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Ostprignitz-Ruppin Als aus Ronald Wendt „Breiter“ wurde
Lokales Ostprignitz-Ruppin Als aus Ronald Wendt „Breiter“ wurde
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13:46 13.03.2017
Ronald Wendt mit seinem autobiografischen Buch „Breiter“ vorm Schloss in Freyenstein. Quelle: Björn Wagener
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Freyenstein

Roland Wendt (71) hat jetzt seinen ersten Roman vorgelegt. „Breiter“ heißt das weitgehend autobiografische Werk des ehemaligen Freyensteiners, das seine Jugendjahre in dem Städtchen beleuchtet. Es spielt in einer Zeit zwischen zwei Diktaturen – der faschistischen und der sozialistischen. „Breiter“ ist Wendt selbst, der 1946 in diese Zeit hineingeboren wird. Er schaut jedoch aus einer über allem erhabenen Perspektive in den persönlichen Rückspiegel. Der Autor sprach mit der MAZ über sein Buchprojekt.

„Breiter“ ist ein weitgehend autobiografisches Werk. Warum war es für Sie wichtig, Ihre Jugend in einem Roman niederzuschreiben?

Das hängt mit meiner Entstehungsgeschichte zusammen. Ich bin ja eine ’Nachkriegsproduktion’, und zwar die eines Russen und einer Deutschen. Es war eine Liebesbeziehung zwischen beiden. Trotzdem habe ich als Kind darunter gelitten, weil ich deswegen öfter beleidigende Sprüche zu hören bekam. Das alles wollte ich einfach loswerden. Also habe ich meine Geschichte irgendwann zu Papier gebracht. „Breiter“ bin ich selbst, wählte aber nicht die Ich-Form, sondern die Perspektive eines Erzählers.

Wann begannen Sie mit dem Buch?

Schon vor vielen Jahren, habe es dann aber zunächst einmal weggelegt. Ich dachte mir, es ist schon so viel auf dem Markt, da muss dein Zeug nicht auch noch dazukommen. Dann aber fragte mich mein Sohn eines Tages, wann ich denn meinen ’Breiter’ endlich fertig machen wolle. Schließlich würden sich die Enkelinnen freuen, wenn sie einmal etwas von ihrem Großvater lesen könnten. Also machte ich mich vor rund zwei Jahren intensiv ans Werk.

Warum hat „Breiter“ keinen Vornamen und weshalb heißt ein Arzt in dem Buch ausgerechnet „Dr. Ungleichstück“?

Warum ich auf einen Vornamen verzichtet habe, kann ich gar nicht genau sagen. Ich wollte es einfach so. Ich hab’ lange darüber nachgedacht, welchen Namen ich wählen soll, bis ich dann über „Breit“ auf „Breiter“ kam. Dr. Ungleichstück ist eine Umdeutung des Namens eines Arztes, der in meiner Wahlheimat Seesen bis heute praktiziert. Er bereicherte das Buch mit seinen Erinnerungen, aber ich wollte ihn nicht direkt namentlich nennen.

Das Buch erschien im Eigenverlag. Fanden Sie keinen Verlag?

Nein. Ich habe 13 Verlage angeschrieben, bekam aber nur Absagen. Geärgert hat mich das nicht, weil ich damit gerechnet hatte. Also setzte ich es im Eigenverlag um und suchte mir eine Lektorin, die ich in Hannover fand. Ich würde nie etwas ohne Lektorat machen. Es soll ja ein vernünftiges Ergebnis dabei herauskommen. Trotzdem haben sich in dem vorliegenden Buch noch elf Fehler eingeschlichen. Sollte es eine weitere Auflage geben, so werden diese natürlich beseitigt.

Haben Sie in der Zeit des Schreibens Freyenstein besucht?

Nein. Die Geschichte ist in meinem Kopf abgespeichert.

Sie waren im Berufsleben Maurermeister. Wie kommt man da zum Schreiben?

