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Ostprignitz-Ruppin Als Nächstenliebe ein Verbrechen war
Lokales Ostprignitz-Ruppin Als Nächstenliebe ein Verbrechen war
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00:41 02.05.2018
Auf Bild- und Schrifttafeln sind die Schicksale und historischen Hintergründe anschaulich dokumentiert. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

Das Konzentrationslager Ravensbrück bei Fürstenberg/Havel war zwischen 1939 und 1945 ein Ort des Grauens für zehntausende Frauen und Kinder während der Zeit des Nationalsozialismus. Unter ihnen befanden sich auch zahlreiche Frauen mit christlichem Glauben. „Diese Frauen, ausgenommen die Zeugen Jehovas, waren nicht wegen ihrer Religion, sondern hauptsächlich weil sie Verfolgten geholfen oder Widerstand geleistet hatten, im Lager inhaftiert“, erklärte Sabine Arend von der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück am Mittwochabend in der Wittstocker Marienkirche.

Gleichgeschaltet: Adolf Hitler und Reichsbischof Ludwig Müller (Mitte). Die Kirche arrangierte sich mit den Nazis, wurde sogar von ihnen instrumentalisiert. Quelle: Christian Bark

Dort eröffnete die Kuratorin gemeinsam mit dem Superintendenten des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin, Matthias Puppe, die Ausstellung „Ravensbrück 1939-45. Christliche Frauen im Konzentrationslager“. „Wittstock ist der erste Ort, an dem die Wanderausstellung zu sehen ist“, erklärte Sabine Arend. Erstmals präsentiert worden sei sie zum Evangelischen Kirchentag im Sommer im Berliner Abgeordnetenhaus und danach in der Gedenkstätte. Sie sei von sieben kirchlichen Institutionen sowie dem Bundesjugendministerium finanziert worden. Der Fokus liegt Sabine Arend zufolge auf 20 Einzelschicksalen von Frauen, die in 13 ausführlichen und sieben Kurzbiografien nachzulesen seien.

Zeugen Jehovas wegen Religion verfolgt

In ihrem Eröffnungsvortrag stellte die Kuratorin einige der Frauen vor. Zum Beispiel die Niederländern Maatje de Jonge-van den Heuvel, die als Mitglied der Zeugen Jehovas oder wie die Religionsgemeinschaft damals hieß „Internationale Bibelforscher-Vereinigung“ zu Beginn der 1940er Jahre nach Ravensbrück kam. Weil sie die Trennung von ihrer kleinen Tochter nicht ausgehalten hatte, schwor sie im KZ ihrem Glauben ab. Dafür hatte es der Kuratorin zufolge vorgefertigte Verpflichtungserklärungen gegeben, aus der „Sekte“ auszutreten. Zurück in den Niederlanden sei sie dann aber wieder für die Zeugen aktiv gewesen.

Die Inhaftierten kamen aus allen Teilen Europas. Quelle: Christian Bark

Neben Frauen, die pazifistisch eingestellt waren und wie die Chemnitzerin Marie Pleißner heimlich jüdische Kinder unterrichtet hatten, waren auch Christinnen jüdischer Herkunft im Lager inhaftiert. Sabine Arend betonte in dem Zusammenhang, dass es neben Christen auch Juden und Muslime in Ravensbrück gegeben habe. Wobei es zumindest zwischen Juden und den christlichen Konfessionen eine Art Ökumene gegeben habe. Weil den Häftlingen nahezu alles Hab und Gut genommen worden sei, hätten sie vertraute Bibelverse zusammengeschrieben und gemeinsam gebetet. Der Religionskult sei aber nur schwer auszuleben gewesen, weil öffentliche Versammlungen nicht gestattet waren – so habe es oft heimliche Gebetsgruppen und Prozessionen gegeben. Marienbilder seien sogar aus Zahnbürstenstilen geschnitzt worden. Nachbildungen von Bibeln und anderen Hostien sind in der Ausstellung zu sehen. Sie wurden laut Kuratorin von einer Berliner Papierkünstlerin gefertigt.

Superintendent Matthias Puppe (l.) und Gerald Kannenberg waren begeistert von der Ausstellung. Quelle: Christian Bark

Dass die Ausstellung zunächst nach Wittstock kommt, ist auf Vermittlung durch die Architektin Bärbel Kannenberg und ihrem Mann Gerald zurückzuführen. Sie sind Mitglieder der Wittstocker Kirchgemeinde, durch ihre Bautätigkeiten in der Gedenkstätte Ravensbrück haben sie enge Verbindungen zu der Einrichtung, wie Bärbel Kannenberg berichtete. „Das gibt uns vielleicht Anregung, uns mit unser eigenen jüngsten Kirchengeschichte auseinander zu setzen“, sagte sie. St. Marien sei ein guter Platz für die Ausstellung, denn so untermale das Gotteshaus seine Rolle als Ort der Zusammenkunft und des Austauschs.

Sabine Arend erklärte die Schicksale der Frauen, die in Heften auf einem Tisch nachzulesen waren. Quelle: Christian Bark

Superintendent Matthias Puppe zeigte sich beeindruckt von den Geschichten die die Ausstellung erzählt. „Ich weiß nicht, ob ich angesichts dieses Leides nicht vom Glauben abgefallen wäre“, verwies er auf die vielen Frauen, die im Lager ihren Glauben an Gott verloren hätten. Andere seien wiederum in ihrem Glauben bestärkt worden oder erst mit Religion in Berührung gekommen. Der Superintendent unterstrich in seiner Eröffnungsrede, dass Christen sich nicht immer aus politischen Dingen heraushalten müssten – das gelte heute wie damals, als sich zahlreiche Christen mit dem Naziregime arrangiert hätten. Zugleich legte er die Ausstellung allen Interessierten, insbesondere Schulklassen ans Herz.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober täglich zwischen 10 und 16 Uhr in der Marienkirche zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Von Christian Bark

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