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Im Zeichen des Theodor Fontane

Zu Pfingsten feiert Neuruppin ein Volksfest für die Literatur Im Zeichen des Theodor Fontane

Die Freude, die Welt des berühmten Dichters Theodor Fontane immer wieder neu zu entdecken - das ist es, was die Organisatoren der Neuruppiner Fontane-Festspiele antreibt. Otto Wynen, Uta Bartsch, Frank Matthus und Peter Böthig haben das mehrtägige Fest organisiert - und für die Besucher ein tolles Programm zusammengestellt.

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Fontanes „Grete Minde“ wird zum Schauspiel.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Theodor Fontane? Ist das nicht dieser Dichter von früher? Der dieses langweilige Zeug geschrieben hat, das alle in der Schule lesen mussten? So ein alter Mann mit Bart, der Bücher geschrieben hat, die vor allem andere ältere Leute lesen? Otto Wynen gibt gerne zu, dass es für jüngere Menschen nicht immer leicht ist, Fontane zu mögen. "Früher hat mir Fontane auch nichts gesagt", räumt der Neuruppiner ein. Inzwischen ist er Fontane-Fan - und einer der vier Macher der Neuruppiner Fontane-Festspiele. "Es liegt an jedem selbst", sagt Wynen: "Als ich mich für Fontane geöffnet habe, hat sich mir ein völlig neuer Kosmos erschlossen." Für Wynen ist Theodor Fontane (1819 - 1898) nicht langweilig - seine Bücher und Werke sind hoch aktuell. "Das wichtigste, das ich von ihm gelernt habe, ist eine gewisse Lebensfreude, eine Gelassenheit allem gegenüber." Und eine Freude, die Welt immer wieder neu zu entdecken.

Diese Freude ist es, die Otto Wynen, Uta Bartsch, Frank Matthus und Peter Böthig antreibt. Zu viert sind sie maßgeblich für die Organisation der Fontane-Festspiele am nächsten Wochenende in Neuruppin verantwortlich.

Die Höhepunkte im Programm

Die Fontane-Festspiele finden alle zwei Jahre immer am Pfingstwochenende in Neuruppin statt.
Eröffnet werden die Festspiele am morgigen Donnerstag um 19 Uhr in der Neuruppiner Pfarrkirche. Dort erhält der Autor Christoph Ransmayr den mit 5000 Euro dotierten Fontanepreis für Literatur. Neuruppin vergibt dort weitere Preise. Ransmayr wird am Freitag ab 18 Uhr in der Siechenhauskapelle aus seinem „Atlas eines ängstlichen Mannes“ lesen.
Zum Reiseschriftstellertreffen „Neben der Spur“ , das Teil der Festspiele ist, werden am Wochenende Autoren aus Deutschland, Österreich und Großbritannien in Neuruppin erwartet. Bis Montag stehen 20 Lesungen an Schulen, in Galerien, im neuen Neuruppiner Museum und an etlichen anderen Orten auf dem Programm.
Fontane-Verfilmungen sind den ganzen Freitag über von 10 bis 17 Uhr im Neuruppiner Museum zu sehen.

Die Schauspieler Mechthild Großmann, Winnie Böwe, Barbara Schnitzler, Gunter Schoß und Frank Arnold widmen sich am Sonnabend ab 17 Uhr in der Pfarrkirche Balladen und Gedichten von Fontane. Dazu spielt der Musiker Rainer Max Lingk.
Um die Zukunft Europas und sein Verhältnis zu England geht es bei zwei Diskussionen: Am Sonnabend und Sonntag debattieren jeweils ab 11 Uhr mehrere Autoren im Museum darüber.
Das musikalische Schauspiel „Grete Minde“ mit Liudmila Lokaichuk und Cornelius Lewenberg in den Hauptrollen ist Freitag, Sonnabend und Sonntag jeweils ab 20.30 Uhr unter freiem Himmel an der Klosterkirche zu sehen.
Das gesamte Programm ist unter www.fontane-festspiele.com im Internet nachzulesen.

Die vier Tage rund um Pfingsten sollen nicht irgend ein Literatur-Festival werden, wie es sie in Deutschland zuhauf gibt. Wynen: "Wir wollen ein literarisches Volksfest veranstalten." Das Programm soll viele Menschen ansprechen, auch solche, die mit Fontane bisher wenig anfangen können: Schriftsteller aus halb Europa lesen an den verschiedenen Orten in Neuruppin und drumherum aus aktuellen Romanen - im neuen Museum, in einem Jugendklub, in Galerien, in einer Scheune. Bekannte Schauspieler tragen Balladen von Fontane vor, begleitet von einem renommierten Jazzmusiker. Das Grete-Minde-Spektakel am Seeufer lässt den Turm der Klosterkirche an drei Tagen in Folge in imaginären Flammen aufgehen. Einen ganzen Tag lang gibt es kostenloses Kino, dazu Ausflüge, ein halbes Dutzend Ausstellungen und gemeinsame Feiern mit Besuchern, Autoren, Schauspielern und Festspielmachern bis in die Nacht hinein.

Dass Fontane und sein Erbe überhaupt nicht langweilig ist, wollen die Festspielmacher auch Jugendlichen beweisen. Erstmals lesen Schriftsteller am Freitag in drei Neuruppiner Schulen. Im Oberstufenzentrum, im Schinkelgymnasium und in der Evangelische Schule. Die Schulen waren von der Idee ganz begeistert. Für Wynen steht jetzt schon fest: "Wir werden das künftig auf jeden Fall ausdehnen."

Von Reyk Grunow

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