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Amt Temnitz Beim Theatersommer laufen die Proben für „Der Geizige“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Amt Temnitz Beim Theatersommer laufen die Proben für „Der Geizige“
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12:12 31.07.2018
Beim Theatersommer in Netzeband hat bald „Der Geizige“ von Molière Premiere: hier ein Probenfoto mit Uschi Schneider in der Rolle der Frosine. Quelle: Peter Geisler
Netzeband

Elise kreiselt graziös über die Bühne wie eine überdimensionierte Hummel – Dank des ausladenden Reifrocks unter dem Reifenkorsett. Ihre Pompadourfrisur reckt sich gen Himmel, verziert mit einer Perlenschnur und Federbüschen, die jedes Zirkuspferd vor Neid erblassen lassen würden. Keine Frage: Elise liebt Pomp und Glamour. Und sie liebt Valere. Der Galan in den gestreiften Pluderhosen unterm höfischen Fräcklein glubscht mit vorquellenden Augen auf die Schöne und schmalzt mit schwülstig französischem Akzent „Elise, mon amour.“ Der werden angesichts so süßer Worte stracks die Knie derartig weich, dass sie rücklings niedersinkt und die Beine willig in die Luft spreizt.

Mit „Der Geizige“ von Molière steht die nächste Premiere beim Theatersommer Netzeband auf dem Programm. Das Stück um Geiz und Verschwendungssucht ist wieder als Synchrontheater inszeniert. Die Darsteller stecken unter Masken, die Stimmen werden eingespielt. Die MAZ war bei einer Probe dabei.

„Achtung, Ruhe hinter mir. Wir proben“, ruft Regisseurin Christine Hofer. Das Ensemble spielt die Szene weiter. Man wähnt sich am Hofe des Sonnenkönigs, so prachtvoll sind Masken und Kostüme, die sich da auf der Wiese des Netzebander Gutsparks tummeln, welche Dank eines Dutzends schmaler Spiegel, hinter denen sich behandschuhte Hände lockend winden, Versailles‘ Spiegelsaal vermuten lässt. Sonnenklar, wohin die Metapher zielt: Es geht um Eitelkeit und Narzissmus, um Glanz und Reichtum, um Prunk und Verschwendung. „Der Geizige“ von Moliére ist es, der da in der letzten Probenphase steckt: Am 4. August ist die Premiere.

Stefan Schreiber polkt sich die riesige Maske vom hochroten Kopf. Es ist heiß, heiß, heiß – unter der Maske und im mehrlagigen Kostüm noch um einiges mehr. Schreiber, ein alter Netzeband-Hase, hat sich von ganz unten zu den Hauptrollen vorgearbeitet. Er spielt den Cleanthe, den Sohn des geizigen Harpagnon, der wiederum von Neuzugang Recardo Koppe gemimt wird, der bereits im Familienstück „Urfin“ die Hauptrolle spielt. „Die Hitze ist eigentlich die größte Herausforderung“, sagt Schreiber. Aber die Maske sei „cool“. „Dafür, dass Dirk zum ersten Mal Masken für Netzeband gemacht hat, hat er wirklich alles richtig gemacht“, lobt er Dirk Seesemann, der für die komplette Ausstattung zeichnete – Maske, Kostüm und Bühne.

Regisseurin Christine Hofer hat Moliéres sieben Rollen auf 21 aufgestockt

„Das war für mich auch total spannend“, bekennt der Gelobte. Alle drei Bereiche in Personalunion abzudecken, sei schon eine Herausforderung gewesen. Er habe vorab verschiedenste Masken gebaut, um erst einmal die Richtung zu finden. Die Netzeband-Masken müssen Mimik auch auf große Entfernung entfalten, so wie auch die Stimmen vom Band, zu denen die Mimen körperlich agieren. Etwa die Maske der Marianne – die junge Schöne, in die sich sowohl Cleanthe als auch Harpagnon verlieben. Dick türkis umrandete Kulleraugen symbolisieren die Blauäugigkeit des Mädchens.

Auch die Spiegelflächen sind Seesemanns Idee: „Reflexion des Narzissmus.“ Es sei die selbstgestellte Aufgabe gewesen, die komplette Wiese zu strukturieren und zur großen Bühne zu machen – mit Fernwirkung. Die zentrale Treppe am linken Bühnenrand ist von einem riesig-stählernen Pfauenrad gekrönt. Auch dies eine schöne Metapher. „Ich habe drei Monate rund um die Uhr gearbeitet – glücklicherweise mit viel Unterstützung.“ Benjamin Schulte etwa beim Bühnenbild oder auch Kostümschneiderin Stefanie Gruber.

