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Ostprignitz-Ruppin Altersgrenze bei der Feuerwehr könnte fallen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Altersgrenze bei der Feuerwehr könnte fallen
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02:15 22.09.2017
Im Ernstfall braucht die Feuerwehr jeden Mann. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Zu unfit für die Feuerwehr? Natürlich komme das vor, gibt Jan-Pieter Rau zu. Dass allerdings eine starre Regel das Aus für einen Brandschützer im aktiven Dienst bedeuten soll, nur weil er ein bestimmtes Alter erreicht hat, hält der Rheinsberger Bürgermeister für grundlegend falsch.

Bislang gilt, dass ein Feuerwehrmitglied automatisch nicht mehr an Einsätzen teilnehmen darf, wenn er älter als 65 Jahre ist. „Wir haben Kameraden, die weinend in die Alters- und Ehrenabteilung gehen“, berichtet Rau. Auch die Kommune lässt ihre Leute ungern ziehen, wenn Sie noch rüstig genug für den Dienst sind. Denn gerade erfahrene Leute, die über teure und wichtige Zusatzausbildungen verfügen, fehlen dann in den Reihen der Brandschützer – und zwar nicht nur in Rheinsberg, weiß Rau. „Dass allein der Geburtstag entscheidet, ist nicht richtig.“

Stattdessen sollten Fachleute bei einem Gesundheitscheck, der ohnehin bei den Feuerwehrleuten durchgeführt wird, beurteilen, ob jemand noch die Drehleiter bedienen darf, auch wenn er 66 Jahre oder älter ist. „Wer nicht mehr in der Lage ist, Dienst zu tun, wird jetzt schon mit 50 Jahren in die Alters- und Ehrenabteilung versetzt“, stellt Rau fest. „Die Altersgrenze ist ein echtes Problem für uns. Das Land Brandenburg wäre gut beraten, wenn es die Altersgrenze streichen würde.“ Wenn nichts passiert, wird Rheinsberg allein in den nächsten fünf Jahren 17 Feuerwehrleute verlieren.

Auch der Landesfeuerwehrverband fordert, dass die Regel zumindest aufgeweicht wird. „Man darf ja jetzt sonst auch bis mindestens 67 arbeiten – warum soll das nicht für die Feuerwehrleute gelten?“, fragt Uwe Schulze. „Mindestens.“ Denn eigentlich will der Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbands Brandenburg, dass die Altersgrenze nicht nur aufgeweicht, sondern ganz abgeschafft wird. „Wenn an dieser Stelle nichts passiert, könnte es sein, dass wir irgendwann nicht mehr flächendeckenden Brandschutz bieten können.“

Schulze weiß, wie groß die Not in vielen Einheiten ist, genügend Leute vor Ort zu haben, die im Notfall zum Einsatz ausrücken. Denn er ist auch direkter Ansprechpartner unter anderem für die Kreisfeuerwehrverbände Prignitz und Ostprignitz-Ruppin und seit 2003 Präsidiumsmitglied im Verband. „Gerade in den dünn besiedelten Gebieten mit ihren langen Anfahrtswegen schlägt das demografische Problem voll zu“, sagt er. „Da würde es sehr helfen, wenn man die Altersregelung kippt.“ Auch weil viele der älteren Semester in Rente und deshalb oft zu Hause sind: So könnten sie schon am Gerätehaus stehen und alles vorbereiten, wenn ihre außerhalb arbeitenden Kollegen noch dorthin unterwegs sind.

Schulze ist zuversichtlich, dass an diesem Punkt bald etwas passieren wird. Denn das Land ist gerade dabei, das Brand- und Katastrophenschutzgesetz, in dem die Altersgrenze seit 2004 zementiert ist, neu aufzulegen. Welche Forderungen der Landesfeuerwehrverband bei Diskussionen mit dem Land über die Änderungen im Gesetz stellen sollte, das hat er in insgesamt fünf Regionalkonferenzen ausgelotet. In Neuruppin nahmen an diesem Treffen im Frühjahr mehr als 80 Brandschützer und Vertreter der für den Brandschutz verantwortlichen Kommunen aus Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel, Havelland und Potsdam teil (die MAZ berichtete). Eine der Hauptforderungen, die sich bei diesen Terminen vor Ort herauskristallisierte, war laut Schulze der Wegfall der Altersobergrenze. Diese Forderung habe der Verband bei einer Klausur im Sommer mit Nachdruck an das Land weitergegeben. „Wir hatten das Gefühl, die Botschaft ist angekommen.“ Nur: Ob und wie Potsdam die Idee tatsächlich in Gesetz ummünzt, das sei noch nicht bekannt.

Auch das Innenministerium hält sich bedeckt. Es erarbeite zwar gerade ein neues Konzept für die Feuerwehren, das sich auch mit Fragen der Nachwuchsgewinnung und der Altersgrenzen beschäftigt. Über Details, ob und was verändert wird, sei aber noch nicht entschieden, so der stellvertretende Pressesprecher Lothar Wiegand. Bis Jahresende soll laut Ministerium das neue Regelwerk vorliegen. Wann das Gesetz Gesetz wird, ist noch offen.

Von Celina Aniol

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