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Alexandra Weidmann öffnete ihr Atelier

Banzendorf Alexandra Weidmann öffnete ihr Atelier

Knallige Farben sind Alexandra Weidmanns Spezialität, Schönfärberei kann ihr trotzdem keiner unterstellen. Neben idyllischen Landschaften und knuffigen Tierporträts malt die Banzendorferin auch Menschen in ihrer Lebenswelt: bissige und scharfsichtige Bilder, die gesellschaftliche Normen und Konventionen infrage stellen. Insbesondere die Stellung der Frau.

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Männerwelten – aus weiblicher Sicht. Alexandra Weidmann beobachtet auch das dörfliche Leben sehr genau.

Quelle: Regine Buddeke

Banzendorf. Die Frauen backen den Kuchen. Auch Alexandra Weidmann hat zwei im Backofen – Rhabarber und Johannisbeere – um ihre Besucher beim Tag des offenen Ateliers zu bewirten. Aber es ist keineswegs so, dass sie sich damit klaglos in die Geschlechterrollen fügt. Ihre Bilder sprechen eine ganz andere Sprache als ihr Kuchen und ihre auf den ersten Blick eher schüchtern-sanfte Ausstrahlung – in ihren Bildern ist sie aufmüpfig, scharfsichtig, spitzzüngig. Und ihr Hang zu leuchtend bunten Farben – Fehlfarben hat sie dieses ihr Markenzeichen einmal genannt – unterstreicht das eher noch. Alexandra Weidmanns Bilder sind laut – und sie hat in ihnen etwas zu erzählen. Und die Gäste, die am Wochenende zum Tag des offenen Ateliers gekommen sind, wissen das entweder zu schätzen, weil sie die Künstlerin schon kennen – oder aber haben die Chance, in die Bildwelten der Banzendorferin einzutauchen.

Von Berlin nach Banzendorf gezogen

„Ich habe schon drei Bilder von ihr in meiner Wohnung – ich mag die Farbigkeit“, erzählt Ursula Kleinhans aus Berlin. Bei Bildern sei das nun mal so – „Entweder spricht es einen sofort an oder nicht.“ Jahr für Jahr besucht sie Alexandra Weidmann, die der hektischen Metropole bereits 1991 den Rücken gekehrt hat – in ihrer märkischen Wahlheimat-Idylle. Auch wenn ihre Wände schon weitgehend voll sind, wie sie sagt und zeigt ein Foto, wo sich zwei völlig konträre Bilder gegenüber hängen. Eines aus Weidmanns sogenannter Familienserie, deren Bilder allesamt mit sezierendem Blick die bestehenden Gesellschaftsstrukturen bloßstellen. Und eine Landschaft, ebenso leuchtendfarbig – aber Ruhe ausstrahlend. „Die Stimmung von Alexandras Landschaften treffen ganz wunderbar den Eindruck, den ich auch von dieser Landschaft habe“, schwärmt Ursula Kleinhans. Das dritte in ihrer kleinen Sammlung ist eine Blumenbild – quasi eine Rarität. „Ich male eigentlich sonst nie Blumenbilder“, sagt die Künstlerin, die selbst nie eine Kunstschule besucht hat.

Auch die Landschaften sind für sie eher eine Art Ausgleich zum aktuellen Politikgeschehen. „Da kam ein Galerist, der sich noch im vergangenen Jahr für meine knallharten Bilder interessiert hat. Der wollte dieses Jahr Landschaften“, sagt Weidmann. „Aber die erzählen ja nichts.“

„Das Leben, die Arbeit und der Tod“- ein kritischer Blick auf die Rolle der Frau

„Das Leben, die Arbeit und der Tod“- ein kritischer Blick auf die Rolle der Frau.

Quelle: Regine Buddeke

„Dieses Mal gibt es ja gar keine neuen Tierbilder“, sagt eine Atelierbesucherin. Alexandra Weidmann lächelt. „Die verkaufen sich zumeist nur auf Postkarten gut.“ Im Ausstellungsraum hat sie etliche davon vorrätig: sanftäugig-neugierige Kühe, vorwitzige Schweine, die fast aus dem Bild springen, niedliche Kängurus, die aussehen, als posierten sie fürs Bild. „Im 19. Jahrhundert gab es regelrechte Tiermaler – die haben sich gut verkauft“, sagt Alexandra Weidmann mit leisem Bedauern, dass das heute nicht mehr so ist. „Ich finde Ihre Kühe wunderbar“, sagt die Besucherin und schwärmt weiter: „Auch die Mischung ist toll. Man sieht die Landschaften und dann hängt da so ein Knochenbild dazwischen.“

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau

Das Knochenbild – hier geht es wieder um Weidmanns Herzensthema: die Stellung der Frau in der Gesellschaft. „Das Leben, die Arbeit und der Tod“ heißt ein Bild, das auf den ersten Blick nahezu schockiert, wie die Frauen da die Babys an die Wäscheleine hängen und Knochen auffegen. In Wahrheit zeigt es nur, wie viele Frauen leben – zwischen Wäsche, Kinder kriegen, Gartenarbeit und die Kranken zu pflegen bis in den Tod. Kurz: Haus und Hof sauberzuhalten. „Es gibt doch die Geschichte“, erklärt Weidmann die Idee hinterm Bild, „wo Odysseus gefragt wird: Was läuft zuerst auf vier, dann auf zwei, am Ende auf drei Beinen? Auf allen Bildern werden da immer nur Männer gezeigt. Ich wollte die weibliche Seite zeigen.“ Also das dahinter – das selbstverständlich ist und kaum einen interessiert. Nicht umsonst gibt es den Spruch: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Alexandra Weidmann liegen die Frauen am Herzen: die starken, und die unterdrückten.

Demnächst stellt sie in der Schweiz aus: ihre strickende Oma neben der rauchenden, schreibenden Schriftstellerin, drei Hausfrauen neben drei Nobelpreisträgerinnen. Und plaudernde Frauen im Café neben IS-Opfer Nadia Murad, die vor der UN spricht.

Von Regine Buddeke

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