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Alle zwei Wochen wird Platt gesnackt

Wittstock Alle zwei Wochen wird Platt gesnackt

Seit sechs Jahren treffen sich Freunde der Niederdeutschen Sprache schon am Stammtisch fürs Plattdeutsche in der Wittstocker Volkshochschule. Zweimal im Jahr findet dieser in Form eines Sprachkurses dort statt. Am Dienstagabend startete die erste Runde im neuen Semester und da ging’s gleich zur Sache. Der Kurs arbeitet nämlich an einer Fibel mit.

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Heidemarie Morling (r.) verwies auf die bereits existierende Fibel im uckermärkischen Platt .

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Heißt die Ente auf Plattdeutsch Prignitzer Mundart nun Aant oder Aent? Wird wohnen dann im Niederdeutschen mit zwei Os geschrieben und heißt es beim Possessivpronomen „meine“ nun miene oder mien? Beim ersten Stammtisch der Plattdeutschen nach der Sommerpause an der Volkshochschule in Wittstock rauchten am Dienstagabend die Köpfe. Der Stammtisch leistet aktuell seinen Beitrag für eine Grundschulfibel, die auf Platt im Auftrag des Landesvereins für Niederdeutsche Sprache in Brandenburg erscheinen soll.

„Die Uckermärker haben eine solche Fibel schon erstellt“, informierte Stammtischteilnehmerin Heidemarie Morling. Der Wittstocker Stammtisch habe nun die Aufgabe, vorhandene Texte im uckermärkischen Platt mit dem Platt, das in der Prignitz gesprochen wird, zu vergleichen und zu ergänzen. „Acht Lektionen sind das. Wir wollen bis Ende des Jahres damit fertig sein“, sagte Morling.

Gemütliche Runde bei Getränken und Gebäck

Gemütliche Runde bei Getränken und Gebäck: beim Plattdeutsch-Stammtisch frischen besonders ältere Leute ihre Kenntnisse auf – jüngere sind aber auch gern gesehen

Quelle: Christian Bark

Wertvolle Hinweise konnte am Dienstag Ruth Schurbaum aus Jabel geben. Die 84-Jährige ist noch mit Platt aufgewachsen. „In der Schule war es aber nicht gern gehört“, erklärte sie mit Blick auf die Nazi- und die darauffolgende Nachkriegszeit. Wegen der Geflüchteten aus den deutschen Ostgebieten und dem Einsatz neuer, mit dem Niederdeutschen nicht vertrauter Lehrer, sei die Sprache immer weniger gesprochen worden. Sie wolle das Niederdeutsche aber für ihre Enkel und Urenkel erhalten und vieles schriftlich festhalten, wie sie sagt. Zudem ist die 84-Jährige auch in Grundschulen unterwegs, um die Kinder mit der fremdgewordenen Heimatsprache vertraut zu machen.

Niederdeutsche treffen sich seit sechs Jahren


Seit 2011
gibt es den Stammtisch für die Freunde des Plattdeutschen an der Kreisvolkshochschule in Wittstock, Rheinsberger Straße 18. Er findet im Raum 110 statt.


sollen Muttersprachler, die ihr Plattdeutsch auffrischen oder weitergeben möchten. Aber auch altere und jüngere Leute mit Interesse an der Sprache sind willkommen.

14 Euro beträgt die Teilnahmegebühr . Die Kurse beginnen im Herbst/Spätsommer sowie im Frühling. Der aktuelle Kurs läuft von September bis Dezember 2017. Er findet alle zwei Wochen immer dienstags statt. Er beginnt um 18 Uhr und dauert 90 Minuten.

Weitere Informationen und Anmeldungen zu den Kursen der Volkshochschule sind hier möglich.

„Unser Vater hat aus dem Plattdeutschen eine Art Religion gemacht und baute damit eine Sprachbarriere gegenüber seinen Enkeln auf“, blickte Karl-Friedrich Ahrend zurück. Der in Laage bei Rostockgeborene ehemalige Chemiker lebt seit zehn Jahren in Wittstock. „Weil mein Sohn hergezogen ist“, begründete er. Der Sohn spreche aber auch kein Platt mehr, er könne es allenfalls noch verstehen.

Vokabelhänger

Vokabelhänger? Dafür gibt es kleine Hilfsmittel.

Quelle: Christian Bark

Verstehen und ein wenig sprechen kann Monika Hernicht noch die Sprache ihrer Großeltern. „Ich mag Mundarten“, sagte sie. Auf die Freunde des Niederdeutschen sei sie bei einer Veranstaltung in Alt Daber getroffen. „Das hat mir gefallen“, berichtete sie. Und so habe sie sich entschlossen, nun dem Stammtisch an der Volkshochschule beizutreten. Und ihre Vorstellung auf Platt kam bei den anderen Teilnehmern, die zum Teil schon seit sechs Jahren an Bord sind, wie Ingrid Meckelburg aus Berlinchen, gut an. Monika Hernicht erlebte beim Tüfteln am Fibeltext auch, dass die Teilnehmer nicht nur gefördert werden, sondern auch gefordert sind. Neben der Fibel waren sie nämlich schon an anderen Projekten beteiligt, wie einem kleinem kleinen Sprachführer für Pflegekräfte„Eine Hilfe im Pflegealltag“.

Wichtig ist im Kurs aber das Gesellige, wie Heidemarie Morling betont, das durch gemeinsames Singen oder Gedichteerzählen für alle Teilnehmer einen unterhaltsamen Abend bedeutet

Weitere Stammtische finden statt am: 26. September, 10. und 24. Oktober, 7. und 21. November sowie am 5. Dezember. Neue Kurse starten im März 2018.

Von Christian Bark

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