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Amt Temnitz Windkraftgegner nehmen Brandenburgs Imagekampagne aufs Korn
Lokales Ostprignitz-Ruppin Amt Temnitz Windkraftgegner nehmen Brandenburgs Imagekampagne aufs Korn
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00:22 29.09.2018
Bitterböser Humor: Heidemarie Werner und Leonhard Schuster zeigen Bilder, die in der Imagekampagne des Landes nicht vorkommen. Quelle: Frauke Herweg
Wildberg

Es war eine Steilvorlage, die Leonhard Schuster nicht ignorieren konnte. Im Frühjahr hatte die Landesregierung eine Imagekampagne mit Bildern romantischer Seen und unberührter Natur gestartet. Schuster nutzte sie und ersann eine eigene Plakatserie – mit Bildern eines von Windrädern zugestellten Brandenburgs.

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Gemeinsam mit Vertretern anderer Initiativen stellte das Aktionsbündnis Gegenwind Prignitz-Ostprignitz vier Plakate am Mittwoch in Wildberg vor. „Wir versuchen, das wahre Gesicht des Landes zu zeigen“, sagte Schuster. Die Antwort auf die offizielle ImagekampagneBrandenburg. Es kann so einfach sein“ solle landesweit ein Zeichen setzen.

Zeugnisse bitterbösen Humors

Was Autofahrer und Passanten zu sehen kriegen, sind Zeugnisse bitterbösen Humors. „Warum das Weite suchen, wenn man hier leben könnte?“ heißt es etwa auf einem Bild einer mit Windrädern zugepflasterten Landschaft. Ein anderes Windrad-Plakat stellt schlicht fest: „Schrecklich, wenn man da zu Hause ist, wo andere Tag und Nacht ihr Geld verdienen.“

Auf der Suche nach Motiven war Schuster auch in Wildberg und Walsleben fündig geworden. Bilder von dort werden künftig auch anderswo vor den Folgen eines weiteren Ausbaus der Windenergie warnen. Eine erste Auflage von 48 Plakaten wird in der Temnitz-Region und in Fehrbellin zu sehen sein. Aus Potsdam-Mittelmark haben sich bereits weitere Plakat-Interessenten gemeldet.

Aktionsbündnis fordert Moratorium

Mit der Kampagne fordert das Aktionsbündnis auch ein landesweites Moratorium für den Bau von Windrädern. Denn nach Einschätzung des Aktionsbündnisses gibt es bei der Ausweisung von Eignungsgebieten durchaus fachliche Mängel. So werde die Windrichtung ignoriert, sagte Heidemarie Werner vom Aktionsbündnis. Für ein Dorf wie Wildberg mit fatalen Folgen. „In meinen Schlafzimmer habe ich zuletzt 76 Dezibel gemessen.“

Werners Mitstreiter Schuster leitet in Rohrlack eine Einrichtung für behinderte Menschen. In der Nähe könnten bis zu 23 Windräder mit einer Höhe von bis zu 240 Metern gebaut werden. Viele Menschen mit Behinderung seien sehr feinfühlig und würden besonders stark auf Lärm und Lichter der Windräder reagieren, sagt Schuster: „Welche Mutter, welcher Vater gibt ein hoch sensibles Kind noch hierher?“

Risiko Windrad

Schuster würde eigentlich gerne ein weiteres Haus für zehn bis zwölf Bewohner bauen. Allerdings fragt er sich, ob der Bau angesichts drohender Windräder nicht auch ein Risiko ist. „Das ist wirtschaftlich bedrohend.“

Die Möglichkeit weiterer – und höherer – Windräder in der Region macht Schuster Angst. „Wir kommen hier ja nicht weg“, sagt er. Die Menschen würden von der Dynamik der technischen Entwicklung bei den Windrädern überrollt. „Landesweit müssen die Regionalpläne an die technische Entwicklung angepasst werden.“

Andere Initiativen unterstützen Kampagne

Auch andere Initiativen unterstützen die Kampagne und kämpfen für ein Moratorium. Betreiber von Windkraftanlagen würden immer höhere Windräder bauen, sagt Rainer Ebeling von Vernunftkraft. Seine Initiative fordert deshalb einen höhenabhängigen Abstand der Windräder zu den Wohnhäusern.

Seine Initiative kritisiert zudem, dass Windkraft keine zuverlässige Stromversorgung leisten kann. In den heißen Sommermonaten dieses Jahres sei die Energieerzeugung eingebrochen, sagte Ebeling: „Für diese Zeit brauchen wir konventionelle Energie.“

Von Frauke Herweg

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