Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Als das KZ plötzlich auf der Flucht war
Lokales Ostprignitz-Ruppin Als das KZ plötzlich auf der Flucht war
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:20 15.11.2017
Im Frühjahr 1945 wurde das KZ Sachsenhausen geräumt. Für viele Häftlinge begann ein Todesmarsch. Quelle: Holding of the Still Picture Branch
Below

Bei den Todesmärschen, die nach der Räumung des Konzentrationslagers Sachsenhausen bei Oranienburg auch über den Belower Wald führten, kamen im Frühjahr 1945 tausende Häftlinge ums Leben. Entweder starben sie vor Erschöpfung oder wurden von ihren Bewachern „auf der Flucht“ erschossen. „Wobei schon die kleinste Bewegung außerhalb der Marschkolonne als Fluchtversuch interpretiert werden konnte“, erklärte Janine Fubel am Dienstagabend in der Gedenkstätte im Belower Wald. Die Berliner Kulturwissenschaftlerin beschäftigt sich in ihrer Doktorarbeit mit den Tätern, die im KZ und auf den Todesmärschen schier ungehindert morden, schlagen und ihre Opfer demütigen konnten.

Janine Fubel widmete sich in ihrem Vortrag vor allem den Tätern von damals. Quelle: Christian Bark

In ihrem Vortrag „Das flüchtende KZ – Personal und Praktiken der Räumungen frontnaher Konzentrationslager am Beispiel des KZ Sachsenhausen 1945“ machte sie deutlich, dass es sich bei den Bewachern keineswegs ausschließlich um Angehörige der SS oder gar glühende Nazis handeln musste. Während sich der Führungsstab der SS bereits frühzeitig nach dem Räumungsbefehl des Lagers absetzte – Kommandant Anton Kaindl floh beispielsweise nach Flensburg – verharrten die Wachmannschaften teilweise bis zur letzten Minute bei den Häftlingen.

Das Publikum konnte im Anschluss Fragen stellen. Quelle: Christian Bark

Für ihre Recherchen über diese Tätergruppe war Janine Fubel unter anderem nach Moskau gereist, bisher habe sie 630 Personalakten durchgeschaut. „Darunter befanden sich 380 ehemalige Wehrmachtsangehörige“, informierte sie. In der Tat seien besonders zum Ende des Krieges Armeereservisten, Kriegsversehrte, Rüstungsarbeiter aber auch Eisenbahner für die Wachtätigkeit im KZ herangezogen wurden – oft freiwillig. „So konnten sie sich der Einberufung zum Militär oder Volkssturm entziehen“, erklärte die Doktorandin. Selbst fremde Völker wie Ukrainer oder Kroaten hätten als „Hilfswillige“ gedient, aber nicht direkt der SS angehört. Teilweise seien auch „zuverlässige“ Häftlinge Bewacher gewesen, sie hätten aber keine Waffen erhalten.

Wenngleich sich einige Bewacher geweigert hätten, Häftlinge zu erschießen – laut Gedenkstättenleiterin Carmen Lange sei das bei Hamburger Polizisten so gewesen – habe die „Gemeinschaft der Grausamkeit“ bis zuletzt funktioniert, stellte Janine Fubel fest. Gerade die unteren Ränge seien mit äußerster Brutalität vorgegangen. „Die Wachmannschaften hatten großen Einfluss auf das Leben der Häftlinge, oft nicht zu deren Gunsten“, sagte sie.

Die Wissenschaftlerin will weiter zum Thema forschen, wie sie ankündigte. Auch in der Region, in Unterlagen der Gauleitung.

Von Christian Bark

Das Kloster Stift zum Heiligengrabe bewegt sich an der Schnittstelle zwischen geistlichem und weltlichem Leben. In der mehr als 725 Jahre alten Klosterstätte läuft in der dunklen Jahreszeit ein neues Kulturformat. Unter dem Titel „Wenn Gott ins Kino geht“ stand am Dienstag der dritte Filmabend im Programm. Schon jetzt steht die Fortsetzung der Reihe im kommenden Jahr fest.

15.11.2017

Bei Arbeiten für einen Kabelgraben ist am Dienstag in Linum bei Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin) eine 82-Millimeter große Wurfgranate gefunden worden. Weil laut Munitionsexperten ein Transport der Granate zu gefährlich ist, sollte sie noch am Mittwoch auf einem benachbarten Feld gesprengt werden. Nach Munition suchen Experten derzeit auch bei Neuruppin.

18.11.2017

Die Photovoltaikanlage, die ein Investor am Bahndamm bei Metzelthin errichten möchte, wird zumindest vorerst nicht gebaut. Auch für ein weiteres Sonnenstromprojekt entlang der Bahnlinie am Plänitzer Weg, das ein anderes Unternehmen umsetzen möchte, gab es im Wusterhausener Bauausschuss keine Mehrheit.

18.11.2017