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Ostprignitz-Ruppin Altes Bäckerhandwerk stirbt aus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Altes Bäckerhandwerk stirbt aus
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00:00 13.12.2017
René Kügow in seiner Backstube. Dort wirbelt er ab Mitternacht, damit die Kunden morgens alles frisch bekommen. Quelle: Peter Geisler
Banzendorf

Wer will fleißige Bäcker sehen? Der muss nach Banzendorf zu René Kügow gehen. Er backt täglich frisch, so, wie es schon seine Vorfahren taten. Ein süßer, köstlicher Duft steigt in die Nase, sobald sich die Tür zum Ladengeschäft öffnet. Der Meister steht im T-Shirt in der Backstube, schließlich ist es hier drinnen warm genug. Mit dem Holzschieber holt René Kügow nach und nach vier Bleche mit Weihnachtsstollen aus dem Ofen. „Das Rezept ist von Vatern“, sagt er und schmunzelt. In einem Regal kühlen bereits verschiedene Bleche mit Schwarz-Weiß-Keksen ab, die das ganze Jahr über gefragt sind. „Rund zehn Kilo verkaufen wir davon“, erzählt Bäckermeister Kügow und schaut kurz nach den Tortenböden, die im Ofen sind. „Sie brauchen noch.“ Vier Tage vorher müssen Kunden Torten vorbestellen, anfertigen würde er jedoch jeden Wunsch, versichert der 45-Jährige.

Der gebürtige Banzendorfer gehört als gelernter Bäckermeister schon fast zu einer Minderheit. „Klassische Bäckereien , die wirklich frisch backen, verschwinden zunehmend mehr“, sagt Gunhild Brandenburg. Die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Ostprignitz-Ruppin blickt der Entwicklung mit Besorgnis entgegen: „Insbesondere nach der Wende ist die Zahl extrem gesunken. Gab es 1991 noch 40 klassische Bäckereibetriebe im Landkreis, waren es 2001 nur noch die Hälfe. Aktuell sind lediglich 14 in der Handwerksrolle eingetragen.“

Konkurrenz Großbäckereien

Ursache für diesem Trend sind zum großen Teil Bäckereiketten, die das Ruder übernommen haben. Ihre Filialen, in denen nur noch aufgebacken und verkauft wird, sprießen wie Pilze aus den Boden und verdrängen die klassischen Handwerksbäcker. Heutige Großbäckereien stellen Brot, Brötchen und andere Backwaren in Massenproduktion her und drücken so die Preise. Ein normales Brötchen ist im Schnitt für 15 Cent beim Discounter zu haben. Bei Bäcker Kügow geht es für 23 Cent über die Ladentheke. Geschmacklich kommt Industrieware jedoch nicht an Selbstgemachtes heran, findet der Meister.

Mit seinem Standort in Banzendorf ist René Kügow weit und breit der einzige Bäcker. „Der nächste ist erst in Schulzendorf bei Gransee“, sagt Mutter Eveline. Oder aber in Lindow. Für die älteren der rund 170 Dorfbewohner ist es gut, die Bäckerei im Ort zu haben. Sie ist zugleich ein kleiner Tante-Emma-Laden. „Wir haben ein Grundsortiment an Lebensmitteln“, sagt Kügow, der an seinen freien Montagen zum Großmarkt nach Berlin fährt, um das Sortiment einzukaufen. Von Putzmittel bis Milch ist bei ihm vieles erhältlich. Mal angenommen, es gäbe ihn nicht, wohin sollten die Leute gehen? „Weiß ich auch nicht. Nach Lindow? Oder die Einwohner müssen dort einkaufen, wo sie arbeiten.“

Traumberuf Bäcker

Ohne Mutter Eveline könnte René Kügow sein Geschäft nicht führen. Sie steht nachts mit ihm in der Backstube und tagsüber bis 18 Uhr hinterm Verkaufstresen, wenn sie nicht in 20 Kilometer Umkreis die Ware im Verkaufsauto an den Mann oder die Frau bringt. Sie morgens, René Kügow nachmittags. Nachdem er sich ein Stündchen ausgeruht hat. Das frühe Aufstehen, die schwere körperliche Arbeit, bücken, heben, zupacken, zehren auch an ihm.

