Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Ärger über Poller vor der Ladentür

Herzberg Ärger über Poller vor der Ladentür

Die Gemeinde Herzberg ließ vor „Bolles Hofladen“ Poller aufstellen. Kunden können seitdem nicht mehr auf dem Seitenstreifen vor dem Geschäft parken. Vor dem Laden abgestellte Wagen hätten die Sicht auf die Landesstraße versperrt, argumentiert die Gemeinde. Ladeninhaber Björn Neumann fürchtet Umsatzeinbußen.

Voriger Artikel
Neuer Bauamtsleiter im Dienst
Nächster Artikel
Eine Premiere in Wittstock

Björn Neumann führt Herzbergs einzigen Lebensmittelladen. Am Montag ließ die Gemeinde auf dem Seitenstreifen davor Poller errichten.

Quelle: Peter Geisler

Herzberg. Alles Reden hat am Ende nichts genützt. Am Montag hat die Gemeinde vor Björn Neumanns kleinem Laden in Herzberg acht rot-weiße Poller setzen lassen. Kunden können seitdem vor „Bolles Hofladen“ nicht mehr parken. Für Neumann ein schlechter Scherz. „Einem Gewerbetreibenden wird das Leben noch schwerer gemacht“, sagt er.

Etwa die Hälfte von Neumanns Kunden kommt mit dem Auto, um Brötchen zu holen, ein Paket aufzugeben oder schnell das vergessene Stückchen Butter zu kaufen. „Leute, die nicht parken können, kommen auch nicht mehr“, befürchtet der 32-Jährige. Schon jetzt ist es nicht einfach, in dem 660-Einwohner-Ort Herzberg ein Geschäft zu führen. Künftig könnte die Ladenklingel noch seltener schellen, so Neumanns Angst.

Autos verstellten die Sicht auf die Landesstraße

Für Herzbergs Bürgermeisterin Michaela Wolff sind die Poller dagegen eine Sicherheitsfrage. Neumanns Laden liegt an der Landesstraße – unweit der Einmündung der Straße „Am Karnickelberg“. Ist der breite Sandstreifen vor Neumanns Laden zugeparkt, können Anwohner, die vom „Karnickelberg“ auf die Landesstraße einbiegen wollen, nur schlecht sehen, ob Autos aus Richtung Radensleben kommen, sagt sie. Ständig habe es Beschwerden wegen der verstellten Sicht gegeben. „Jeden Monat so zwei bis drei Anrufe.“

Nach Einschätzung der Bürgermeisterin hätte es nicht zum Aufstellen der Poller kommen müssen. Kompromiss­möglichkeiten habe es in der Pollerfrage durchaus gegeben. „Man kann auch auf der Nebenstraße parken“, sagt Wolff. Wer nur schnell einen kurzen Einkauf machen wolle, könne seinen Wagen zudem kurz auf der Landesstraße abstellen. „Wir haben das mehrfach erklärt“, sagt Wolff. Erfolglos.

Auch Neumann muss seine Wagen künftig woanders parken

Für Neumann sind diese Vorschläge nur wenig akzeptabel. „Das gibt ein noch größeres Chaos“, befürchtet er. Kaum ein Nachbar würde sich freuen, wenn Kunden ihren Wagen vor seinem Grundstück abstellen würden. Zudem weiß Neumann auch nicht, wo er künftig seinen eigenen Wagen parken soll. Auf seinem Grundstück ist kein Platz dafür. Auf der Landesstraße kann er ihn nicht für längere Zeit parken. Auf die Nebenstraße möchte er nicht ausweichen. Jahrelang sei das Parken auf dem Seitenstreifen „ohne Gefährdung“ möglich gewesen, sagt Neumann. Er fühlt sich schikaniert.

Neumann selbst hatte der Gemeinde einen eigenen Kompromissvorschlag angeboten. Er wollte seinen eigenen Wagen künftig so parken, dass die Sicht auf die Landesstraße nicht mehr eingeschränkt gewesen wäre. Zugleich sei er bereit gewesen, die Sandfläche zu pflastern. Wolff reichte das nicht aus. „Hätte da tatsächlich nur ein Auto gestanden, hätten wir nichts gesagt“, sagt sie. „Aber da standen meistens zwei.“

Erfolglose Gespräche

Auch Amtsdirektor Danilo Lieske hätte sich eine andere Lösung für das Parkplatz-Problem gewünscht. „Es hat längere Gespräche mit Herrn Neumann gegeben“, sagt er. „Aber er hat sein Parkverhalten nicht geändert.“ Lieske selbst hatte Neumann empfohlen, die Parkplatz-Misere mit den Gemeindevertretern zu besprechen und mit ihnen gemeinsam zu beraten, wie die Poller verhindert werden könnten. In der Juli-Sitzung standen die drohenden Poller dann auf der Tagesordnung der Gemeindevertretersitzung. Doch Neumann sei nicht gekommen.

2014 hatte Neumann seinen kleinen, nur 23 Quadratmeter großen Laden auf seinem Grundstück eröffnet. Der „kleinste Supermarkt zwischen Berlin und der Ostsee“ wurde sein Geschäft in einem Fernsehbeitrag genannt. Darauf ist Neumann ein bisschen stolz. Sein Laden sei wichtig für Herzberg, sagt er: „Es gibt alte Leute, die auf mich angewiesen sind.“

Reich kann Neumann mit dem Verkauf von Brötchen, Zeitschriften und Meisenknödeln nicht werden. Dass die Poller jetzt vor seiner Ladentür stehen, empfindet er als Behinderung. In Beetz (Oberhavel) liege das Bäckergeschäft an einer Landesstraße. „Dort hat die Gemeinde extra zwei Parkbuchten gebaut“, sagt Neumann.

Von Frauke Herweg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg