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Alles drängt zum Wasser hin

Heißer August freut die Bootsverleiher Alles drängt zum Wasser hin

An sonnigen Samstagen kann es gar nicht genug Paddelboote auf den Ruppiner Gewässern geben. Die Berliner rennen den Verleihern die Bude ein. Fahrten auf dem Rheinsberger Rhin werden dann zum Massentourismus. Wer gar eine schwimmende Freienwohnung haben will, sollte möglichst schon im Vorjahr buchen.

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Vom Autobahnstau in den Bootsstau: Schlange vor der Schleuse Wolfsbruch in Kleinzerlang.

Quelle: Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Naturidylle am Rheinsberger Rhin? Wer an einem sonnigen Feriensamstag nach Zippelsförde kommt, hat eher das Gefühl, am wichtigsten Passagierhafen Brandenburgs zu sein. Im Minutentakt legen rote Plastikboote an. Menschen steigen an Land, Helfer ziehen die Boote aus dem Wasser und laden sie hektisch auf große Anhänger – rollende Regale für Paddelboote. Die hängen an Minibussen, in denen schon Paddler auf die Rückfahrt nach Rheinsberg warten.

Paddeln scheint zum Nordic Walking des Wassers geworden zu sein. Alle tun es. Mit sanftem Tourismus hat das nicht immer zu tun. Viele Berliner verbringen zwei, drei Stunden auf der Autobahn für eine einstündige Paddel-Rundfahrt um Alt Ruppin, berichtet Christel Glaser von der Firma Rhinpaddel. Denen empfiehlt sie dann, wenigstens noch den Tierpark in Kunsterspring und die Eisdiele in Neuruppin zu besuchen, wenn sie schon mal da sind.

Gemütlich

Gemütlich: Eine Paddeltour durch die Kanäle.

Quelle: Geisler

Andere lassen sich – wenig ökologisch – ihr Gepäck mit dem Auto nach Stendenitz hinterherfahren. Und vor allem bei Einweg-Touren wie der Rhinabfahrt müssen Boote und Paddler mit dem Auto wieder an den Ausgangspunkt zurückgebracht werden. Die großen Bootsverleiher sind im Sommer bis in den späten Abend ständig mit ihren Bussen und Bootsanhängern zwischen Rheinsberg und Zippelsförde unterwegs.

Berger Tours aus Rheinsberg bieten mit 75 Paddelbooten ausschließlich Rhinabfahrten an. Auf der Bundeswasserstraße nördlich von Rheinsberg müsste sie für ihre Boote bezahlen, und das wolle sie nicht, sagt Doris Berger. Da der Rheinsberger Rhin erst ab dem 15. Juni befahren werden darf, ist die Saison für Berger Tours und ihren Mitbewerber Rheinsberger Adventure Tours kurz. Das Wetter war in diesem Jahr erst ab August richtig schön. Vorher hat der Sommer sich Zeit gelassen. „Der August war Bombe!“, freut sich der Lindower Hafenmeister Henri Barsewitz. Endlich fiel das heiße Wetter einmal mit den Ferien zusammen.

„Der August war super“, sagt auch Horst Rainer Maranke, der in Flecken Zechlin 20 Boote vermietet. Im Mai und Juni lief das Geschäft eher schleppend – zu kalt, zu regnerisch. Auch Frank Kuchenbecker vom Kanucamp Altfriesack hatte in diesem Jahr eher Flaute: „Von den Kanus allein könnte ich nicht leben.“ So wie Uwe Mischke in Rheinsberg. Der Gastwirt vermietet nebenher 30 Paddelboote. Für ihn ist das Bootsgeschäft seit zwei, drei Jahren sogar merklich zurückgegangen. Positiv formuliert: Wenn die Konkurrenz ausgebucht ist, dann hat er noch Boote für Kurzentschlossene.