Masken, Kostüme und Bühnenbild stammen von Dirk Seesemann

Die hat mit ihren Arbeit auch Friederike Fink und Charlotte Wolf sehr glücklich gemacht. Die beiden jungen Frauen stecken in pluderigen Kleidern, die sie wie riesige Kaffeekannen aussehen lassen. „Sowas Tolles! Total fraulich. Und der Stoff ist Wahnsinn“, sprudelt die 20-jährige Charlotte, die zum zweiten Mal in Netzeband dabei ist. Sie mimt Mariannes Mutter. „Ich mag die Figur. Sie ist ein bisschen schrullig und verrückt. Tanzt los, wenn Musik ertönt – völlig blind für die Realität“, schwärmt sie.

„Es ist maßgeschneidert“, lobt auch Friederike, es ist ihr siebtes Jahr beim Theatersommer. Auch sie freut sich auf ihre Rolle der Marianne: „Sie ist sehr scheu und schüchtern. Eigentlich ganz das Gegenteil von mir“, plaudert die 26-Jährige. Beide sind sich einig: Es gibt viel zu lachen in diesem Jahr. Schön sei auch, dass sowohl Script und Tonkonserven als auch Masken und Kostüme sehr früh fertig waren. Das macht das Proben komfortabel.

Hinter der Bühne agiert Larissa Trippel. Dass sie auch Hauptrollen kann, hat sie im Theater ohne Bühne bewiesen. In Netzeband spielt sie nur eine kleine Rolle am Ende – ihr eigentlicher Job ist die Regieassistenz. Ihr ist es zu verdanken, dass der ausgebildete Schauspieler Charles Leo Raine als Valere nach Netzeband kam. „Ich habe ihn in England kennengelernt – er spielte in meiner Theatergruppe.“ Sie hat ihn für Netzeband gewonnen – und für sich selbst.

Moliére hat für seine Stücke die Theaterform Commedia dell’arte kreiert

Die Schwierigkeit: „Er kann kaum Deutsch und versteht also die Stimmen auf dem Band nicht. Er wusste quasi nicht, was er spielt.“ Die Lösung brachte ein ins Englische übersetztes Textbuch. Mit dem und dem Band gelang es dann. „Es ist sein allererstes Maskentheater. Jetzt wird Netzeband international“, strahlt die Spielwütige.

Spielbesessen ist auch Daria Monciu – die Elise-Darstellerin. „Es wird ein tolles Stück – die ganze Machart des Spiels“, sagt sie. Tatsächlich hat der Geizige viel von Commedia dell’arte, der Theaterform, die Moliére für seine Stücke schuf. „Ich mag es, die Diva, das Püppchen zu spielen: Das Eitle, das ganze französische Etepetete, die übertriebenen Bewegungen.“ Und sie mag ihr Kostüm. „Ich habe es gesehen und sofort gepostet – obwohl es noch geheim war“, schmunzelt sie.

Regisseurin Christine Hofer quirlt über die Bühne, gibt hier Tipps, korrigiert dort eine Pose. „Das Ensemble ist groß wie nie – mit sehr vielen jungen Darstellern“, sagt sie. Sie habe aus den sieben ursprünglichen Rollen 21 gemacht – für alle, die mitspielen wollten. Da es im Stück jedoch viele Ebenen gebe – neben der Welt der Reichen auch die der Dienerschaft im Schatten – sei es kein Problem gewesen, neue Rollen zu erschaffen. Genau diese Gegensätze reizen sie.

Das Maskentheater Netzeband passt gut für diese Theaterform

„Elise und Cleanthe mit ihren Luxusproblemen – und daneben die Köchin Chantal, die ihre Miete nicht bezahlen kann und gefeuert wird.“ Da könne man gut Parallelen in die Gegenwart ziehen. „Wir nutzen unsere abstrakte, verzaubernde Theaterwelt, um aktuelle Bezüge zu zeigen.“ Fremde Welten, die die eigene spiegeln. In jeder einzelnen Maske, in jedem einzelnen Spiegel.

„Der Geizige“ hat am Samstag, 4. August ab 20.30 Uhr im Netzebander Gutspark Premiere. Karten gibt’s unter 033931/3 49 40.

Von Regine Buddeke

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