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Als Preußen hinter Fretzdorf aufhörte

Fretzdorf Als Preußen hinter Fretzdorf aufhörte

Über Jahrhunderte hinweg war Fretzdorf Grenzort zur Mecklenburgischen Exklave Rossow. Das hörte 1937 auf, als Rossow zu Preußen wechselte. Zollschranken gab es bereits vorher keine mehr. Heute erinnern nur noch wenige Überbleibsel an diese Zeit, als Waren beim Passieren der Dossebrücke nach Rossow noch verzollt werden mussten.

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Diese Fotografie von 1892 zeigt das alte Zollhaus mit Schlagbaum aus der Zeit, als Rossow noch Mecklenburgische Exklave war.

Quelle: Christian Bark

Fretzdorf. Ein Relikt aus der Zeit, als Fretzdorf noch Zollstation zum benachbarten und bis 1937 zu Mecklenburg gehörenden Rossow war, scheint heute nicht mehr zu existieren. Hatte der Wittstocker Historiker Wolfgang Dost im Zuge des MAZ-Beitrags vom 1. April 2017 zum 80. Jahrestag des Übergangs der Mecklenburgischen Exklave Rossow zu Preußen noch den Fretzdorfer Jugendklub als ehemaliges Zollhäuschen vermutet, erhielt er nun andere Informationen von einer MAZ-Leserin aus Fretzdorf.

Der Jugendclub ist nicht das alte Zollhaus, wie Wolfgang Dost nun weiß

Der Jugendclub ist nicht das alte Zollhaus, wie Wolfgang Dost nun weiß.

Quelle: Christian Bark

„Uta Feick hat mich angerufen und klargestellt, dass der Jugendklub nicht das Zollhäuschen war“, sagt Wolfgang Dost. Ein alter Plan von 1938 bestätige die Aussage der Fretzdorferin. Das Zollhaus habe in unmittelbarer Nähe der Dossebrücke nach Rossow gestanden. Ob dort nur Brückenzoll, wie das auch innerhalb eines Staatsgebietes üblich gewesen sei, oder tatsächlich Zoll für die Überfahrt nach Mecklenburg erhoben worden war, darüber lässt sich Wolfgang Dost zufolge heute nur noch spekulieren. „Spätestens 1867 herrschte ohnehin Zollfreiheit“, erklärt der Historiker. Womöglich habe das Haus schon 1811 seine Bedeutung verloren, als nahezu alle Zollstationen an die direkte Grenze zu Mecklenburg verlegt worden waren.

Als Zollgeld floss und Mühlen mahlten

Schon 1375 wird die Burg Fretzdorf mit Zoll- und Geleitstelle sowie Mühle erwähnt. 1599 ist in den Chroniken wieder die Rede von einer Zollstelle. 50 Jahre später wird erneut der Zoll auf der Brücke bei Fretzdorf erwähnt.

1686 ist eine Wassermühle im Ort registriert, 1801 wird eine Mahl- und Wassermühle an der Dosse erwähnt.

1821 unterschrieb die Familie Scherz einen Erbpachtvertrag für eine Mühle. Sie behielt die Gebäude bis 1953. Später wurde die Mühle von der LPG genutzt, heute steht sie leer.

Gleich nebenan, direkt an der Straße liegt nach wie vor der Jugendklub, der damals Teil einer Mühle war, die von 1821 bis 1953 einer Familie Scherz gehört hatte. Allerdings war das Häuschen nicht das von Wolfgang Dost vermutete „Mahlhaus“, sondern vielmehr ein Kontorhaus, wo es unter anderem Mehl zu kaufen gab, wie sich Uta Feick im MAZ-Gespräch erinnert. „Nachdem die Familie enteignet worden war, stand das Häuschen erstmal leer“, sagt Uta Feick. Dann sei ein Jugendklub eingezogen, der bis heute Bestand habe.

Der Plan von 1938 zeigt an der Dosse das alte Zollhaus

Der Plan von 1938 zeigt an der Dosse das alte Zollhaus.

Quelle: Christian Bark

„Eine Zolltafel war einige Zeit an dem Jugendklub angebracht“, erinnert sich Wolfgang Dost. Das sei irreführend gewesen und habe deshalb die Vermutung, bei dem Häuschen handle es sich um die Zollstation, nahegelegt. „Das zeigt, dass es durchaus Lücken zur Geschichte Fretzdorfs gibt“, sagt der Historiker. Deshalb sei er über Hinweise von Zeitzeugen immer wieder dankbar.

Doch was wurde nun aus dem alten Zollhaus? Es ist heute bewohnt, steht jedoch nicht mehr an seiner ursprünglichen Stelle. „Ich habe das Haus 1987 abreißen lassen müssen“, sagt Herrmann Gaschler, dem das Grundstück seit Mitte der 1980er Jahre gehört. Das Häuschen sei nicht mehr zu retten gewesen. Die Forst, die das Haus lange Zeit genutzt hatte, habe ihm das baufällige Gebäude mit Grundstück verkauft. „Die Lage an der Dosse war einfach verlockend.“, begründet Gaschler den Kauf, den er nie bereute. Nach dem Abriss habe er das Gebäude, etwas von der Straße zurückgesetzt, wieder aufgebaut. „Es hat aber noch fast die Maße wie der Vorgängerbau“, betont der Besitzer.

Von Christian Bark

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