Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Am Weltdufttag mit der Nase sehen

Neuruppin/Wittstock Am Weltdufttag mit der Nase sehen

Kein menschlicher Sinn kann Erinnerungen so lebendig in die Gegenwart zurückholen wie der Geruchssinn. Nicht nur der Holzschuppen am See oder die verbrannten Bratkartoffeln von Papa transportieren solche Gerüche. Zum fünften Weltdufttag steckt die MAZ ihre Nase in Parfümerien in Ostprignitz-Ruppin.

Voriger Artikel
Landwirte wehren sich gegen Generalverdacht
Nächster Artikel
Mit Pfefferspray und Messer angegriffen

„Schnupper-Praktikum“: Elisabetta Meloni (links) lernt die Arbeit von Verkäuferin Michaela Hancke in der Neuruppiner Parfümerie de Vries kennen.

Quelle: Koormann

Neuruppin. „Die Seele aller Wesen ist ihr Duft“, lässt der Autor Patrick Süskind in dem Roman „Das Parfüm“ seinen Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille sagen. Grenouille, ausgestattet mit einem einmaligen Geruchssinn, macht es sich zu seiner mörderischen Aufgabe, das beste Parfüm der Welt zu kreieren. Dafür müssen einige junge Frauen ihr Leben lassen, und die Essenz, die Grenouille aus ihren Extrakten gewinnt, betört so sehr, dass er die Menschen damit in Ekstase versetzt.

Sehr viel weniger brutal, dafür aber ebenso betörend, ist die Vielzahl an Parfüms, die das ganze Jahr lang über die Ladentische geht. Seit dem 27.Juni 2013 wird der „Weltdufttag“ als jährlicher Aktionstag offiziell begangen. Der Initiator Matti Niebelschütz, der den Aktionstag ins Leben rief, gründete 2008 in Berlin das Internet-Unternehmen „MyParfum“. Er fordert dazu auf, sich an diesem Tag mit geschlossenen Augen einmal ganz bewusst dem sinnlichen Erleben der Duftwelt hinzugeben.

„Ein Geruch kann Bilder oder Geschichten erzählen“

Auch die Wittstocker Parfümerie Völpel will sich in diesem Jahr dem besonderen Tag widmen und zu diesem Anlass eine Duftpyramide aufbauen, die ein Parfüm von der Kopfnote bis hin zur jedem einzelnen der darin enthaltenen Duftstoffe zeigt. „Das hat auf unsere Kunden einen visuellen Effekt, und daran lässt sich gut nachvollziehen, welche Bestandteile einen Duft ausmachen“, sagt Sina Völpel. Sie findet es gut, dass es für den Duft einen eigenen Aktionstag gibt, an dem man sich einmal ganz bewusst den Eindrücken hingeben kann, die durch die Nase aufgenommen werden.

„Um die Nase zu trainieren, machen wir oft die Übung, dass ein Kollege für einen anderen einen Geruch aufsprüht, der ihn dann mit nach Hause nimmt und dort versucht, heraus zu riechen, was darin enthalten ist – ohne dass er weiß, um welches Parfüm es sich handelt natürlich.“ Dabei komme es nicht darauf an, das Parfüm zu erraten, sondern darauf, es auch mit allen Sinnen wahrzunehmen. „Ein Geruch kann viele Assoziationen hervorrufen, Bilder oder Geschichten erzählen“, sagt Völpel.

Im Sommer sind vor allem erfrischende und belebende Düfte gefragt

Welche Farbe, welches Gefühl, welche Musik oder welches Material etwa verbindet man mit diesem Geruch? „Es gibt Düfte, die riechen wie eine Bergwiese, grün, frisch und klar“, sagt Völpel. Überraschend sei es, wenn man das Rätsel bei der Arbeit auflöst. „Wir sind manchmal sehr überrascht, wie die Wahrnehmung des Duftes mit dem Produkt übereinstimmt“, sagt sie. Ein Kollege habe einmal gesagt, er empfinde den ausgewählten Duft als goldfarben. Der Flacon, in dem es verkauft werde, sei tatsächlich goldfarben gewesen. „Es ist eine sehr gute Übung für die Nase“, findet Völpel.

In der warmen Jahreszeit seien vor allem belebende und erfrischende Düfte gefragt, die in eine fruchtige Richtung gehen; besonders beliebt sei bei Hitze Citrusduft. „Wir bieten auch Sommerdüfte als erfrischende Pflegesprays an, mit denen man sich mehrmals am Tag einsprühen kann.“ Bei heißen Temperaturen gibt es in der Wittstocker Parfümerie auch Parfümspritzer aus eisgekühlten Flacons. „Wir bewahren einige Aromadüfte in Eiswasser auf, so dass die Kunden beim Testen auch gleich eine Erfrischung bekommen.“

Auch die Optik entscheidet beim Kauf eines Duftes

Für die Neuruppiner Parfümerie De Vries ist jeden Tag Weltdufttag, da der Duft jeden Tag im Vordergrund stehe, sagt Janet de Vries. „Die Kunden gehen mit der Saison, momentan sind Düfte mit Limette, Minze und Zitrone angesagt“, erklärt auch hier Verkäuferin Michaela Hancke. Zwar gebe es Kunden, die das ganze Jahr hindurch ihren Lieblingsduft tragen, aber manche seien für den Sommer einfach zu schwer und zu aufdringlich.

Praktikantin Elisabetta Meloni mag die Vielfalt verschiedener Düfte: „Wenn ich eine Flasche aufgebraucht habe, entscheide ich mich immer für ein ganz anderes, neues Parfüm“, sagt die Schülerin. Bei der Entscheidung für einen neuen Duft spiele auch die Optik des Flacons für viele Kunden eine Rolle, sagt Michaela Hancke. In der Parfümerie De Vries bereitet man sich mit der Aktion „Fit for Summer“ auf die nächsten Sommermonate vor: Beim Kauf bestimmter Düfte gibt es dazu eine Smoothie-Trinkflasche, außerdem empfiehlt das Geschäft verschiedene Smoothie-Rezepte mit Heidelbeeren, Bananen, Ingwer und Äpfeln.

Der Duft der letzteren soll schon Friedrich Schiller zum Schreiben inspiriert haben. Und Marcel Proust schilderte in seinem Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ das Phänomen des menschlichen Geruchssinns, der Erinnerungen mit nur einem Duft wachrufen kann. Süskinds Romanfigur lebt davon: „Es gab überhaupt keine Dinge in Grenouilles innerem Universum, sondern nur die Düfte von Dingen.“

Von Christina Koormann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg