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Ostprignitz-Ruppin Alte Bäckerei lebt in Ausstellung weiter
Lokales Ostprignitz-Ruppin Alte Bäckerei lebt in Ausstellung weiter
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00:16 06.06.2017
Sylvia Mindach rettet mit der Ausstellung die Bäckerei Porep in Blumenthal vor dem Vergessen. Quelle: Christamaria Ruch
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Blumenthal

Zwei alte Meisterbriefe von 1930 und 1955 hängen im Originalrahmen an der Wand. Die Handschrift auf diesen Urkunden verläuft ebenmäßig, die Buchstaben exakt und geschwungen. Dahinter verbirgt sich das Wirken von zwei Bäckergenerationen in Blumenthal.

„Die Meisterbriefe sind mir besonders ans Herz gewachsen“, sagt Sylvia Mindach. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Christian Frey wohnt sie seit mehr als fünf Jahren in der ehemaligen Bäckerei Porep. Sie betreiben dort die „Oase der Erfrischung.“ Die Meisterbriefe gehören nun zu einer kleinen aber feinen Ausstellung über die Geschichte des Hauses und werden an Ort und Stelle gezeigt.

Tafellieder zur Hochzeit 1949 von Lore und Willi Porep. Quelle: Christamaria Ruch

Sylvia Mindach und Christian Frey übernahmen neben Haus und Grundstück auch all die Dokumente und Utensilien aus dem Leben der Vorbesitzer. Noch immer heben die neuen Eigentümer Schätze aus dem Leben der Anderen. 1991 schlossen sich die Türen in der Bäckerei Porep. Zum einen, weil „nach der Wende die Konkurrenz durch die Discounter zu groß war“, so der 52-jährige Christian Frey. Zum anderen war Willi Porep damals bereits 69 Jahre alt. Er starb im Februar 1995, seine Frau Lore im April 2005. Einer der beiden Söhne ist gelernter Bäcker, wollte aber die Backstube nicht übernehmen. Tochter Margrit stand bei der Bäckerei im Laden und verkaufte die frischen Waren. Als sich dort die Türen schlossen, eröffnete sie auf dem Hof ein eigenes Geschäft. In der umgebauten Garage bot sie bis 2005 Obst, Gemüse und andere Konsumprodukte an.

95 Jahre alt: Vom Brautpaar Anni und Wilhelm Porep sind noch Schleier, Kranz und Handschuhe erhalten. Quelle: Christamaria Ruch

Erst kürzlich entdeckte die 53-jährige Sylvia Mindach auf dem Dachboden einen unscheinbaren Pappkarton. Unter dem Deckel verbargen sich wahre Schätze: Ein Brautschleier, Spitzen- und weiße Handschuhe sowie der Brautkranz. Auch wenn eine dünne Staubschicht über all den Hochzeitsutensilien liegt, ist alles gut erhalten. Immerhin sind diese Schätze gut 95 Jahre alt. Um 1922 wurde vermutlich der Bund der Ehe zwischen Anni Röwe und Wilhelm Porep geschlossen. Denn ihr Sohn erblickte Ende Dezember 1923 das Licht der Welt.

Sylvia Mindach ist froh, dass sie sich auf ihr Bauchgefühl verlassen hat: „Ich hatte überlegt, was ich damit mache, aber zum Wegwerfen war mir das alles zu schade.“ Ende vergangenen Jahres setzte sie die historischen Zeitzeugnisse im Partyraum in Szene. Dort befand sich das ehemalige Geschäft von Margrit Porep. Beim Arrangieren bewies Sylvia Mindach ein sicheres Gespür, wie der Blick in die Ausstellung zeigt. Neben dem Eingang hängen die Meisterbriefe von Vater Wilhelm und Sohn Willi Porep. Daneben sind Nudelhölzer drapiert. Das mit den Holzwurmspuren ordnete Sylvia Mindach dem Senior in der Bäckerei zu und das besser erhaltene Nudelholz befindet sich beim Junior Porep. Mehrere alte und sepiafarbene Fotografien bilden sozusagen die Brücke zwischen beiden Generationen. Das Hochzeitsbild von Anni und Wilhelm Porep, ihre große Hochzeitsgesellschaft und andere Aufnahmen gehören dazu. Auch das Blatt mit den Tafelliedern zur Hochzeit von Lore und Willi Porep im November 1949 hängt hinter Glas.

Meisterbriefe, Fotografien und Backzubehör sind liebevoll in Szene gesetzt. Quelle: Christamaria Ruch

„Gerade erst war eine Feier hier gewesen und eine Frau erkannte sich als Blumenmädchen auf dem Hochzeitsbild von 1949 wieder“, sagt Sylvia Mindach. Diese und andere Begebenheiten fügen sich schrittweise wie bei einem Puzzle zusammen.

Wer die Ausstellung abschreitet, entdeckt immer mehr Details aus einer vergangenen Zeit. Selbst das Firmenschild ist ausgestellt. Unter dem Schriftzug „Bäckerei und Konditorei Willi Porep“ lugt noch der Name seines Vaters Wilhelm hervor. „Das hatte er nur schlecht übermalt“, so Mindach. Der Sonnenschirm mit seinem filigranen Muster in schwarzweiß, das Holztablett mit Gebrauchsspuren, das Nachthemd mit Spitzennaht oder auch der Eiskübel mit seinem leicht angerosteten Henkel. „Willi Porep fuhr mit selbst gemachtem Eis im B 1000 übers Land“ sagt Christian Frey. Auch zwei kreisrunde Holzplatten mit dünnen Metallstäben sind ausgestellt. „Wir haben schon Ratespiele mit Besuchern gemacht und wollten wissen, was das ist“, verrät Christian Frey. Und klärt auf: „Dort wurden die Dominosteine aufgespießt, in Schokoladenglasur getaucht und so konnten sie trocknen. „Wir haben noch so viele Dinge, das reicht für weitere Ausstellungen“, sagt Sylvia Mindach.

Von Christamaria Ruch

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