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Alexandra Weidmann malt in Banzendorf

Farbenprächtig – ohne Schönfärberei Alexandra Weidmann malt in Banzendorf

Fußbballer, Familien, verschleierte Frauen, Landschaften und Tiere: die Themenwelt der Alexandra Weidmann ist bunt. So bunt wie ihre Farben – die ihre Bilder leuchten lassen. Obwohl die Banzendorferin oftmals ein gerüttelt Maß Nachdenklichkeit zwischen ihre Striche wirft. Und die man manchmal auf den ersten Blick schwer erkennt. Sie nennt das: Angebote an den Betrachter machen.

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Alexandra Weidmann in ihrem Atelier. Sie arbeitet gerade an einem Porträt.

Quelle: Regine Buddeke

Banzendorf. Alexandra Weidmann empfängt in ihrem Allerheiligsten. Durch den Garten, eine Metalltreppe hoch und schon steht man im Dachgeschoss-Atelier des idyllischen Nebengelasses, in dem die Banzendorferin ihre Tage verbringt. Und zwar ziemlich diszipliniert: „Ich versuche, um neun, spätestens zehn im Atelier zu sein“, sagt sie. Zum Warm-Machen zeichnet sie – Skizzen mit Bleistift oder Kohle zu den jeweiligen Bildern, an denen sie gerade arbeitet. Im Moment sind das verstärkt ihre „Familienbilder“, von denen es schon etliche gibt. Sie zeigt – in ihren typisch leuchtenden Farben – eine heile Welt. So sieht es zumindest auf den ersten Blick aus. Aber beim genaueren Betrachten fallen Details auf, die stutzig machen. Etwa bei „Trautes Heim, Glück allein“. Ist es Zufall, dass die Familie auf der Decke und das Häuslein im Hintergrund so knapp im Anschnitt sind? Oder ist das ein Symbol dafür, dass jenseits des Gartenzauns die heile Welt aufhört – oder gar sogar der Familienblick über den Tellerrand just hier endet? Oder „Ganz der Papa“ – wie ein eingefrorener Schnappschuss eines Fotografen. Wo Mann und Söhne ernst und schwarz und wichtig dreinschauen, während Mutter und Töchter in ihren tapetengemusterten Kleidchen wie Staffage oder simple Einrichtungsgegenstände wirken. Auf „Samstags gehört Vati uns“ schaut ein schwarzbezopftes Mädchen mit traurigen Augen aus dem Bild, in dessen Hintergrund sich ein halbes Dutzend Rotschöpfe an ihren schwarzhaarigen Papa schmiegen. Knallige Farben sind Alexandra Weidmanns Spezialität – Schönfärberei kann ihr trotzdem keiner unterstellen.

Heile Welt

Heile Welt? Wohl kaum.

Quelle: Buddeke

Das Porträt einer europäischen Bilderbuchfamilie endet im oberen Rand, wo hohlwangige graugesichtige Kinder hinter einem Gitter aus Fäden am Bild unter ihnen weben. Deutlicher kann man es kaum ausdrücken. „Ich möchte Denkanstöße geben. Den Betrachter Angebote machen, eine Geschichte zu entdecken“, so die 54-Jährige, der die abstrakte Kunst deshalb eher suspekt ist. „Das ist wie ein Tapetenmuster – ohne Information“, sagt sie. Das könne zwar schön aussehen, „aber in der Kunst geht es um mehr als nur Ästhetik.“

Alexandra Weidmann hat schon immer gezeichnet und gemalt. Und hat sich in der Kunst durchgebissen. „Meine Eltern wollten nicht, dass ich studiere. Schon gar nicht Kunst“, sagt sie ohne Bitterkeit. Es zog sie daher nach Westberlin, weit fort vom heimischen Augsburg, eine Stadt voll mit Kunst, die ihr viel Nahrung gab. Studierte Informatik und malte weiter. Bei Ute Pleuger, die ihr viel über Techniken beibrachte. Probierte sich in Ton bei der bekannten Keramikerin Anne Marx, die im Altersheim noch Raku-Technik brannte. Dann fiel die Mauer, Alexandra Weidmann und ihren Mann zog es ins Brandenburgische, nach Banzendorf. Da stehen ihre leuchtenden Pigmente in Gläsern, riesige Pinsel-Sträuße bündeln sich in Gläsern. An den Wänden viele Bilder – aus allen Schaffensperioden. Porträts habe ich schnell aufgegeben, verrät sie. Nie fanden sich die Gemalten schön genug.

Tierbilder malt Alexandra Weidmann gern

Tierbilder malt Alexandra Weidmann gern.

Quelle: Buddeke

Sie wandte sich den Tieren zu, die sie auch heute noch mit Lust und Witz auf die Leinwand bannt. Freche Schweine, neugierige Kühe, bunte Papageien. Oder ihre Fußballbilder. Mit denen hat sie angefangen, als sie einst ein Stipendium in Bad Kreuznach hatte: für Landschaftsmalerei, die sie auch lustvoll-leuchtend zelebriert. „Aber ich konnte ja nicht schon früh am Morgen mit Landschaften starten“, sagt sie. Stattdessen verarbeitete sie die Fußball-Fotos aus der Zeitung zu Bildern. Bei ihrer Ausstellung in New York im vergangenen Jahr kamen die bestens an. „Die Amerikaner haben weder mit meinen Fehl-Farben noch mit meinen Themen Probleme“, sagt sie schmunzelnd. Derzeit hängen ein paar Bilder in drei ungewöhnlichen Trafohäuschen-Galerien im Uckermärkischen. „Das ist wie in einen Guckkasten schauen“, sagt sie über die Miniaturgalerien auf gerade mal zwei Quadratmetern. In Neuruppin hat sie vor kurzem auch ein paar Bilder gehängt, anlässlich der Frauenwoche.

Freches Schwein

Freches Schwein.

Quelle: Buddeke

Ab und an bekomme sie zu hören, wie sie es sich anmaßen könne, ein Künstler zu sein, ohne das je richtig gelernt zu haben. „Man muss es halt tun“, sagt sie schlicht und verweist auf die Urmenschen, die vor 30000 Jahren schon gemalt haben – einfach so. Alexandra Weidmann malt aus dem Herzen und dem Kopf: Fußballer, die als Prinzessin auf dem Seil balancieren, während der heilige Sankt Georg beim Versuch sie zu retten hinunterstürzt. Im Abgrund lauert der Drachen in Form eines Krokodils. „Es hat mich schon immer gereizt, die Grund-Geschichten neu zu interpretieren. Was wäre wenn?“, so die Künstlerin, die „Das Urteil des Paris“ malt – mit Fußballern als Göttinnen und dem Schiri als Paris.

Leuchtende Pigmente für leuchtende Bilder

Leuchtende Pigmente für leuchtende Bilder.

Quelle: Buddeke

Zwei Jahre hat sie in Istanbul gelebt und auch dort gemalt. Manchmal so, wie man im Islam malen darf: von oben aus gesehen – wie Deckengemälde – aus der Perspektive Allahs. Und sie malt kritische Bilder. Verschleierte neben halbentblößten Sex-Ikonen als Kontrast: sind Kleiderordnungen nicht immer von Männern suggeriert, dominiert? Alexandra Weidmann malt mit kritischem Geist. Und bricht dabei eine Lanze für die Selbstbestimmung der Frauen.

Von Regine Buddeke

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