Übers Erzählen. Ich bin ja hier im Schloss Freyenstein zur Schule gegangen. Da hab’ ich mich gern vor die Klasse gestellt und erfundene Geschichten erzählt, von Fischen oder Monstern. Dafür schlug mir Direktor Schmeil mit einem Tafel-Lineal auf den Kopf. Das geschah übrigens genau in diesem Raum, in dem wir hier sitzen (Anm. d. Red.: Nebenzimmer der Bibliothek im 2. Obergeschoss). Nach meiner Armeezeit lernte ich eine Bibliothekarin kennen. Sie kannte alle möglichen Schriftsteller, ich nicht. Das wollte ich natürlich aufholen. Dabei fing ich auch an zu schreiben, Kurzgeschichten und Gedichte.

„Breiter“ ist zwar erst Ende Februar erschienen, aber gibt es schon Resonanz?

Ja, und sie sind tatsächlich durchweg gut. Ich habe bisher 43 Exemplare verkauft.

Bekommt „Breiter“ also eine Fortsetzung?

Ja, die ersten gut 100 Seiten davon sind schon fertig. Der Titel steht noch nicht fest, aber auf jeden Fall wird es um meine Stasi-Akte gehen, die Akte 8041/76. Es beginnt damit, dass ein Volkspolizist seine Spitzel einnordet – gegen den Staatsfeind Wendt. Ursprünglich wollte ich das Ganze noch in das vorliegende Buch mit einbauen, aber meine Lektorin riet mir, eine eigene Geschichte daraus zu machen.

Eine Stasi-Akte wird tatsächlich zum Roman?

Genau. Ich war nie ein Staatsgegner. Aber es gab natürlich Dinge, die mir nicht gefallen haben. Weil ich das auch offen gesagt habe, hat man mich überwacht. Da ging zum Beispiel jemand mit mir einkaufen, ohne dass ich es mitbekam. In der Akte stand dann: ’Er trug Jesuslatschen, Ringelsocken, eine braune Hose, einen quer gestreiften Pullover und hat eingekauft: zwei Pilsener, zwei Stück Butter, dann zum Fleischer, soundsoviel Wurst – und hat 686 Schritte gebraucht, um wieder nach Hause zu kommen.’ Das ist doch nicht normal. Meine Akte füllte am Ende zwei große Ordner.

Haben Sie nach der Wende Kontakt zu den Spitzeln aufgenommen?

Ja, einen rief ich an, wollte ihn auch besuchen, um darüber zu reden, aber dazu kam es nie. Auch meinen ehemaligen Brigadeleiter rief ich an. Der entschuldigte sich: Das sei früher nun mal so gewesen, und er habe es doch nicht so gemeint.

Sie sind 1988 in den Westen ausgereist. Gab es einen konkreten Grund?

Der Grund war: Mein Schwiegervater starb, und meine Frau wollte zur Beerdigung nach Westberlin. Obwohl unsere beiden Söhne und ich in Ostberlin geblieben wären, durfte sie nicht fahren. Da hatte ich die Schnauze voll. Zweieinhalb Jahre hat es gedauert, bis ich ausreisen durfte.

Autor Ronald Wendt

Ronald Wendt (Jahrgang 1946) lebte bis zu seinem 18. Lebensjahr in Freyenstein. Nach seiner Armeezeit kam er noch einmal kurz dorthin zurück, ging dann aber nach Ostberlin und reiste 1988 mit seiner Familie nach Gießen aus, um ein knappes Jahr danach nach West-Berlin zu ziehen. Nach Seesen (Niedersachsen) zog die Familie wenig später, weil sie dort eine Gaststätte kaufte und zeitweise betrieb. Heute ist Ronald Wendt Rentner und außer Buchautor nebenbei noch Bauleiter und Hausmeister.

Mit seinem ersten Roman „Breiter“ wird Ronald Wendt auf der Leipziger Buchmesse präsent sein, die vom 23. bis 26. März stattfindet.

Die Freyensteiner konnten in der vergangenen Woche im Schloss bereits eine Lesung mit dem Autor erleben.

Exemplare von „Breiter“ sind zum Preis von je 17,50 Euro erhältlich bei Ronald Wendt, Neustädter Straße 1, in 38723 Seesen oder unter E-Mail: ronald.wendt@t-online.de. Der Autor will sein Buch künftig eventuell auch über die Buchhandlung in Wittstock anbieten.

Von Björn Wagener

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