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Als das Dosse-Dorf noch „steinreich“ war

Hohenofen Als das Dosse-Dorf noch „steinreich“ war

1836 wurde in Hohenofen auf einem Gelände an der Dosse die Papierfabrik gegründet. Sie ist dank eines Jazz-Konzertes an diesem Wochenende in aller Munde, gewiss auch bundesweit angesichts der Akteure dort. Doch die wenigsten wissen heute, was sich einst auf diesem Areal vor der Werksgründung abspielte. Eine Spurensuche.

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Bodendenkmalpfleger Manfred Teske mit einem großen Raseneisenstein.

Quelle: Matthias Anke

Hohenofen. Wenn für diesen Sonntag Deutschlandfunk und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zusammen mit dem Förderverein Patent-Papierfabrik zu einem hochkarätigen Benefiz-Jazzkonzert auf das ruinöse Industriegelände an die Dosse einladen, dann wird diesem europaweit einzigartigen, aber eben noch zu rettenden Denkmal einmal mehr bundesweite Aufmerksamkeit zuteil. Diese Papierfabrik an der Dosse in dem Dörfchen Hohenofen – alles lässt sich längst in einem Atemzug erwähnen. Dabei gab es einst viel Wichtigeres für diese Siedlung, mit dem dort einst alles überhaupt erst anfing: Raseneisenstein in Hülle und Fülle.

Wer sich heute aber auf Spurensuche begibt, wird nur noch mit etwas Glück fündig, denn der Rohstoffvorrat war damals schnell abgetragen. Es gab – und gibt – ihn aber auch in der weiteren Region noch, ja in ganz Brandenburg. Und einer, der einen Brocken erst kürzlich ausbuddeln konnte, weil dieser einem Landwirt beim Pflügen unterkam, ist Bodendenkmalpfleger Manfred Teske aus Wusterhausen. Jahrelang war er in der Melioration tätig, be- und entwässerte Boden zugunsten der Landwirtschaft. „Wir haben damals so viel Erdreich angepackt und umgegraben, aber Raseneisensteine haben da nie eine Rolle gespielt“, erinnert sich Teske. Denn es gibt sie eben nur an manchen Stellen und dann aber mitunter in so hoher Konzentration, dass schon die Germanen vor 2000 Jahren etwas damit anzufangen wussten.

Vor Hohenofen gab es schon längst die Siedlung Vierhütten

In Hohenofen, wo der Rohstoff weitestgehend verschwunden ist, verweist noch heute das Straßenschild „Vierhütten“ auf die Zeit und die einst gleichnamige Siedlung, bevor dort „Hohenofen“ entstand und das Raseneisengestein schon abgebaut wurde. Klar ist, dass auf diesen Ort ein Rittmeister beziehungsweise Gutsinspektor namens Liborius Eck Anfang der 1660er Jahre stieß. Anhand von vier großen Schlackenbergen erkannte er, dass dort einst Eisen gewonnen wurde. „Seit wann genau, war ihm damals nicht bekannt und ist es auch unserer Generation bis heute nicht“, sagt Manfred Teske. Der Rohstoff war aber noch so ausreichend in der Umgebung vorhanden, dass Prinz Friedrich von Hessen-Homburg, der erst 1662 das Amt Neustadt erworben hatte, ein Eisenwerk errichten ließ. Ausgeschmolzen wurde es seither in einem Hochofen, einem stabileren Bauwerk gegenüber dem Verfahren in den Jahrhunderten zuvor.

Auf Vierhütten weist heute nur noch ein Straßenschild hin

Auf Vierhütten weist heute nur noch ein Straßenschild hin.

Quelle: Mathias Anke

Eben auch zu der Zeit von Vierhütten geschah dies noch in sogenannten Rennöfen: Über einer Bodengrube wurde Lehm um ein Rutengeflecht herum turmartig und zylinderförmig aufgeschichtet. Über Holz wurde der mit Luftöffnungen versehene Schacht dann mit einem Gemisch aus Holzkohle und zerpochtem, sprich zerkleinertem Gestein beschickt und angefeuert. Am Ende wurde der Lehmturm zerschlagen und die Eisenluppe, die „Ofensau“, zur weiteren Bearbeitung geborgen.

Ein Rennofen wird angefeuert, die „Ofensau“ am Ende unten herausgeholt

Ein Rennofen wird angefeuert, die „Ofensau“ am Ende unten herausgeholt.

Quelle: Maz-Archiv

In dem späteren Hochofen aber ließ sich ungleich mehr Eisen produzieren. Das Gestein wurde dazu in der Region im Tagebau abgetragen. Es hatte sich seit der Eiszeit vor gut 10 000 Jahren unmittelbar unterhalb der Vegetationsschicht gebildet. Ein komplexer chemischer Prozess ermöglichte dies dort, wo Böden direkt vom Grundwasser beeinflusst wurden wie Moore und Sümpfe. Zum Betrieb der Gebläse und des Pochwerkes wurde Wasserkraft der Dosse genutzt, die dazu als Kanal von Neustadt aus angelegt wurde und heute ihr Hauptlauf ist. Nach einem Jahrzehnt war das Raseneisenvorkommen erschöpft.

In anderen Gegenden Brandenburgs indes ging es weiter. Manche verfügten gar über so viel Gestein, dass Bauwerke daraus errichtet wurden. Berühmtestes Beispiel ist die Muschelgrotte im Potsdamer Neuen Garten. Zu ihrer Rekonstruktion wurden Steine aus dem Prignitzdorf Grube verwendet.

Mangels Rohstoff wurde die Eisenhütte Hohenofen nach 1700 in ein Seiger-Hüttenwerk umgewandelt zur sogenannten Silber-Kupfer-Scheidung. Die Kupfererze und Brennstoffe wurden auf dem Wasserweg von Sachsen und Sachsen-Anhalt aus nach Hohenofen transportiert – bis auch dies unrentabel und das Werk stillgelegt wurde. Einige Jahre später begann die neue Epoche: 1836 wurde an derselben Stelle die Papierfabrik gegründet.

Von Matthias Anke

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