„Wasserwandern gibt es nicht mehr so wie früher“, hat Jutta Knust beobachtet. „Mehrtagesfahrten sind selten geworden.“ Mit ihrer Firma „Rolf Bootvermietung“ ist die Alt Ruppinerin seit 1991 im Geschäft. Sie hat sich auf Kunden eingestellt, die spontan aufs Land fahren, sobald die Sonne scheint. Tretboote, Motorboote, Kajaks, Kanus, Ruderboote – irgendeines ihrer vielen Fahrzeuge ist immer frei. Nur samstags könnte es manchmal knapp werden.

Ein paar Meter weiter bei der Firma Rhinpaddel liegen in diesem Jahr 150 Kanus, Kajaks und ein Stehpaddel-Brett. Christel Glaser und ihr Mann Joachim haben vor neun Jahren mal mit acht Booten angefangen. Außerdem haben sie den Fahrradverleih der Neuruppiner Fahrgastschifffahrt übernommen und haben heute rund 150 Fahrräder im Angebot, verteilt auf Verleihstationen in Neuruppin, Rheinsberg, Lindow, Boltenmühle, Linum und Wustrau. Dadurch sind auch Einweg-Fahrten möglich: Man kann das Fahrrad in Neuruppin mieten und in Rheinsberg abgeben. Oder mit dem Rad von Neuruppin nach Stendenitz fahren, mit dem Paddelboot nach Boltenmühle und mit dem Dampfer zurück nach Neuruppin. „Triathlon für Genießer“, nennt sich das. Auch Tret- und Motorboote vermieten die Glasers in Neuruppin.

Von April bis Oktober boomt das Geschäft auf dem Wasser – doch das Geld muss fürs ganze Jahr reichen, auch um die Kredite abzuzahlen. „Im Sommer könnten wir noch mehr Boote haben“, sagt Christian Halbeck. Seine Firma Boat City vermietet Paddel- und Motorboote in Rheinsberg und in Neuruppin. Vor allem die führerscheinfreien Motorboote für sechs Personen mit 15 PS seien sehr gefragt, sagt Christian Halbeck. Die Gäste kämen immer spontaner, wenn die Sonne scheint. An schönen Tagen könnte Boat City weit mehr Boote vermieten – doch die Investitionen sind enorm. 30 000 Euro kostet ein kleines Motorboot. Das macht sich nicht in drei Wochen im Jahr bezahlt. Boote vermieten in Rheinsberg auch das Hafendorf und die Marina Wolfsbruch. Dazu kommen viele Vermieter von Hausbooten in Mecklenburg.

Auf den Ruppiner Gewässern, die von Rheinsberg aus nur mit Umweg über Fürstenberg und Oranienburg zu erreichen sind, dominieren die Bungalowboote aus Lindow und die Treibgut-Flöße aus Molchow das Geschäft mit schwimmenden Ferienwohnungen. Die Bunbos sind luxuriös ausgestattet mit Küche, Toilette, Dusche, Kaminofen, Wohnzimmer und richtigen Betten. Trotz des Preises von 595 bis 1345 Euro pro Woche sind die 18 Bungalowboote in Lindow zwischen März und Anfang November zu 90 Prozent ausgebucht. „Hervorragend“, nennt Tedy Bach die diesjährige Saison. Ein knappes Fünftel der schwimmenden Ferienwohnungen sei bereits fürs nächste Jahr reserviert.

Auch beim Floßverleih Treibgut in Molchow buchen die Gäste schon im Februar den Sommerurlaub. Wer jetzt schon weiß, wann er nächstes Jahr Geburtstag hat, sollte sein Party-Floß doch einfach heute buchen, rät Chris Schmitt von Treibgut. Von Mai bis September waren die sechs Flöße ununterbrochen unterwegs – die „Ragna“, „Runa“, „Suna“, „Kilma“, „Moreen“ und die „Scarba“. Ein siebentes Floß für Molchow könnte der Treibgut-Erfinder Ulrich Horstkott im Winter bauen. Die urigen Flöße für 95 bis 145  Euro am Tag bieten kaum Komfort, sind aber durchdacht konstruiert. Chris Schmitt öffnet eine Luke im Boden: „Das ist unser Weinkeller“, sagt er. Statt mit Strom kühlt das Fach im Boden mit Seewasser. Lebensmittel sollten also wasserdicht verpackt sein.

Von Christian Schmettow

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