wittstocker wie MAZ-Redakteur Dirk Klauke, Superintendent Matthias Puppe oder die SPD-Landtagsabgeordnete Ina Muhß vorgelesen. Seit diesem Jahr sollen alle Altersgruppen von den Geschichten angesprochen werden.

Einen kurzen Umzug vom „Grünen Salon“ ein Stockwerk tiefer in die Kinderbibliothek gab es beim Vortrag von Revierpolizistin Petra Rieger. Sie las aus Elizabeth Shaws „Der kleine Angsthase“ vor und war freudig über die Reaktionen der Kinder überrascht. „Sie haben mir erzählt, was sie machen, wenn sie Angst haben“, berichtete sie.

Torsten Boger las aus den Erinnerungen seines Vaters. Quelle: Christian Bark

Amüsant wurde Ilka Karps Vorlesebeitrag über die Onlineomi Renate Bergmann, die sich in dem Band auf große Kreuzfahrt begab. Die Geschichten hörte auch Sybille Hinz gerne, die leider mittendrin wieder nach Hause gehen musste. „Das war so abwechslungsreich, da hätte ich den ganzen Tag zuhören können“, lobte sie den Vorlesetag. Etwas aufgeregt, nach ihrem Vortrag aber erleichtert, zeigte sich Julia Knieknecht, die in der Bibliothek ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Sie las den mit dem Deutschen Buchpreis 2017 prämierten Roman von Robert Menasse „Die Hauptstadt“.

Jeder Vorleser erhielt eine Teilnehmerurkunde. Quelle: Christian Bark

Aus den Kriegserinnerungen seines Vaters Hubert las Torsten Boger. Darin beschrieb er das Schicksal einer Familie, die von Ostpreußen 1945 nach Westen über die Oder floh. Sein Vater hatte die Mutter, die auf der Flucht ihre beiden Kinder beerdigen musste, während der Kriegsgefangenschaft selbst kennengelernt, wie Torsten Boger berichtete. „Ich wollte damit nur erzählen, was Flucht überhaupt bedeutet“, erklärte er dem nachdenklichen Publikum. Mit ihren elf Jahren war Lisa Göske aus Wernikow die jüngste Vorleserin. Sie präsentierte das Jugendbuch schlechthin: Jeff Kinney’s „Gregs Tagebuch“.

Bibliotheksleiterin Georgia Arndt zeigte sich zufrieden mit dem Vorlesetag. Er soll in dieser Form auch 2018 wiederholt werden, wie sie sagte. Anmeldungen seien jetzt schon willkommen.

Von Christian Bark

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