Der ledige Mittvierziger wollte dennoch nie etwas anderes machen, im Gegensatz zu seinen zwei Brüdern: „Ich war es gewohnt und bin in die Bäckerei reingewachsen. Schon mit neun oder zehn habe ich in der Backstube mitgeholfen und bin am Wochenende dafür früh aufgestanden.“ Für ihn war es klar, dass er den Familienbetrieb, den die Großeltern seiner Mutter 1904 eröffneten und der seitdem in ihren privaten Händen ist, einmal übernimmt. 1989 hat er seine Lehre in der elterlichen Dorfbäckerei begonnen, danach in Potsdam seinen Meister gemacht. Als der Vater vor über zehn Jahren einen Schlaganfall erlitt, löste Sohn René ihn 2006 ab und führt seitdem mit seiner Mutter die Bäckerei. „15 Jahre hatten wir einen Gesellen, der uns geholfen hat. Er ist allerdings in Rente gegangen. Jemand Neues zu finden ist schwer“, gesteht René Kügow und sagt in seiner ganz eigenen bescheidenen Art: „Unterstützung zu haben wäre toll. Auch jemand Ungelerntes ist willkommen, wenn er eine Leidenschaft fürs Backen hat und zuverlässig ist.“

Zukunft ist fraglich

Bis dahin sind Mutter und Sohn auf sich gestellt. Das klappt bisher gut und sie machen sich keine allzu großen Gedanken. Schwierig wird es nur, wenn einer von beiden mal krank ist. Dann müssen sie das Geschäft schließen und auf die Einnahmen verzichten. So wie letztes Jahr für eine Woche. Wie lange sie die Bäckerei zusammen noch führen könnten, ist fraglich. Eveline Krüger ist 67 Jahre. Andere setzen sich in dem Alter längst zur Ruhe, sie arbeitet weiterhin voll mit. Muss ja, wie sie sagt.

Wie es für Sohn René weitergeht, wenn sie mal nicht mehr kann, steht in den Sternen. Bäcker sei für ihn ein wundervoller Job, sagt er: „Ich backe alles mit Liebe. Wenn ich es lustlos machen würde, würde man das an der Qualität merken.“ Bei ihm stimmt sie. Egal, ob man ins Kürbiskernbrötchen beißt oder in den Mürbteigkeks – es schmeckt. „1000 Brötchen verkaufen wir samstags, dazu rund 30 Brote und fünf bis sechs Blechkuchen. Unter der Woche sind es um die zwei.“ Arbeitseinsatz fast rund um die Uhr bedeutet das. Alles wird schließlich frisch die Nacht zuvor gebacken.

Kurz nach Mitternacht steht René meist auf. „Schaffe, strebe, aber lebe“ prangt als Schriftzug über dem Backofen. Es ist das Motto der Kügows. Bei aller Liebe zur Arbeit – Urlaub muss sein, sagt der Bäckermeister: „Dieses Jahr hatten wir den Laden drei Wochen zu. Das war gut und wichtig, um mal zur Ruhe zu kommen.“

Kein neuer Bäckermeister im Landkreis

René Kügow verkörpert die Werte des deutschen Meistertitels : Qualitätsarbeit, Zuverlässigkeit, Individualität und Kundennähe. Erst kürzlich bekamen 190 diesjährige Jungmeister im Handwerkskammerbereich Potsdam ihren Meisterbrief überreicht, auch im Bäckereihandwerk. Aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin war jedoch kein neuer Profibäcker dabei. Dabei unterstützt die Investitionsbank des Landes Brandenburg im Auftrag des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums die Zukunft des Handwerks. „Wer den Meisterbrief in der Tasche hat und in seinem Bereich ein Unternehmen gründet, kann eine Meistergründungsprämie beantragen“, erklärt Gunhild Brandenburg von der Kreishandwerkerschaft Ostprignitz-Ruppin. „Bis maximal 8700 Euro können das sein. Wenn ich einen Angestellten einstelle, erhöht sich die Summer sogar auf bis zu 12 000 Euro.“

Über diese Finanzspritze hätte sich René Kügow damals sicherlich gefreut. Mittlerweile ist es elf Uhr in Banzendorf geworden. Für heute ist Schluss mit Backen. Die Tortenböden hat Meister Kügow aus dem Ofen gezogen. Abends macht er die süßen Schmuckstücke fertig. Bevor er sich spätestens um neun Uhr ins Bett legt, und es dann ab Mitternacht wieder fleißig in der Backstube weitergeht.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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