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Aequinox-Musiktage in Neuruppin

Beschwingt, beseelt, beglückend Aequinox-Musiktage in Neuruppin

Fans wissen es: Zur Tag- und Nachtgleiche im März sind in Neuruppin einmal mehr musikalische Leckerbissen zu erleben. Die Aequinox Musiktage, die vor sieben Jahren von Gabriele Lettow und der Lautten Compagney ins Leben gerufen wurden, ziehen Jahr für Jahr mehr Musikinteressierte an. Im siebten Jahr passierte viel Neues. Das Resultat war alles andere als „verflixt“.

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Oper ist Schnee von gestern? Schüler der Evangelischen Schule Neuruppin vertieften sich in Monteverdi und stellten auf der Opernbaustelle drei Kurzopern vor.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Es ist das verflixte siebente Jahr – da muss man aufpassen, weil viel passieren kann. Bestenfalls hat man sich den Anfangs-Zauber erhalten und schmückt den Ehealltag mit immer neuen Aufmerksamkeiten, Geschenken und Genüssen. Das hält die Beziehung frisch und Langeweile fern.

„Schätzchen, wie willst du mich denn diesmal beglücken“, zwitschert Gabriele Lettow, Chefin der Siechenhauskapelle ihrem “Partner“ Wolfgang Katschner, dem Leiter der „Lautten Compagney“ zu. „Mit immer wieder schönen neuen Programmen, liebe Gabi“, antwortet dieser. Lettow und Katschner, die Gründer und Organisatoren der Aequinox-Musiktage in Neuruppin, haben auch in diesem Jahr ein buntes Programm mit bewährten Standards und frischen Neuzugängen auf die Beine gestellt. Und wie in jedem Jahr ist der Ansturm auf die einzelnen Spielstätten groß bis „ausverkauft“ – Qualität spricht sich eben herum.

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Musik von Henry Purcell auf alten Instrumenten und Klarinette – mit der Lautten Compagney Berlin geht das. Mit „Swinging Purcell“ war das Eröffnungskonzert der 7. Aequinox-Musiktage überschrieben. Gemeinsam mit der Taschenoper Lübeck versetzten Neuruppiner Gymnasiasten am Sonnabend die Oper „Orfeo“ in die heutige Zeit, Mechthild Großmann las ein Hörstück nach Miguel de Cervantes, eine lange Nacht der Oper und weitere Konzerte sorgten für einen musikalisch gelungenen Start ins Frühjahr.

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Die erste Premiere gibt es gleich beim Eröffnungskonzert am Freitagabend in der Pfarrkirche: Die Lautten Compagney arbeitet erstmals mit dem Ausnahmeklarinettisten David Orlowsky zusammen. „Er gibt uns heute die Sängerin“, so Katschner – denn bei „Swinging Purcell“ dreht sich alles um Opernstücke des großen Briten. Die Singstimme der zauberhaften Arien übernimmt das Instrument, dass es zu Zeiten Purcells eigentlich noch gar nicht gab. Umrahmt wird die samtstimmige Diva von den historischen Instrumenten der Musiker: den Streichern, dem Cembalo und natürlich den Lauten – eine spielt Katschner selbst – den Theorben und dem Zink. Gerade letztere sorgen dafür, dass die Spielart der Lautten Compagnie immer eine Gratwanderung zwischen Renaissance- und Barockmusik. Zudem sorgt der Percussionist für witzige Akzente: mit Maultrommel, Kastagnetten, Zimbeln und Trommeln haucht er der Musik noch ein wenig Mittelalter-Flair ein, der an Minnegesang und Troubadoure, Ritterburgen und Jahrmärkte denken lässt. Die Klarinette gibt sich mal wehmütig, mal beschwingt, mal feierlich. Im „Cold genius“ gefriert das Blut fast in den Adern, so sehr zerschneiden die Geigen mit schrillen, fast dissonanten Staccatos die Luft, man spürt förmlich die klirrende Kälte des Eises, aus der sich am Ende der warme Klarinettenton befreit und aufsteigt.

David Orlowsky

David Orlowsky.

