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Als Chef mit dem Ohr an der Basis

Dreibrück Als Chef mit dem Ohr an der Basis

In der Behinderten-Werkstatt der Hoffnungstaler Werkstätten Dreibrück arbeiten derzeit 53 Leute. Geleitet wird die Einrichtung seit 2013 von Arne Breder. Er hat dort als Zivildienstleistender angefangen und sich bis zum Chef hoch gearbeitet. Der 38-Jährige kennt das Haus, die Mitarbeiter und die Bewohner. Dadurch hat er den Kontakt zur Basis.

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Ingo Hagendorff ist Mitarbeiter in den Hoffnungstaler Werkstätten in Dreibrück. Foto

Quelle: Peter Geisler

Dreibrück. Zeit zum Mittagessen – und alle lassen alles stehen und liegen und machen sich auf den Weg zum Speisesaal. „Wir legen Wert auf ein gemeinsames Essen wegen der Gemeinschaft“, sagt Arne Breder, Leiter der Hoffnungstaler Werkstätten in Dreibrück. Sie sind eine hundertprozentige Tochter der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, die ihren Sitz bei Bernau hat. Sie bietet über 850 Arbeitsplatzen für Menschen mit Behinderungen.

Wer arbeiten kann, arbeitet

53 sind derzeit in der Werkstatt in Dreibrück beschäftigt. Sie verpacken unter anderem Glückwunschkarten für eine Berliner Firma und montieren verschiedene Anschlussteile für elektrische Geräte wie Waschmaschinen. Seit 2010  ist die Werkstatt in einem neuen Haus untergebracht. 2017 soll es erweitert werden. Hell, freundlich und behindertengerecht sind die Arbeitsplätze. Seit 2011  ist Viola Müller für diesen Bereich zuständig und macht ihre Arbeit gern. „Sie ist abwechslungsreich. Es gibt mal Sonne und mal Schatten wie in jedem Beruf.“

Arbeit statt Almosen, das war das Anliegen des Gründers der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, Pastor Friedrich von Bodelschwingh. Das gilt auch für Dreibrück. Wer in der Lage ist, einer Beschäftigung nachzugehen, arbeitet. Wer noch nicht soweit ist, wird gefördert. Leben und Arbeiten auf einem Gelände, das ist Dreibrück. Von den 53 Beschäftigten in der Werkstatt wohnen die meisten auch dort. Sie können sich neben der Arbeit auch anderweitig beschäftigen. Es gibt einen Computerclub, eine sehr aktive Band und einen Theaterclub.

Vom Zivi zum Chef

Seit 2013 leitet Arne Breder die Werkstätten in Dreibrück. Angefangen hat er dort 1998 als Zivildienstleistender. „Ich habe mich von unten nach oben gearbeitet, angefangen bei der Betreuung aller Häuser. Das kommt mir noch heute zugute“, sagt der 38-Jährige. Er kennt die Einrichtung, die Mitarbeiter und Bewohner. „Ich denke, dass ich bei den Mitarbeitern, die ich seit Jahren kenne, Akzeptanz habe.“ Abgeschirmt in seinem Büro zu sitzen, ist nicht seine Sache. Er pflegt den Kontakt zur Basis, besucht regelmäßig die Werkstätten, hat ein Ohr für alle. Ihm ist zu verdanken, dass die Einrichtung nun einen Mercedes-Transporter hat. Der ist zu zwei Dritteln von der „Aktion Mensch“ gefördert. Von der Antragstellung bis zur Bewilligung hat es zwei Jahre gedauert. Nun steht das Prachtstück auf dem Hof und ist für Breder ein absoluter Zugewinn. Denn das Fahrzeug verfügt über eine Hubvorrichtung, mit der zwei Rollstühle hochgefahren werden können. Vier Leute leben in Dreibrück, die ständig auf den Rollstuhl angewiesen sind, mehrere brauchen einen Rollator, fühlen sich aber beispielsweise bei Einkaufstouren im Rollstuhl sicherer. Der Transporter verfügt außerdem über einen separaten Klima- und Heizungsbereich für das Heck. Ein enormer Fortschritt gegenüber dem bisherigen normalen Transporter. Bei der Besichtigung des Neuerwerbs kommt ein 53-jähriger Bewohner an und hofft auf eine kleine Spritztour. Joachim ist, wie Arne Breder sagt, absoluter Elvis-Fan, liebt aber auch die Puhdys und die Gruppe Karat. Wenn das Auto startet, will er mitfahren nach Nauen zur Disco. Doch diesmal bleibt das Fahrzeug stehen. Joachim zieht ab und Arne Breder geht zurück in sein Büro.

Von Dagmar Simons

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