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Am Chausseehaus wurde Wegezoll entrichtet

Gantikow Am Chausseehaus wurde Wegezoll entrichtet

An der B 103 in Gantikow befindet sich ein Chausseehaus. Wer früher diese Straße in Richtung Pritzwalk nutzen wollte, musste dort Wegezoll entrichten. Danach öffnete ein Wärter die Schranken und ließ die Reisenden passieren. Mit Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Neustadt nach Pritzwalk verlor das Chausseehaus an Bedeutung.

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Das Chausseehaus in Gantikow steht derzeit leer.

Quelle: Anja Schael

Gantikow. Wer Gantikow auf der Bundesstraße 103 passiert, kommt auch an einem roten Backsteinhaus mit auffälligen Zinnen vorbei. Das markante Gebäude hat früher als sogenanntes Chausseehaus gedient und war Teil eines historischen Ensembles am Ortseingang zu Gantikow, wie Angela Städeke und Helmut Wagner von der ­Kyritzer Heimatstube in Erfahrung gebracht haben. Im Auftrag des Landrates gebaut, wurde am Chausseehaus jeder zur Kasse ­gebeten, der auf der Straße verkehren wollte. Erst, wenn der erforderliche Wegezoll entrichtet war, öffnete der Chausseewärter die Schranke und ließ die Reisenden passieren.

Bis ins Jahr 1877 lässt sich die Geschichte der Gantikower Chaussee, die früher den Status einer ­Kreisstraße hatte, sicher zurückverfolgen. Zu dieser Zeit nämlich war sie Teil einer alten Handelsstraße, die bis nach Hamburg und Lübeck reichte. Mit Eröffnung der Eisenbahnstrecke Neustadt-Kyritz-Pritzwalk-Meyenburg im Jahre 1887 verlor die Handelsstraße zunehmend an Bedeutung. So wurde die Chausseegeldhebestelle, wie damals die offizielle Bezeichnung für das Gebäude lautete, mit Beschluss der Kreistagssitzung vom 7. Januar 1910 veräußert und gelangte in Privateigentum.

Nebenan stand früher eine Schmiede

Direkt neben dem Chausseehaus stand in früheren Zeiten eine Schmiede, in der die Pferde gewechselt und wenn nötig auch beschlagen wurden. Gegenüber auf der anderen Straßenseite befand sich eine Gastwirtschaft, die die Reisenden bewirtete und eventuell auch Schlafmöglichkeiten für die Nacht bereithielt. Auch die vielen Obstbäume, die links und rechts der Bundesstraße 103 stehen, sind im historischen Kontext zu betrachten. Auf Anweisung des Landrates gepflanzt, dienten sie nicht nur als Straßenmarkierung für die vielen Kutscher, die täglich den breiten, unbefestigten Sandweg befuhren. Die Flächen, auf denen die Obstbäume standen, wurden nach Bedarf stückweise an die Bürger vergeben, die wiederum die Erträge ihres Pachtlandes für sich nutzen konnten.

Das Gegenstück des Gantikower Chausseehauses steht übrigens nördlich von Pritzwalk, an der Landesstraße 111 auf Höhe des Abzweigs nach Schönhagen. Ebenfalls ein rotes Backsteingebäude mit den gleichen markanten Zinnen auf dem Dach. Während das Pritzwalker Chausseehäuschen bewohnt zu sein scheint, steht das Gantikower Gebäude schon seit längerer Zeit leer. Nachfragen der MAZ zu einer eventuellen zukünftigen Nutzung des Gebäudes brachten keine Antworten, da sich der Eigentümer diesbezüglich nicht öffentlich äußern möchte.

Von Anja Schael

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