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Ostprignitz-Ruppin Alles muss raus
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00:18 30.07.2016
Bis zur letzten Pfeife haben Harry Sander (Foto) und sein Kollegen Andreas Mähnert die Herzberger Orgel auseinandergenommen. Quelle: Peter Geisler
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Herzberg

Mit geübtem Griff dreht Harry Sander an den kleinen Muttern aus Leder. Mehr als 50 muss er lösen – für jede Orgeltaste eine. Die Ledermuttern verbinden die Tasten mit der Mechanik im Inneren der Orgel. Sie sind elementar, damit tatsächlich ein Ton erklingt, wenn der Organist die Taste im Gottesdienst oder beim Konzert herunterdrückt. Im Moment sind die Muttern aber im Weg.

Seit Stunden sind Harry Sander und sein Kollege Andreas Mähnert dabei, die Orgel der Herzberger Kirche auseinanderzunehmen. Die Orgelbauer aus Eberswalde haben das Instrument schon weitgehend zerlegt. Das hölzerne Gehäuse ist völlig leer. Nicht eine Pfeife ist mehr übrig. Sie lagern inzwischen alle in einem Regal neben der Orgel, sicher eingehüllt in dicke Woll­decken. Sander muss nur noch das Manual ausbauen, also die Tastatur, und das Pedal, dann ist die Arbeit weitgehend geschafft.

Die Mechanik im Inneren der Orgel besteht aus hunderten Einzelteilen aus Holz, Leder oder aus Metall. Hinzu kommt jede Menge Staub. Quelle: Peter Geisler

Fast 120 Jahre hat die Orgel der Herzberger Kirche schon hinter sich. 1899 hat der Orgelbaumeister Albert Hollenbach aus Neuruppin sie gebaut, 1900 wurde sie eingeweiht. Die Orgel hat nur ein Manual: klein aber fein. „Eine typische Dorforgel“, sagt Mähnert, was keinesfalls abwertend gemeint ist. Große Konzertinstrumente haben schon mal zwei, drei, vier Manuale oder mehr, aber so etwas braucht in Herzberg niemand. Aus sieben verschiedenen Registern kann der Organist seinen Klang auswählen, aus sieben Stimmen, die sich ganz nach Geschmack und Notwendigkeit kombinieren lassen. So kann die Orgel laut klingen oder ganz leise, wie eine Trompete oder eher wie sanfte Flöten.

Zuletzt waren in Herzberg aber vor allem zwei Dinge zu hören: ein nerviges, monotones Brummen und lautes Klappern. Die Orgel war kein Vergnügen mehr. Sie muss dringend überholt werden. Das sollen die beiden Fachleute der Eberswalder Orgelbauwerkstatt in den nächsten Wochen leisten.

Die Orgel wird auseinandergenommen, dann werden alle Teile gereinigt, kontrolliert, bei Bedarf gerichtet oder ersetzt, bevor alles wieder zusammengebaut wird. „Beim Gottesdienst am 11. September soll sie wieder erklingen“, hofft Pfarrer Ullrich Baller.

Kleine Muttern aus Leder verbinden die Tasten mit den anderen Teilen der Mechanik, die dafür sorgt dass bei einem Tastendruck Luft in die richtige Pfeife zischt. Quelle: Peter Geisler

Er ist froh, dass es jetzt endlich mit der Restaurierung klappt. „In den vergangenen Jahren haben wir schon viel für die Orgeln in den Orten rundherum getan“, sagt er. Acht Kirchen gehören zu seinem Pfarrsprengel. In vielen Dörfern konnten Orgelbauer schon helfen. Jetzt ist Herzberg dran, das Zentrum der Gemeinde mit zusammengezählt 760 Mitgliedern.

Rund 16 700 Euro sind für die Restaurierung der Herzberger Orgel eingeplant. Viele Jahre hat die Gemeinde dafür gesammelt, sagt Ullrich Baller – insgesamt etwa 6000 Euro. 5000 kommen vom Kulturministerium des Landes, 5700 Euro zahlt der Kirchenkreis Oberes Havelland dazu. Ziel ist es, die Orgel wieder so weit wie möglich in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.

Für Harry Sander und Andreas Mähnert ist das Instrument in Herzberg ein Glücksfall. Die Orgel hat noch nahezu alle Originalteile. Im Inneren fehlen ein knappes Dutzend Pfeifen – gut 380 sind noch vorhanden. Die fehlenden wird ein Pfeifenbauer nach historischen Vorlagen neu erschaffen. Ebenso die Prospektpfeifen – die Pfeifen, die Kirchenbesucher von außen sehen können, wenn sie zur Orgel aufblicken. Die Originale bestanden aus Zinn und wurden wie in vielen Orten 1917 für die Kriegsvorbereitung eingeschmolzen. Die Ersatzpfeifen aus einer Zinklegierung waren bei Weitem nicht so gut und werden jetzt auch ersetzt. Als Vorlage dienen originale Prospektpfeifen einer anderen Hollenbachorgel, die Sander und Mähnert vor einem Jahr restauriert hatten.

Nur das Gehäuse der Orgel lassen Andreas Mähnert und sein Kollege in Herzberg stehen. Quelle: Peter Geisler

Dass sich der Aufwand für die Orgel in Herzberg lohnt, steht für die beiden außer Frage. Etwa 60 Orgeln haben sie jährlich unter ihren Händen, überall in Deutschland. Sie wissen, welche Instrumente gut sind, welche nicht. Für die Orgelbaumeister aus Neuruppin haben sie nur lobende Worte: „Hollenbach hat handwerklich sehr gut gearbeitet“ sagt Andreas Mähnert. Selbst kleinste Holzteile wurden vor 117 Jahren sorgfältig mit Bleistift beschriftet, damit bei späteren Reparaturen jeder weiß, was wohin gehört. „Und auch klanglich sind die Orgeln gut“, sagt Sander. Wie gut, das können die Herzberger ab September wieder hören. Bis dahin herrscht in der Kirche noch Stille.

Von Reyk Grunow

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