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Afghanischer Filmemacher drehte in Luhme

Alltag in Flüchtlingsunterkünften Afghanischer Filmemacher drehte in Luhme

Der afghanische Filmemacher Taj Mohammad Bakhtari ist selbst ein Flüchtling. Im Oktober 2014 rettete er sich vor den Morddrohungen der Taliban nach Deutschland. In Luhme begann er am Wochenende mit den Dreharbeiten für sein erstes Filmprojekt in Deutschland – einer Dokumentation über das Leben in Flüchtlingsunterkünften.

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Erstes Filmprojekt in Deutschland: Taj Mohammad Bakhtari.

Quelle: Frauke Herweg

Luhme. An dem Tag, an dem die Todesschützen auf einem Dach liegen und ihm auflauern, ist Taj Mohammad Bakhtari nicht zu Hause. Ein Zufall, der ihm vermutlich das Leben rettet. Spätestens jetzt weiß der Filmemacher, dass er in seinem Heimatland Afghanistan nicht mehr sicher leben kann. Seine Filme haben ihn bei den Taliban zur Unperson gemacht. Im Oktober 2014 flieht Bakhtari aus dem Land, das ihn mit Morddrohungen belegt.

Inzwischen arbeitet der 50-Jährige an seinem ersten Filmprojekt in Deutschland – einem Dokumentarfilm über die Hoffnungen und Enttäuschungen von Flüchtlingen, die sich wie Bakhtari nach Deutschland retteten. Auf Rügen, wo Bakhtari heute lebt, schreibt er an einem Filmskript. Die ersten Filmaufnahmen machte er am Wochenende im ehemaligen Hotel „Am Birkenhain“ in Luhme, wo im Herbst etwa 80 Flüchtlinge untergebracht wurden. „Sie sind Heimatlose“, sagt Bakhtari. „Ich möchte zeigen, wie ihr Leben in den Flüchtlingsunterkünften ist.“

Langeweile beherrscht das Leben der Flüchtlinge

Vor der Kamera erzählten eine afghanische Familie und drei auch aus Afghanistan geflüchtete junge Männer von ihrem Alltag in der brandenburgischen Abgeschiedenheit. Während die Kinder längst zur Schule gehen können, bleibt für die Erwachsenen kaum etwas zu tun. Keiner der Flüchtlinge, die sich mit Bakhtari unterhalten haben, besucht einen Deutschkurs. Auch wenn sie inzwischen in Sicherheit vor terroristischen Anschlägen und Verfolgung durch die Taliban leben, bleiben doch riesige Zweifel. Noch kann keiner der Flüchtlinge Pläne für ein Leben in Deutschland machen. „Man kann immer nur warten“ sagt Bakhtari.

Zermürbend auch: Unter den einzelnen Flüchtlingsgruppen kommt es immer wieder zu Spannungen. Im Gespräch mit Bakhtari berichten die afghanischen Flüchtlinge, dass sie sich von ihren syrischen Mitbewohnern respektlos behandelt fühlen. Im Alltag gibt es Streit über die richtige Lautstärke oder den richtigen Umgang miteinander. Es sind Berichte, die Erzählungen aus anderen Flüchtlingsunterkünften ähneln.

Bakhtari ist mit seiner Recherche noch am Anfang

In Luhme sprach Bakhtari nur mit afghanischen Flüchtlingen – ein Zufall, nur sie wollten mit ihm reden. Gerne würde er auch mit Asylsuchenden anderer Nationen reden. Noch ist er mit seiner Recherche am Anfang. Er sucht auch nach Flüchtlingen, die ihre Hoffnung auf ein besseres Leben aufgegeben haben und wieder zurück in ihre Heimat wollen.

Auch für vielgereisten Filmemacher Bakhtari ist der Neuanfang in Deutschland schwierig. In Frankreich und Kabul erarbeitete er sich sein Handwerk, seine Filme waren auf Festivals auf der ganzen Welt zu sehen. „Ich mag Europa“, sagt Bakhtari. „Aber ich bin ein Filmemacher aus Afghanistan und ich sollte Filme in meinem Land machen.“ Ein Zwiespalt, der sich kaum auflösen lässt. Immerhin, so hofft er, können seine Frau und seine beiden Kinder in wenigen Tagen nach Deutschland nachkommen. „Sie warten nur noch auch ihre Tickets.“

Von Frauke Herweg

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