Quelle: Peter Geisler

In der Siechenhauskapelle geht es im Anschluss weiter: Gitarrist Silvio Schneider gibt ein Nachtkonzert. Und entspannter kann man kaum ins Träumen kommen. Die Klangwelten des Gitarristen und Weltenbummlers sind vielfältig und kaum fassbar – sie schweben zwischen Jazz und Pop, Weltmusik und groovy Funk. Ein wenig Flamenco, Klassik und Karibik-Flair – was der Mann, der gerade 25-jähriges Bühnenjubiläum feiert – da scheinbar lässig aus den Saiten schnippt und zupft, ist hohe Kunst, berauscht wie süßer Wein.

Am Sonnabend eine neue Premiere: die Opernbaustelle. Jugend und Oper? Da kann zu Anfang schon Skepsis aufkommen. Die Schüler der Evangelischen Schule haben indes Feuer gefangen, als ihnen die Akteure der Taschenoper Lübeck Stücke von Monteverdi vorspielten. Mit Lust am Selbermachen und Hilfe eines Regisseurs schrieben die Jugendlichen während eines dreistündigen Workshops die Stücke in ihre eigene Zeit um. Das Resultat, drei Kurzopern, stellten sie am Sonnabend in der Pfarrkirche vor.

Die Schüler hatten viel Spaß bei „ihrer“ Oper

Die Schüler hatten viel Spaß bei „ihrer“ Oper.

Quelle: Peter Geisler

Im Kornspeicher Neumühle ging es währenddessen auf Reisen. Die Schauspielerin Mechthild Grossmann las, von der Lautten Compagney musikalisch begleitet, aus Cervantes „Don Quichote“. Sie schlüpft als erstes in die Rolle der alten Stute Rosinante und lässt dies so plastisch werden, dass das Publikum sich kaum noch einkriegt. Dass Pferde auf der Stufenleiter höher stehen als der Mensch, ist wohl dem Fakt geschuldet, dass „der Don“ nicht mehr so ganz beieinander ist. Wie sonst kann es passieren, dass man so hochbetagt noch auf „Ritter-Reise“ geht, mit einer fiktiven Dulcinea im Gehirn und einem lahmen Ross zwischen den Schenkeln? Rosinante ist es wurscht – sie kommt so wenigstens mal raus aus ihrem Stall. Und kann den galizischen Hengsten nachstellen. Mechthild Grossmanns Stimme trieft nur so vor brünstiger Lust. Auch wenn die Objekte der Begierde mehr am Fressen als an Rosinante interessiert sind. Und die Flucht ergreifen vor dem „reitenden Feuerschweif der Wollust“. Sie ächzt, wenn sie den Don markiert – den Sancho Pansa lallt sie so besoffen, dass man glaubt, sie habe tatsächlich in der Pause „ein paar Ballen Gras gepafft“. Und wird urplötzlich geballter Schmerz beim Tod des Don. Das Publikum liegt ihr zu Füßen. Zu Recht.

Mechthild Grossmann kann sie alle

Mechthild Grossmann kann sie alle: den tüdeligen Don, den besoffenen Sancho, die greise, weise und immer noch lüsterne Rosinante.

Quelle: Peter Geisler

Um Recht geht es dann auch am Samstagabend – bei der langen Nacht der Oper. Zuerst erklingt Monteverdis „Orfeo“ in konzertanter Aufführung. Schon das ein Hochgenuss – wenn auch Tragödie, denn Eurydike stirbt am Ende. Bloß weil Orfeo es nicht lassen konnte, sie trotz Verbotes anzuschauen. Aber wer kann schon aus seiner Haut, wenn er liebt.

„Hat Orfeo schuldhaft gehandelt, als er sich umdrehte?“, fragt im Anschluss Moderator David Ortmann bei „Der Staatsanwalt hat das Wort“. Staatsanwalt Gunnar von Wolffersdorf steht Rede und Antwort und liest Gerichtsbegründungen, die das Publikum zu Lachstürmen animieren. Im Falle von Orfeo: fahrlässige Tötung, aber mildernde Umstände wegen Vollrauschs aus Liebe. Und auch der Fährmann darf den Führerschein behalten, obwohl er am Steuer einschlief. Und die Moral: So heiter kann Justitia sein.

„Pärchen“ im verflixten siebten Jahr

„Pärchen“ im verflixten siebten Jahr: Wolfgang Katschner, Gabriele Lettow.

Quelle: Peter Geisler

Von Regine Buddeke

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