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Ostprignitz-Ruppin Als China nach Rheinsberg kam
Lokales Ostprignitz-Ruppin Als China nach Rheinsberg kam
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02:16 10.01.2016
Werner Dumann vor dem Originalbild eines chinesischen Paares im Schloss. Quelle: Christian Schmettow
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Rheinsberg

Man kann eine Weltreise machen, ohne die eigene Wohnung zu verlassen – zumindest dann, wenn man Prinz von Preußen war und das entsprechende Kleingeld hatte. Italien im Erdgeschoss, russische Gobelins unterm Dach, Klassizismus im Südflügel und Asien auf der Nordseite. Kaum zu glauben, wie viel chinesische, japanische und koreanische Einflüsse im Rheinsberger Schloss stecken – neben französischen, griechischen, italienischen und russischen. Der Museumspädagoge und Schlossführer Werner Dumann (64) will nun den Blick der Besucher auf Fernöstliches lenken. Er hat den zehnten Band seiner lokalhistorischen Reihe den „Chinoiserien in Rheinsberg“ gewidmet.

Eine Schwäche für Dekoration aus Asien und Frankreich

Chinesen haben heute eher den Ruf, Ideen zu klauen und Dinge zu kopieren, die im Westen erfunden wurden. Dabei war es jahrhundertelang umgekehrt. Während Deutsche in Meißen die Porzellanherstellung abkupferten, folgten nicht nur preußische Prinzen bei der Gestaltung ihrer Schlösser dem Zeitgeschmack des Rokoko, der die Natur in den Mittelpunkt stellt, und koppelten diesen mit dem chinesischen Dekorationsstil. „Die Preußen fanden alles an Frankreich toll, sie fanden die Klassik toll, sie fanden Asien toll“, sagt Werner Dumann. „Sie waren neugierig auf neue Kulturen, auf Exotik, natürlich auch auf neue Handelswege.“ Diese führten vor allem über Holland nach Asien.

Was fremd war, musste man haben – „aber auf höherer geistiger Form als heute“. Dumann schätzt, dass sich im Rheinsberger Schloss etwa 20 Prozent chinesische Dekorationseinflüsse finden. Ausgeprägt sind sie in der Amalienwohnung. Hinter Glas – leider spiegelt es – sind originale chinesische Wandschirme aus schwerem, kräftigen Papier erhalten. Die Paravants sind mit mehreren Schichten roten Lacks überzogen. Darauf wurden Zeichnungen gesetzt und vergoldet, die das Leben in China beschreiben. Vergoldete Holzschnitzereien über den Spiegeln hingegen sind nicht aus Fernost importiert, sondern vom Künstler „asiatisiert“ worden.

Die alte chinesische Tapete im Südflügel des Schlosses. Quelle: Christian Schmettow

Bemerkenswert ist die alte chinesische Tapete im Südflügel (Sommerwohnung von Prinz Heinrich). Auf fast jede der sieben Tapetenbahnen sind 19 Vögel gezeichnet – eine Glückszahl in China. Die aufwändig restaurierte Tapete verträgt kein Tageslicht mehr. Werner Dumann würde die 132Vögel gern mal von einem Ornithologen bestimmen lassen. Gut möglich, dass es einige der Arten auf dem mehr als 250 Jahre alten Papier auch in China heute gar nicht mehr gibt.

Doch nicht nur im Schloss war Asien groß in Mode. Auch im Park und auf der Remusinsel im Rheinsberger See – außer Sichtweite des Schlosses – gab es einst chinesische Häuser, Tempel, Zelte, Gärten und Leuchtsäulen – bis Asien aus der Mode kam und der Klassizismus „in“ war. Den sieht man dann im Südflügel, dem „modernsten“ Teil des Schlosses.

Nicht nur in Preußen war Asiatisieren „chic“

„Köpernitz bey Rheinsberg Korrespondenz“ heißt der Kleinverlag, in dem Werner Dumann seine Beiträge zur Rheinsberger Geschichte veröffentlicht. In dem 28-seitigen Band zur Chinamode in Europa finden sich auch Verweise nach Sachsen, in den Wörlitzer Park, auf Schloß Nymphenburg und den englischen Garten in München. Das Asiatisieren war nicht nur in Preußen „chic“.

Durch den Überfall der Japaner auf Korea kam auch koreanische Töpferei nach Japan und mit den Schiffen holländischer Kaufleute nach Europa. Dort machte man freilich wenig Unterschiede zwischen Korea, Japan und China.

Im Rheinsberger Schloss wird derzeit an vielen Ecken gearbeitet. Besucher begegnen Gerüsten und Bauarbeitern. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten bereitet sich auf das 25-jährige Bestehen des Museums in ihrem Rheinsberger Schloss vor. Vom 1. Mai bis zum 31. Oktober ist dort eine Jubiläumsausstellung zu sehen. In 25 Kapiteln wird in den Räumen des Schlosses und im Garten gezeigt, was Restauratoren, Arbeiter und Architekten seit 1991 Enormes geleistet haben. Das betrifft auch asiatische Kleinode wie die chinesische Vogeltapete. Und manch ein Besucher, der schon öfter im Schloss gewesen ist, wird nach der Lektüre von Werner Dumanns Heft dann wohl ein weiteres Mal durch die Räume gehen und Dinge wahrnehmen, an denen er vorher vielleicht achtlos vorbeigelaufen ist.

Von Christian Schmettow

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